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Veröffentlicht am 15.04.2026 07:00

Vor 150 Jahren: Eisenbahnstrecke zwischen Dombühl und Feuchtwangen wurde eröffnet

Nach fast 110 Jahren Fahrgastbeförderung verließ am 1. Juni 1985 der letzte offizielle Personenzug um 12.10 Uhr den Feuchtwanger Bahnhof. (Repro: Erich Herrmann)
Nach fast 110 Jahren Fahrgastbeförderung verließ am 1. Juni 1985 der letzte offizielle Personenzug um 12.10 Uhr den Feuchtwanger Bahnhof. (Repro: Erich Herrmann)
Nach fast 110 Jahren Fahrgastbeförderung verließ am 1. Juni 1985 der letzte offizielle Personenzug um 12.10 Uhr den Feuchtwanger Bahnhof. (Repro: Erich Herrmann)

Am 15. April 1876 – also genau vor 150 Jahren – ist die Eisenbahnstrecke zwischen Dombühl und Feuchtwangen feierlich in Betrieb genommen worden. Der letzte Triebwagen im Feuchtwanger Bahnhof fuhr dann am 1. Juni 1985 ein. Seit vielen Jahren laufen inzwischen intensive Bemühungen für eine Reaktivierung des Linienverkehrs.

Der kürzlich verstorbene, ehemalige Feuchtwanger Stadtarchivar Dietrich Weiß und dessen Tochter Angelika hatten bereits zu Beginn der 2000er Jahre mit umfangreichen Forschungsarbeiten zur örtlichen Eisenbahngeschichte begonnen. Anhand von historischen Briefen und Karten aus dem Stadtarchiv sowie von schriftlichen Unterlagen der Königlich Bayerischen Staatseisenbahn hatten sie dann ihre Forschungsergebnisse am Karlstag 2006 vorgestellt. Ihre Aufzeichnungen publizierten sie noch im selben Jahr im siebten Band der Schriftenreihe „Feuchtwanger Heimatgeschichte”.

Zu viele Höhenzüge und Flusstäler

Daraus geht hervor, dass sich die Städte Feuchtwangen und Herrieden bereits 1857 in Form einer schriftlichen Bitte an den Bayerischen Landtag um Anschluss ans Eisenbahnnetz bemüht hatten. Die Strecke sollte von Ansbach über Herrieden und von Feuchtwangen nach Crailsheim führen. Doch aufgrund vieler Höhenzüge sowie Flusstäler wäre der Bau zu kostspielig gewesen. Die Hauptlinie wurde deshalb über Leutershausen, Dombühl und Schnelldorf nach Crailsheim gebaut. Die Verbindung Ansbach-Dombühl konnte am 15. Juni 1875 und die Linie Dombühl-Crailsheim am 15. April 1876 – gleichzeitig mit der ungefähr elf Kilometer langen Nebenbahn, die Feuchtwangen über Dorfgütingen mit Dombühl verband – fertiggestellt werden.

Im Stadtarchiv befindet sich heute noch der Entwurf einer Bittschrift für die Errichtung dieser Strecke an König Ludwig II. Der Bau der Trasse, für dessen Kosten die Stadt Feuchtwangen zum Teil selbst aufkommen musste, hatte dann beinahe zwei Jahre gedauert. Im Hinblick auf eine spätere Fortführung der Linie in Richtung Dinkelsbühl wurde der Feuchtwanger Bahnhof westlich der Sulzach errichtet, womit allerdings eine beträchtliche Entfernung vom Stadtmittelpunkt in Kauf genommen werden musste.

Stadt musste 124.000 Gulden aufbringen

Die Kosten für die Trasse lagen bei 770.000 Gulden, nach heutigem Wert zirka 660.000 Euro. Die Stadt Feuchtwangen musste 124.000 Gulden aufbringen. Das gelang über eine Anleihe in Höhe von 120.000 Gulden, den Restbetrag von 4000 Gulden stellten Feuchtwanger Bürger bereit.

Allein von April bis Dezember 1876 sind am Bahnhof Feuchtwangen über 20.000 Personen, 36.500 Kilogramm Gepäck, 427 Stück Großvieh und 330 Tonnen Frachtgut befördert worden. Am 2. Juli 1878 wurde dann die Strecke zwischen Nördlingen und Dinkelsbühl freigegeben. Der Bau des noch fehlenden Zwischenstückes von Dinkelsbühl nach Feuchtwangen wurde 1879 von der Staatskammer in München genehmigt und das betreffende Gesetz von König Ludwig II. auf Schloss Neuschwanstein unterzeichnet. Die Linie, deren Bau 1,7 Millionen Mark kostete, wurde dann am 1. Juni 1881 zum Betrieb freigegeben.

An Bedeutung verloren

Durch die Gleisanbindung wurde es rentabler, Waren von Fabriken aus größeren Städten zu beziehen und sie über die Bahn heranzuschaffen zu lassen als sie vor Ort zu produzieren. Das bedeutete das Ende für etliche Berufszweige, heißt es in den Aufzeichnungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Bahn noch für den Berufsverkehr und die Beförderung von Schülerinnen und Schülern bedeutend gewesen.

Die Zunahme des Personen- und Lastwagenverkehrs – zusammen mit dem Ausbau des Straßennetzes – hätten dafür gesorgt, „dass die Eisenbahn in der Region rasch an Bedeutung verlor”. Am 1. Juni 1985, „dem Tag der 150-Jahr-Feier der deutschen Eisenbahn“, fuhr der letzte Triebwagen im Feuchtwanger Bahnhof ein. Von dem mit Blumen geschmückten Personenzug wehte der Trauerflor. Nach fast 110 Jahren Fahrgastbeförderung verließ der letzte offizielle Personenzug um 12.10 Uhr den Feuchtwanger Bahnhof.

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