Heidi Müller und Peter Holzmann sind die neuen Kreisbehindertenbeauftragten. Das Tandem trat die Nachfolge von Tanja Siemund-Özcan und Rebekka Hartlehnert an. Seit Anfang Juni sind die beiden Neuen im Amt.
Beworben haben sich der stellvertretende Neustädter Bürgermeister und langjähriger Leiter des Tiefbauamtes sowie die Emskirchener Behindertenbeauftragte nicht um diese Aufgabe, erzählen sie schmunzelnd. Matthias Hirsch vom Landratsamt fragte vielmehr bei ihnen an, ob sie nicht Interesse hätten. Gerade durch seine berufliche Erfahrung bringt Holzmann viel Expertise in baulichen Belangen mit und hatte in der Vergangenheit schon oft Kontakt zu Behindertenbeauftragten, wenn es etwa um bauliche Maßnahmen an Bushaltestellen oder Straßen ging.
Heidi Müller hat auf lokaler Ebene schon einiges an Erfahrung als Behindertenbeauftragte sammeln können und wurde in Emskirchen schon bei einigen Projekten hinzugezogen. „Eigentlich wollte ich kein weiteres Ehrenamt mehr machen”, sagt die 65-Jährige, die unter anderem in Neuhof den Bürgerbus steuert. Als klar war, dass sie mit Peter Holzmann einen versierten Mitstreiter an ihrer Seite hat, sagte sie zu. Die beiden hatten in den vergangenen Wochen schon einige Termine.
Da ging es etwa um die Ortsdurchfahrt der Staatsstraße in Külsheim bei Bad Windsheim. Im Fokus standen dort der behindertengerechte Ausbau der Bushaltestelle sowie ein Übergang. Das Ganze ist eine Maßnahme des Freistaates Bayern. Eine andere Anfrage betraf ein weiteres staatliches Projekt. Es ging um den Radwegebau von Markt Bibart nach Castell. Dort stellte sich die Frage nach einer Bedarfsampel an der Bundesstraße 8 bei Enzlar
Eine Stellungnahme wurde auch für den Neukauf eines Schulbusses gewünscht. Maßnahmen wie die genannten kommen nicht nur Menschen mit Behinderung zugute, sondern unter anderem Seniorinnen und Senioren oder Mitbürgern, die etwa zeitweise nach einem Unfall beeinträchtigt sind oder Eltern mit Kinderwagen. „Es muss noch viel mehr auf diesem Sektor passieren”, sagt Heidi Müller, immerhin werde auch im Landkreis die Zahl der betagten Menschen immer größer.
Sie wurde bereits von der Gemeinde Neuhof konsultiert. Dabei wurde angefragt, wie man ein behindertengerechtes WC im Freibad realisieren könnte – etwa im Rahmen von Sanierungsmaßnahmen. Angeregt hat sie bereits einen Handlauf an der Treppe neben dem Kassentrakt am Freibad; auch schlug sie vor, den bisherigen Behindertenparkplatz zu verlegen, und zwar auf die Wendekreis-Insel zwischen Schule und Freibad.
Einen Termin hatten Müller und Holzmann zudem mit Obernzenns Bürgermeister Reiner Hufnagel am Obernzenner See. Anlass: Ein gehbehinderter Mitbürger aus dem Landkreis hatte angefragt, ob man nicht eine Treppe nebst Geländer in den See bauen könnte, der derzeit auf Vordermann gebracht wird. Angeregt hatte er zudem einen kleinen Platz, wo man Rollator oder Stock vor dem Gang ins Wasser platzieren könnte.
Beim Ortstermin kam dann die Idee auf, angefangen am Strand und über den Flachwasserbereich bis in tiefere Stellen des Sees, ein Edelstahlgeländer so anzubringen, dass man sich an diesem mit einer Hand festhalten kann. So kann man unterstützt ins Wasser laufen, bis es tief genug fürs Schwimmen ist. Zu Beginn des Geländers könnte man ein kleines Stück asphaltieren, damit Hilfsmittel wie Rollator oder Stock dort abgestellt werden können. „Bürgermeister Hufnagel stand dem Ganzen sehr aufgeschlossen gegenüber”, sagen Holzmann und Müller, die das konstruktive Miteinander mit dem Rathauschef begrüßten.
Im Gespräch mit unserer Redaktion laden die beiden Kreisbehindertenbeauftragten bereits alle Behinderten- und Seniorenbeauftragten der Kommunen im Landkreis zu einem Fachvortrag ins Landratsamt ein. Er beginnt am 2. Oktober um 14.30 Uhr. Nicht unerwähnt lassen sie, dass sie nur eine beratende, keine planende Funktion haben. So beraten sie etwa den Landkreis bei der Umsetzung der Ziele und Aufgaben des Bayerischen Behindertengleichstellungsgesetzes (BayBGG), insbesondere in Sachen Gleichstellung und Barrierefreiheit für Behinderte.
Die Beiden beraten den Kreistag, dessen Gremien und die Verwaltung in Fragen der Behindertenarbeit, ist auf der Homepage des Landratsamtes nachzulesen. Sie planen Maßnahmen zur Gleichstellung oder Integration von Menschen mit Handicap in Verwaltung und Betrieben des Landkreises. Die Beauftragten geben Stellungnahmen, Anträge und Empfehlungen in behindertenrelevanten Angelegenheiten ab. Sie nehmen ferner Anregungen zu Maßnahmen auf, um die Integration von Menschen mit Behinderung zu verbessern, sie unterrichten den Kreistag und koordinieren Aktivitäten auf Landkreisebene,
Nachzulesen ist unter anderem ferner, dass sie sich mit den Behindertenbeauftragten der hiesigen Gemeinden zum Erfahrungsaustausch und der Abstimmung gemeinsamer Aktivitäten kurzschließen. Auf der Agenda steht darüber hinaus die Zusammenarbeit mit den fachlich relevanten Institutionen und Gremien. Zu tun gibt es also genug für das neue Tandem. Nun sind sie gespannt, was die nächsten Anfragen und Termine bringen.