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Veröffentlicht am 15.10.2024 15:34

So könnte Bad Windsheim Photovoltaik-Anlagen in der Altstadt ermöglichen

Die Umgebung der Stadt Bad Windsheim hat viele Blicke auf die hübsche Stadt-Silhouette zu bieten. Könnten Photovoltaik-Anlagen auf Dächern dieses Panorama gefährden? (Foto: Mirko Fryska)
Die Umgebung der Stadt Bad Windsheim hat viele Blicke auf die hübsche Stadt-Silhouette zu bieten. Könnten Photovoltaik-Anlagen auf Dächern dieses Panorama gefährden? (Foto: Mirko Fryska)
Die Umgebung der Stadt Bad Windsheim hat viele Blicke auf die hübsche Stadt-Silhouette zu bieten. Könnten Photovoltaik-Anlagen auf Dächern dieses Panorama gefährden? (Foto: Mirko Fryska)

Es ist ein viel diskutiertes Thema, die Nutzung von Photovoltaik-Modulen in denkmalgeschützten Altstädten. Auch in Bad Windsheim gab und gibt es Debatten hierüber. Ein entsprechendes Konzept ist in Arbeit und schon bald dürfen auch die Bürgerinnen und Bürger ein Wort mitsprechen. So ist der aktuelle Sachstand.

Die Umgebung von Bad Windsheim bietet einige Fernblicke auf die Stadt-Silhouette. Ein Stück Geschichte, ein Stück Heimat. Doch was, wenn das Blenden von Photovoltaik-Modulen diesen Anblick trübt? Damit das möglichst nicht passiert, haben sich die Bad Windsheimer einen Experten mit ins Boot geholt: Professor Georg Sahner aus Stuttgart. Im Stadtrat hatte er schon mehrfach über den Sachstand informiert.

Große Vielfalt auf Bad Windsheims Dächern

Sahner hatte die Bad Windsheimer Dachlandschaft analysiert. Diese zeichnet sich vor allem durch eine große Vielfalt aus. „Die Dachflächen sind teilweise stark einsehbar, da sie bis aufs Fußgängerniveau reichen oder Höfe Einblick gewähren“, erläuterte der Experte. Als Beispiel nannte er das Judenhöflein. In den schmalen Gässchen sei hingegen kaum etwas zu sehen, etwa in der Knörrgasse. Und vor allem die klar gefassten Plätze seien ein Bad Windsheimer Alleinstellungsmerkmal, beispielsweise am Hafenmarkt.

Die Altstadt-Häuser sind von der Höhe sehr unterschiedlich. Um die Stadtkrone hat sich außerdem eine Ringstruktur gebildet. „Während im Kern die meisten Gebäude drei Stockwerke haben und die Bebauung auch sehr dicht ist, weitet sich diese in den äußeren Ringen“, betonte Sahner. „Von 1820 bis heute hat sich die Struktur in der Bad Windsheimer Altstadt kaum verändert. Es gibt nur wenige Städte in Deutschland, die noch so gleiche Strukturen haben.“

Die Analyse der Straßenräume, das zeige seine Erfahrung, sei sehr wichtig, um Rückschlüsse auf die Einsehbarkeit von Photovoltaik-Flächen ziehen zu können. Aber der Fachmann betonte auch in Sachen Fernwirkung: „Die Aussichtspunkte Weinturm und Galgenbuck sind zu weit entfernt, um eine Wahrnehmung der Struktur auf den Dächern im Ensemble zuzulassen.“

Die Dächer der denkmalgeschützten Dinkelsbühler Altstadt sollen auch künftig frei von Photovoltaik-Anlagen bleiben. Allerdings werden so die Eigentümerinnen und Eigentümer der Gebäude bei der Energiewende benachteiligt. Deshalb bekommt Bundesenergieminister Robert Habeck einen Brief. (Foto: Martina Haas)
Die Dächer der denkmalgeschützten Dinkelsbühler Altstadt sollen auch künftig frei von Photovoltaik-Anlagen bleiben. Allerdings werden so die Eigentümerinnen und Eigentümer der Gebäude bei der Energiewende benachteiligt. Deshalb bekommt Bundesenergieminister Robert Habeck einen Brief. (Foto: Martina Haas)

Keine Solarmodule auf alten Häusern: Städte suchen nach Ausgleich

Eigentümer denkmalgeschützter Gebäude sind benachteiligt. Die Oberbürgermeister von Dinkelsbühl, Rothenburg und Nördlingen wollen eine Kompensation vom Bund.

