In der Bürgerversammlung brachte Rüglands Bürgermeister Wolfgang Schicktanz mal wieder ein leidiges Thema zur Sprache: Der Vorplatz der Sankt-Bartholomäus-Kirche im Ortsteil Unternbibert nimmt sich alles andere als einladend aus. Seit geraumer Zeit. „Das ist ein Schandfleck“, sagt Schicktanz unmissverständlich. Ebenfalls seit geraumer Zeit.
An sich ist Rüglands oberster Vertreter ein geduldiger Mensch. Im Rat der Gemeinde wird zwar auch mal diskutiert – gemeinhin fand sich aber bislang für alle Projekte und Aufgaben eine von allen Vertretern für gut befundene Lösung. Was die evangelische Kirche im Gemeindeteil Unternbibert und insbesondere deren Vorplatz angeht, zeichnet sich allerdings kein Fortschritt ab. Selbst der Langmut von Schicktanz scheint inzwischen arg strapaziert. Nicht nur, weil er unweit der Kirche wohnt.
Es ist eine schier endlose Geschichte, die nun noch um ein Kapitel reicher ist, das der Bürgermeister jüngst zum Besten gab. Aber der Reihe nach.
Der direkt an der Hauptstraße zentral gelegene Platz an der Kirche präsentiert sich schon seit geraumer Zeit alles andere als aufgeräumt. Vielmehr hat er seit dem Jahr 2019 den Charakter einer Baustelle, die in der Folgezeit in eine Art Dornröschenschlaf gefallen ist. Am kaum mehr zu identifizierenden Eingang ist ein historischer Torbogen provisorisch mit Holzkeilen abgestützt. Ein paar Meter weiter ragt eine halb abgebrochene Ziegelsteinmauer in den Platz hinein. Anstelle eines durchgängigen Pflasters füllen kleine Steine die Lücken im Vorplatz aus. Weitere Mängel scharen sich um das wenig ansehnliche Areal. Nicht erst seit gestern.
„Der Kirchenvorplatz ist überall ein Schandfleck. Egal, aus welcher Richtung man ihn betrachtet“, sprach Schicktanz in der Bürgerversammlung Klartext. Es hakt in der Kirchengemeinde, wobei die den schwarzen Peter weiterschiebt.
„Geplant war für Januar dieses Jahres, die verschiedenen Arbeiten für die Neugestaltung des Kirchenvorplatzes auszuschreiben. Leider warten wir immer noch auf die Antragsunterlagen“, hieß es schon im November 2022 auf der Internetseite der Kirchengemeinde.
Getan hat sich seitdem nichts. Vor nunmehr etwas mehr als eineinhalb Jahren waren „Personalengpässe in der Kirchenbauverwaltung“ als Grund der Verzögerungen genannt worden. Schon damals hatte Schicktanz den Zustand als „Schandfleck“ eingestuft. Planungen für eine Aufwertung bestehen seit mehreren Jahren, auf rund 66.000 Euro war das Projekt anno 2022 von Seiten der zuständigen Kirchenstellen taxiert worden, „weshalb bei uns seit Jahren 35.000 Euro dafür im Haushalt stehen“, hielt Schicktanz angesäuert fest.
Das ist in etwa die Hälfte der Projektkosten, weil Kirche und Gemeinde das Grundstück am Vorplatz 2019 gemeinsam erworben hatten – mit dem Ziel, nach dem Abriss des dort stehenden Hauses die 117 Quadratmeter große Fläche umzugestalten. Zumindest auf Gemeindeseite kann man sich noch bestens an diese Übereinkunft erinnern.
Wie Schicktanz berichtete, waren die Vertreter der evangelischen Kirche zuletzt jedoch davon ausgegangen, die inzwischen deutlich gestiegenen Kosten für die Aufwertung des Kirchenvorplatzes in Unternbibert komplett tragen zu müssen. Selbst der gemeinsame Erwerb des Hauses war bei der Kirche in Vergessenheit geraten.
Einmal tief durchatmend, befand Schicktanz unter wohlwollendem Kopfschütteln der Anwesenden und dem Hinweis, dass neueste Berechnungen mit einem Kostenrahmen von 80.000 Euro vorlägen: „Ich würde vorschlagen, wir bleiben bei Fünfzig zu Fünfzig.“ In der Hoffnung, dass der Platz vor der Sankt-Bartholomäus-Kirche einem der zwölf Apostel Jesu doch baldmöglichst wieder zur Ehre gereichen möge.