Rita ist eine 17-jährige Waise im zerrütteten Deutschland am Ende des Zweiten Weltkriegs. Und sie ist die Hauptperson in Thomas Braschs Theaterstück „Lovely Rita” – ein Drama, das mit seinen kontroversen Themen provoziert. Matilda Hulsman lässt sich davon nicht abschrecken.
Ganz im Gegenteil: Sie findet Rita „eine Protagonistin, die sinnbildlicher für unsere Zeit nicht sein könnte”. Deshalb hat die Rothenburgerin das Drama ausgewählt, um es an der Studiobühne Würzburg zu inszenieren. Die Besonderheit: Matilda Hulsman ist erst 17 Jahre alt und geht noch zur Schule.
Die Universität Würzburg, zu der die Studiobühne gehört, hat für sie eine Ausnahmeregelung getroffen. Und zwar bereits zum zweiten Mal. Denn ihr Regiedebüt feierte Hulsman dort bereits im April dieses Jahres mit ihrem selbst verfassten Stück „Verfallsdokumentation”.
Den ersten Kontakt zur Studiobühne bekam sie bei den „Tandemtagen” an der Hochschule, an denen Schülerinnen und Schüler eingeladen sind, die Universität kennenzulernen. „Danach habe ich eine Mail geschrieben, dass ich dort gerne mein Stück inszenieren würde”, berichtet sie. Erst kam eine Absage – „aber ich war hartnäckig”.
Die Studiobühne in Würzburg ist eines der größten Laientheater Süddeutschlands. Menschen zwischen 19 und 35 Jahren sind dort aktiv. Anfangs sei es ungewohnt gewesen, als damals noch 16-Jährige mit lauter Älteren zusammenzuarbeiten, so Hulsman. Aber „es herrscht dort ein so partnerschaftliches Miteinander, dass es leichtfiel”.
Mit Lovely Rita hat sie sich nun „endlich an den Stoff gewagt, den ich seit Jahren auf der Bühne verwirklicht sehen wollte”, sagt sie. Warum ausgerechnet dieses Schauspiel, das eine ganze Bandbreite an Grausamkeiten abdeckt – von sexualisierter Gewalt über Ehrenmorde bis hin zum Schwangerschaftsabbruch?
Grund eins: Thomas Brasch ist Hulsmans Lieblingslyriker – allein schon wegen seiner Sprache. Grund zwei: „Rita ist heimatlos und getrieben, das passt optimal in unsere Zeit”, auch wenn das Stück bereits 50 Jahre alt ist. Es ist ein „sehr freier Stoff”, sagt Hulsman, „und er muss einfach erzählt werden”.
Anfang November wird Premiere von „Lovely Rita” sein, die intensive Probenphase hat bereits begonnen. Daher lebt Hulsman fast mehr in Würzburg als in Rothenburg – von Freitagnachmittag an gehört das Wochenende der Probenarbeit. Meist wohnt sie dort bei Theaterkolleginnen oder -kollegen – „das ist schon fast wie Familie”.
Und auch von zu Hause aus gibt es ständig etwas zu tun – ob Werbung koordiniert, die Tontechnik besprochen oder am Bühnenbild gefeilt wird. Nebenbei bereitet sich die 17-Jährige auf die Abiturprüfung am Ende dieses Schuljahres vor – sie besucht mittlerweile die Christian-von-Bomhard Schule in Uffenheim. Freie Zeit ist selten. Dennoch sagt sie mit leuchtenden Augen: „Es ist großartig zu tun, was man liebt.” Ohne die Unterstützung und den Rückhalt ihrer Familie wäre das nicht möglich, „die sind einfach der Wahnsinn”.
Nach dem Abitur will sie sich an Regie-Hochschulen bewerben, um ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen. Die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin wäre ihre erste Wahl. In Berlin hat sie auch Thomas Ostermeiers Hamlet-Inszenierung gesehen, „die war lebensverändernd”. Danach habe sie eigentlich keine andere Wahl mehr gehabt, als ebenfalls mit dem Inszenieren anzufangen. „Ich war tief davon berührt, was Theater alles leisten kann.”
Die Ursprünge ihrer Liebe zur Bühne liegen noch ein wenig weiter zurück. Bereits mit elf Jahren war Hulsman Poetry Slammerin, brachte es mit ihren Texten bis zur Bayernmeisterschaft. Dramen schreiben habe sie jedoch mehr erfüllt. „Aber meine Leidenschaft liegt eindeutig beim Inszenieren.”
„Lovely Rita” ist in der Stadtmensa Würzburg vom 3. bis 7. November jeweils ab 20 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.