„Gibt eigentlich für jedes Problem Lösung“

Entsprechend hat Sahner mit seinem Team einen ersten Entwurf erarbeitet, um die Bad Windsheimer Altstadt in vier Kategorien einzuteilen. Dieser basiere auf den Erkenntnissen der Einsehbarkeitsanalyse. „Durch die geringen Gebäudehöhen und die breiten Straßen in den äußeren Ringen ist die Einsehbarkeit hier besonders stark gegeben. Dadurch sind mehr als ein Drittel der Gebäude in der zweithöchsten Kategorie“ eingestuft, beschrieben als „erhöhte Anforderungen an Photovoltaik“.

Sahner aber zeigte sich trotzdem zuversichtlich: „Es gibt eigentlich für jedes Problem eine Lösung.“ Schließlich bleibe die Technologie auch nicht stehen und entwickle sich stetig weiter. Entsprechend entstünden immer mehr „intelligente Systeme für eine intelligente Praxis“. Der Professor nannte beispielsweise Photovoltaik-Module, die exakt aussehen wie ein Biberschwanz-Dachziegel. So könnte auch auf alten Gebäuden Strom gewonnen werde – und optisch falle es gar nicht auf.

Das Kommunale Denkmalschutzkonzept sei als „Handbuch“ zu sehen, „das den Prozess der Genehmigung beschleunigt und vereinfacht“. Bürgermeister Jürgen Heckel fasste zusammen: „Wir müssen uns a) der neuzeitlichen Entwicklung stellen und b) Rücksicht nehmen auf unsere Einzeldenkmäler, die beeindruckend für ganz Bayern sind.“ Er wolle behutsam damit umgehen und dankte Sahner für die Aufbereitung der einzelnen Kategorien. „Wir werden sehen, wie wir damit umgehen.“

Muss die Satzung geändert werden?

Georg Gerhäuser (CSU) kommentierte den Vorschlag der PV-Biberschwanz-Ziegel: „Sie sind teurer als gedacht, die Ziegel sind ein echter Kostenfaktor.“ Der Experte verwies allerdings auf entsprechende Zuschüsse für die Mehrkosten über das Landesdenkmalamt. Das Kernproblem sei, dass solche Spezialexemplare derzeit teilweise noch handgefertigt werden, mit der Nachfrage könnte aber auf eine industrielle Herstellung umgestellt und entsprechend Geld gespart werden. Heckel konnte sich auch ein stadteigenes Förderprogramm vorstellen. Mattias Oberth (SPD) bat aber darum, erst andere Zuschüsse „abzuchecken“, bevor man ein eigenes auflegt.

„Könnten wir uns in der Baugestaltungssatzung auf einen Ziegel einigen?“, fragte Sabine Detsch (SPD). „Damit nicht jeder auf eigene Ideen kommt.“ Das sei grundsätzlich möglich, erläuterte Stadtbaumeister Ludwig Knoblach, aber auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit. „Da müssen wir nochmal drüber reden.“ Oberth dankte für die wichtigen Grundlagen, die in der weiteren Debatte noch nützlich sein werden.

Die Bad Windsheimer Stadträtinnen und Stadträte wollen das Thema Kommunales Denkmalschutzkonzept und Photovoltaik aber nicht alleine am Ratstisch abarbeiten. Ihnen ist es wichtig, auch die Meinung der Bevölkerung zu hören. Deshalb lädt das Bad Windsheimer Stadtbauamt alle Interessierten zu einem öffentlichen Bürgerforum ein. Dieses findet am Dienstag, 22. Oktober, ab 18 Uhr im Bad Windsheimer Schützenhaus statt. Dabei wird das Thema Photovoltaik in der Altstadt beleuchtet und Bürger haben die Möglichkeit, Anregungen einzubringen.

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