Der Medaillentraum von Luisa Geiselsöder aus Burgoberbach bei der Basketball-Europameisterschaft ist geplatzt. Bei der 59:83 (36:41)-Niederlage im Viertelfinale gegen Belgien war sie zu Beginn zwar überragend und auch am Ende die Topscorerin der deutschen Mannschaft. Aber ein starkes Viertel reichte nicht, um dem Turnierfavoriten in Piräus ein Bein zu stellen.
Schon durch die Gruppenphase war Belgien ohne größere Widerstände marschiert. Nach zwei hohen Siegen gegen Portugal (81:52) und Montenegro (87:53) hatte die Mannschaft von Trainer Mike Thibault nur beim 72:60 gegen Tschechien leichte Probleme. Etwas anderes als die Titelverteidigung zählt auch nicht für das Team um Superstar Emma Meesseman, die 2023 ebenso zur besten Spielerin des EM-Turniers gewählt worden war wie zuletzt dreimal hintereinander in der EuroLeague.
Zusammen mit Teamkollegin Julie Allemand gewann sie das Double aus Meisterschaft und Pokal in der Türkei. Komplettiert wird die erste Fünf von Julie Vanloo, seit dieser Saison bei den Golden State Valkyries in der WNBA, Antonia Delaere und Kyara Linskens, die gegen Montenegro 25 Punkte warf. Durchgehend Weltklasse und nach allgemeiner Einschätzung der denkbar schwerste Gegner im Viertelfinale.
Schon in der Vorbereitung auf das Turnier hatte es für das DBB-Team zwei klare Niederlagen gegen den Titelverteidiger gegeben, allerdings ohne die beiden Leistungsträgerinnen Geiselsöder und Leonie Fiebich. Bei den Olympischen Spielen im Vorjahr in Paris war dem Team von Bundestrainerin Lisa Thomaidis jedoch ein 83:69-Erfolg gelungen, weshalb man sich auch diesmal eine Chance ausrechnete.
Diese Chance suchte die Mannschaft in der üblichen Startformation mit Geiselsöder, Fiebich,Frieda Bühner, Emily Bessoir und Alexis Peterson vom Anwurf weg. Geiselsöder brachte Deutschland mit ihrer ersten Aktion in der 2. Spielminute und ihrem ersten Dreier mit 6:4 in Führung. Der zweite zum 9:6 folgte gleich darauf, der dritte fiel in de 5. Minute zum 15:11.
Beim Stand von 21:21 ging es in die erste Viertelpause. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Team bereits sechs Distanzwürfe im Korb versenkt, aber nicht einen der fünf Zweipunktversuche. Auch der Start in den zweiten Abschnitt gelang gut. Der erste erfolgreiche Zweier von Bühner brachte wieder eine Führung von 29:26 (12. Minute), die bis zur Mitte des Viertels gehalten wurde.
Erst in den letzten Minuten vor der Halbzeit verlor Deutschland etwas den Kontakt. Mit schnellen Fastbreaks und einfachen Punkten vor allem von Meesseman setzten sich die Belgierinnen etwas ab und gingen mit einem Fünf-Punkte-Vorsprung in die Pause (41:36). Dennoch war das DBB-Team noch in Schlagdistanz, vor allem dank Luisa Geiselsöder.
Elf Sekunden nach Wiederbeginn setzte Messeeman mit einem Dreier zum 44:36 das Zeichen für die zweite Halbzeit. Der Favorit machte das Spiel nun schneller, bewegte sich besser und ließ den Ball laufen. Wie befürchtet, sollte sich die mangelnde Tiefe auf der deutschen Bank nun als Schwachstelle erweisen. Unaufhaltsam zog Belgien bis zur Mitte des Viertels auf 55:42 davon, schaltete anschließend nochmals einen Gang hoch und erhöhte mit einem 8:0-Lauf auf 63:45 in der 27. Minute.
Auch Geiselsöder konnte in dieser Phase nicht mehr dagegenhalten und war hauptsächlich in der Defensive gefordert. Auf der anderen Seite lief der Star zur Hochform auf. In der 24. Minute hatte Meesseman schon 23 Punkte auf dem Konto, am Ende waren es 30. Unterstützt von Allemand (15), Linskens (14) und Venloo (12) ließ Belgien am Sieg keine Zweifel mehr aufkommen. In der 35. Minute betrug der Abstand erstmals 20 Punkte (76:56), bei der Schlussirene waren es 24.
Zwar gaben sich die deutschen Spielerinnen auch im Schlussviertel nie auf, waren aber nicht mehr in der Lage, den Favoriten in Bedrängnis zu bringen. Beste deutsche Werferinnen waren Geiselsöder und Bühner (je 13 Punkte). Die Dreierquote von 32 Prozent (10 von 31 Versuchen) war in Ordnung. Doch sechs dieser Würfe fielen schon im ersten Viertel, was natürlich nicht über das gesamte Spiel zu halten war. Vor allem in Korbnähe war das Team zu unterlegen. Aus der Nahdistanz traf Belgien 27 von 45 Versuchen (gegenüber 9 von 32), dazu kam ein Reboundverhältnis von 45:29.
Damit ist der Medaillentraum geplatzt, zu Ende ist das EM-Turnier aber für beide noch nicht. Bevor Belgien im zweiten Halbfinale am Freitag auf Italien trifft (19.30 Uhr), geht es für Deutschland in das erste Platzierungsspiel gegen die Türkei (13.30 Uhr). Das neue Ziel ist dann, „das Ergebnis von 2023 zu toppen“, sagte Emily Bessoir unmittelbar nach dem Spiel. Das wäre dann der Abschlussplatz fünf.