Wenn die Temperaturen sinken und die ersten Schneeflocken fallen, denken viele Menschen unweigerlich auch an Skifahren. Die Debatte über Sinnhaftigkeit und Vertretbarkeit dieses Sports hat in den vergangenen Jahren allerdings Fahrt aufgenommen. Auch die Skiwochen an Schulen werden immer kontroverser diskutiert.
Laut einer Umfrage des Bayerischen Philologenverbandes aus dem Jahr 2018 boten da rund 90 Prozent der bayerischen Gymnasien einen Skikurs an. Doch seitdem ist viel passiert. Corona hat so manche als unverrückbar geltende Tradition in Frage gestellt. Die dramatischen Auswirkungen der Klimakrise werden von immer mehr Menschen zur Kenntnis genommen und die finanzielle Lage vieler Familien hat sich durch die Energiekrise und die Inflation massiv verschlechtert.
Sind Skikurse unter diesen Voraussetzungen also noch zeitgemäß? Hier gehen die Meinungen deutlich auseinander.
Ein klares Ja kommt von Jochen Heldmann, dem Leiter des Ansbacher Platen-Gymnasiums. Die Schule fährt mit ihren 7. und 8. Klassen regelmäßig ins Skilager, in dem aber auch Langlaufen, Schlitten- und Schlittschuhfahren für Nicht-Skifahrer angeboten wird. Heldmann weist darauf hin, dass „sich auf Schnee und Eis bewegen“ im Lehrplan für die 7. Klassen an bayerischen Gymnasien stehe. Die gemeinsame Anfahrt mit Bussen hält er im Vergleich zum privaten Skitourismus zudem für die „ökologisch am wenigsten problematische Variante“.
Auch vom Skisport an sich ist er voll überzeugt. Er biete „einzigartige Entwicklungsmöglichkeiten“. Der Schulleiter hofft auch auf einen Effekt: „Eine Schneelandschaft im Winter zu sehen, das ist nicht zu toppen. Die Schüler machen sich dann hoffentlich Gedanken, wie sie das für die Zukunft erhalten können.“ Die Kosten für eine Skiwoche liegen laut Heldmann inklusive Liftpass bei rund 500 Euro pro Kind. Im Elternbeirat gebe es immer mal wieder Diskussionen über das Thema. Doch das Fazit des Schulleiters lautet: So lange weitermachen, so lange es noch genügend Schnee gibt.
Ganz ähnlich sieht das auch Dr. Joachim Stang, Schulleiter des Feuchtwanger Gymnasiums, bei dem die 7. Klassen in den Skikurs fahren. „Die Wintersportwoche wurde bislang nur ganz vereinzelt kritisch hinsichtlich der Nachhaltigkeit hinterfragt“, erklärt er.
Die Schneesicherheit sei natürlich ein Thema. „Sollte Schnee einmal nur noch in sehr hohen Lagen verfügbar sein, wird es schwierig, für Anfänger geeignete Gebiete zu finden“, glaubt Stang, der ein wahres Plädoyer für die Skiwoche hält: „Sie schult verantwortliches und regelkonformes Verhalten, Respekt und Demut vor einer imposanten Natur, Orientierung im Gelände, Wetterbeobachtung, Zusammenhalt und Rücksichtnahme, Mut und Selbstüberwindung. Hinzu kommen sportliche und gesundheitliche Aspekte der permanenten Bewegung in frischer Bergluft. Dies schafft in dieser Kompaktheit keine andere Klassenfahrt.“
Einen völlig anderen Blick auf das Thema hat Ralph Frisch, der Schulleiter des Ansbacher Theresien-Gymnasiums. Dort gibt es schon seit vielen Jahren keine Skiwoche mehr. „Die Entscheidung fiel aus ökologischen Gründen in der Debatte um Massentourismus und landschaftliche Zerstörung in den Alpen“, erklärt Frisch.
Vor mehreren Jahrzehnten ergab es seiner Meinung nach noch Sinn, den Kindern „die Schönheit der bayerischen Alpen näherbringen zu wollen“. Dies sei aber zu einer Zeit gewesen, in der die meisten Menschen viel seltener in den Urlaub gefahren seien. Das sei inzwischen deshalb „längst überholt“.
Man wolle den Schülerinnen und Schülern die Berge aber auch nicht komplett vorenthalten. Deswegen bietet die Schule im Juli für die 8. Klassen dort eine Sommerwoche an, in der verschiedene Sportarten ausprobiert werden. „Dann ist in den Bergen weniger los und so schadet man der Landschaft auch nicht so sehr“, sagt der Schulleiter. Die Sommerwoche ist laut Frisch zudem deutlich günstiger als das Skilager. Grundsätzlich sei nämlich festzustellen, „dass Eltern sich vor Klassenfahrten schon vermehrt mit der Bitte um finanzielle Unterstützung melden“.
Auch am Ansbacher Gymnasium Carolinum gibt es laut Schulleiter Stefan Exner schon seit rund 15 Jahren keine Skikurse mehr. Als Hauptgründe nennt er die finanzielle Belastung, vor allem für Familien mit mehreren Kindern und den ökologischen Gesichtspunkt.
Eine Abkehr von diesem Konzept stehe auch nicht zur Diskussion. „Das ist auf keinen Fall mehr zeitgemäß, das ist bei uns auch schulinterner Konsens. Wir sind gerade auf dem Weg, Klima-Schule zu werden, da würde das überhaupt nicht passen“, sagt Exner.
Stattdessen gibt es am Carolinum für die 8. Klassen die erlebnispädagogische Woche im Bayerischen Wald, die laut Exner außerdem auch einen anderen Ansatz verfolgt: Bewegung an der frischen Luft sei da zwar ebenfalls wichtig, der Fokus liege aber eher auf dem pädagogischen Konzept und der Gemeinschaft und nicht nur auf der sportlichen Betätigung. Bei Skikursen sei es doch eher so, dass die Sportlichen „die Gewinner“ seien, während sich die Woche für den Rest häufig nicht nur gut anfühle.