Vor der Premiere: „Der Sommergast” im Freilandtheater Bad Windsheim | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 26.06.2024 18:00

Vor der Premiere: „Der Sommergast” im Freilandtheater Bad Windsheim

Hat eine neue 60er-Jahre-Komödie für sein Freilandtheater geschrieben: Christian Laubert, der künstlerische Leiter. Der Kaugummiautomat, an dem er lehnt, spielt darin mit. (Foto: Thomas Wirth)
Hat eine neue 60er-Jahre-Komödie für sein Freilandtheater geschrieben: Christian Laubert, der künstlerische Leiter. Der Kaugummiautomat, an dem er lehnt, spielt darin mit. (Foto: Thomas Wirth)
Hat eine neue 60er-Jahre-Komödie für sein Freilandtheater geschrieben: Christian Laubert, der künstlerische Leiter. Der Kaugummiautomat, an dem er lehnt, spielt darin mit. (Foto: Thomas Wirth)

Was will der Fremde im Dorf? Im Ort machen sich Zweifel breit. Will er wirklich nur Vögel beobachten, der Sommergast? Eine andere Frage plagt die Dorfgemeinschaft noch viel mehr: Wer hat Schokolade? Nicht irgendeine, nein, die vom Bürgermeister. Im neuen Stück des Freilandtheaters spielt sie eine wichtige Rolle.

„Der Sommergast“ heißt die Komödie, die Christian Laubert, der künstlerische Leiter, für sein Freilandtheater und sein Ensemble aus Profis und Amateuren geschrieben hat. Am 27. Juni um 20.30 Uhr feiert sie auf dem Dorfplatz des Fränkischen Freilandmuseums Bad Windsheim ihre Premiere. Gespielt wird sie bis zum 17. August.

Großbesetzte Sommerkomödie mit Musik

Es ist wieder ein großes Stück geworden, mit 18 Schauspielerinnen und Schauspielern auf der Bühne sowie einer vierköpfigen Kapelle in Feuerwehruniformen für die Musik von Horst Faigle. An die 100 Menschen, schätzt Christian Laubert, werden letztlich mitgeholfen haben, um die „Sommerkomödie aus den Wilden Sechzigern“ – sie spielt 1965 – auf den Dorfplatz zu bringen.

Groß besetzt ist das Stück, wie beim Freilandtheater üblich, aber es ist dieses Mal nicht übermäßig lang, nur so lang wie ein Spielfilm. „Ein Neunzigminüter“, sagt Laubert und lacht. „,Der Sommergast‘ ist ein sehr schnelles Stück. Selten dauert eine Szene länger als drei Minuten.“

Schokolade als Beschleunigungsmittel

Mit dem Tempo will er das Lebensgefühl einer fortwährenden Beschleunigung spürbar werden lassen. Treibstoff dafür ist die mit einer Aufputschdroge versetzte Schokolade. Sie stammt aus Wehrmachtsbeständen und war in einem alten Stollen eingelagert.

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Emil Quandt, der Sommergast, Handlungsreisender und zuvor zehn Jahre in Kriegsgefangenschaft, könnte davon wissen – und vielleicht auch von Nazi-Schätzen.

Laubert hat sein Stück zwar Mitte der Sechziger angesiedelt, aber es reicht zurück bis in den Zweiten Weltkrieg und es schafft Durchblicke in die Gegenwart. Er hat Emil Quandt als Jedermann-Figur angelegt: „Es geht eben genau um den Kampf jedes Einzelnen damit, was es bedeutet, sich selber Rechenschaft abzulegen über das, was man getan, versäumt, unterlassen hat, und daraus dann aber Konsequenzen zu ziehen.“ Fragen nach Schuld und Verantwortung, denen sich jede Generation neu stellen muss.

Und dann ist da noch die Schokolade, die jenen Stoff enthält, Methamphetamin, der euphorisiert und Soldaten länger kämpfen lässt, aber auf Dauer schwere körperliche und seelische Schäden verursacht.

Süchtig nach dem Glückskick

Die zerfallende Dorfgemeinschaft weiß davon nichts. Sie ist ahnungslos immer auf der Suche nach dem nächsten Glückskick. Den Bezug zur Selbstoptimierer-Gegenwart und ihrem schnellen Grundpuls stellt der Theatermacher mit einem knappen Vergleich her: „Die Schokolade hat auch die Größe eines Handys.“

Bevor die Komödie ihr gutes Ende erreicht, muss das Dorf einiges durchmachen. „Wenn dann der Entzug kommt, weil die gute Bürgermeisterschokolade eben alle ist“, verrät Christian Laubert, „geht erst richtig die Post ab.“


Thomas Wirth
Thomas Wirth
Redakteur im Ressort „Kultur“
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