In einem krisengeschüttelten Umfeld hat die Sparkasse Ansbach bemerkenswerte Zahlen vorgelegt. In nahezu allen Bereichen konnte sie zulegen, während der bayernweite Trend nach unten ging.
Damit hat sich die Sparkasse wohl ihr größtes Geburtstagsgeschenk selbst gemacht. 200 Jahre alt sind die Häuser in Ansbach und Rothenburg geworden und damit zählen sie zu den ältesten in ganz Bayern, wie Pressesprecher und Historiker Dr. Michael Reinhart in Erinnerung rief.
Auch Vorstandsvorsitzendem Werner Frieß schien der Rückblick auf das Geburtstagsjahr bei der Präsentation der Bilanz fast wichtiger als die eigentlichen Zahlen. „Wir haben versucht, überall die Kunden mitzunehmen und es hat uns riesige Freude bereitet.“
Weniger erfreulich war das wirtschaftliche Umfeld. Die hohen Rohstoff- und Energiepreise, gestörte Lieferketten und eine große Unsicherheit waren auch 2023 prägend. Der Zinsanstieg kam „fast über Nacht“. „Das war bis dahin nur Theorie, ein Worst-Case-Szenario, das man durchspielt“, sagte Frieß. Auch erfahrene Bänker wie Frieß und seine Vorstandskollegen Dieter Mai und Stefan Fink konnten sich nicht vorstellen, dass eine solche Entwicklung einmal Realität würde.
Doch der Blick in die Bilanz zeigt: Sie scheinen alles richtig gemacht zu haben. Die Bilanzsumme der Sparkasse Ansbach wuchs von 5,29 auf 5,47 Milliarden Euro und damit um 3,3 Prozent auf einen neuen Rekord. Die Sparkassen in Bayern mussten hingegen ein Minus von 1,0 Prozent verkraften. Ein ähnliches Bild bei den Kundeneinlagen, die von 4,09 auf 4,25 Milliarden um 3,8 Prozent stiegen, während es bayernweit ein Minus von 0,9 Prozent gab.
Die Sparkasse Ansbach ist mit rund 110.000 Kunden und gut 300.000 Konten (nahezu drei Viertel davon onlinefähig) Platzhirsch in Stadt und Landkreis Ansbach. Sie profitierte von der Wirtschaftsstruktur in der Region. Die gut aufgestellten, meist inhabergeführten Unternehmen und solide planende Privathaushalte sorgen dafür, dass „die Ausschläge bei uns nie so extrem sind“, sagte Werner Frieß. „Sicherheit ist für viele Menschen hier ein Thema.“
Deshalb wechselten sie auch von den Einlagen auf Tagesgeldkonten zu anderen Formen. Ein Minus von 2,8 Prozent (von 2,85 auf 2,77 Milliarden Euro) vermeldet die Sparkasse. „Die Kunden waren auf der Suche nach Verzinsung“, erklärte Werner Frieß.
Nachdem es viele Jahre gar keine Zinserträge gab und in manchen Fällen sogar eine Negativverzinsung im Raum stand, freute man sich über sichere Anlageformen mit Zinsen. Stolz ist die Sparkasse, dass sie zu den ersten in Bayern gehörte, die die positive Zinsentwicklung an die Kunden weitergab. Das schlug sich bei Anlagen wie Sparkassenbriefen in einem satten Plus nieder.
Ausdrücklich lobten die drei Vorstände die Arbeit der Berater und die Treue der Kunden. Denn Direktbanken warben mit hohen Zinssätzen, um frisches Geld an sich zu ziehen. Doch meist habe es sich dabei nur um kurzfristige Anlageformen gehandelt, wie Dieter Mai betonte.
Dass die an Privatkunden ausgegebenen Kredite von 1,24 auf 1,21 Milliarden sanken, hat natürlich ebenfalls mit der Zinsentwicklung zu tun. Viele Häuslebauer schoben ihre Pläne erstmal in die Schublade. Bei den Unternehmenskrediten gab es dennoch ein leichtes Plus von 1,44 auf 1,48 Milliarden Euro. Unterm Strich blieb also ein minimales Wachstum.
Eine Entwicklung, die die Niedrigzinsphase mit sich brachte, ist mehr Vertrauen in Wertpapiere. Die Deutschen galten im internationalen Vergleich einst als sehr zurückhaltend, was Aktien und Fonds angeht. Nun meldet die Sparkasse für 2023 trotz des Zinssprungs ein Plus von 423 auf 492 Millionen Euro bei dieser Anlageform. Für Frieß ist das „eine schöne und gute Entwicklung“. Auch hier zeige sich die Bedeutung von Anlageberatung. Der Sparkassenvorstand räumt aber ein: „Wenn sich jemand nicht wohl damit fühlt, muss man das auch zugestehen.“
Das Bausparen galt zeitweise als spießig und langweilig. Doch in Zeiten inverser Zinsstrukturen (die Zinssätze für Anlagen sind kurzfristig höher als langfristig) hat das Instrument neue Freunde gewonnen. Noch gibt es Verträge mit Zinssätzen um ein Prozent für das Darlehen, führte Dieter Mai aus. Doch die Bausparkassen werden in absehbarer Zeit umstellen. Mit 191,9 Millionen Euro Volumen im vergangenen Jahr erzielte die Sparkasse ihr zweitbestes Ergebnis nach dem Rekord im Vorjahr. Sie ist jedes Jahr bayernweit ganz vorne dabei.
Gefallen ist in 2023 erneut die Zahl der Beschäftigten. 692 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat die Sparkasse aktuell. Vor einem Jahr waren es 728 und 2021 sogar 745. Dieser Abwärtstrend sei nicht gewollt, versicherten Frieß und Fink. Es gebe unbesetzte Stellen und das Ziel seien auf jeden Fall mehr als 700 Beschäftigte. Um dorthin zu kommen, fährt die Sparkasse die Zahl der Auszubildenden hoch. Im Herbst werden „mindestens 24“ anfangen, kündigte Frieß an.
Was die Zahl der Filialen angeht, sei die Situation stabil, so Frieß. 34 Filialen mit Service und Beratung betreibt die Sparkasse, hinzu kommen 15 reine SB-Niederlassungen. Es gebe aktuell keine Pläne für ein Ausdünnen. Frieß: „Wir können die Sparkasse nicht zu weit von den Kunden entfernen.“ Die fehlenden Zinszahlungen hatten in der Vergangenheit für einen extremen Kostendruck gesorgt. Dieser lasse nun wieder nach.
Deshalb gebe es aktuell auch keine Überlegungen, sich eine Niederlassung mit einer Genossenschaftsbank zu teilen, so wie es in Lehrberg und Flachslanden praktiziert wird. Was gemeinsame Geldautomaten angeht, sei die Situation anders, erklärten Fink und Mai. Hier könne eine Kooperation für beide Seiten sinnvoll sein, weil sich ein solcher erst ab 30.000 Abhebungen im Jahr wirtschaftlich betreiben lasse.
Bilanzsumme: 5469 Millionen Euro (2022: 5295 Millionen Euro)
Kundeneinlagen: 4246 Millionen Euro (4092 Millionen Euro)
davon Sparkassenbriefe und ähnliche Anlageformen: 755 Millionen Euro (299 Millionen Euro)
Kundenausleihungen: 2823 Millionen Euro (2802 Millionen Euro)
Betriebsergebnis: 1,28 Prozent (0,91 Prozent)
Zahl der Beschäftigten: 692 (728)