Eltern sind in einer verdammten Zwickmühle: Wenn es um die Social-Media-Nutzung ihrer Kinder geht, finden viele ein Mindestalter gar nicht schlecht - dann scheint dieses leidige Thema im Familienalltag mit all seinen Diskussionen und Ermahnungen endlich vom Tisch. Gleichzeitig hadern Mütter und Väter aber damit, maßvolle Nutzung vorzuleben - weil sie es ja selbst kaum schaffen, nicht ausufernd auf Bildschirme zu starren.
Das Paradox ist nicht nur gefühlt da, sondern wird jetzt von einer Studie bestätigt:
Die repräsentative Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut YouGov vom 30. April bis 6. Mai 2026 im Auftrag des Gesundheitsbegleiters Doctolib unter 1.014 Eltern durchgeführt, die mindestens mit einem Kind unter 18 Jahren im Haushalt zusammenleben. Sie hat noch mehr ans Licht gebracht:
Und wissen die Eltern überhaupt, wie oft die Kinder überhaupt Bildschirme nutzen? Auch das wurde innerhalb der Studie abgefragt. Die Eltern sollten dazu die Einschätzung über jedes einzelne der 1.663 Kinder abgeben. Ergebnis:
Ob Regeln gelten und durchgesetzt werden oder nicht - es zeigt sich ein weiteres Phänomen im Familienalltag: Der Griff zum Handy, Tablet und Co. scheint ansteckend zu sein: 37 Prozent der Eltern greifen häufig oder sehr häufig zum Smartphone, während das Kind oder die Kinder selbst Medien nutzen oder abends noch wach sind bzw. kurz vor dem Schlafengehen (28 Prozent).
„Eltern unterschätzen oft, wie sehr ihr eigenes Medienverhalten das ihrer Kinder prägt“, erklärt Kinder- und Jugendärztin Laura Benyoub-Müller aus Ratingen. Dass Kinder nachahmen, was sie zu Hause sehen, gelte auch für den Umgang mit dem Smartphone. „Kein Verbot wirkt so nachhaltig wie ein bewusstes Vorbild“, sagt die Medizinerin.
Sie kann dabei verstehen, dass es Kinder unfair finden, wenn nur sie sich an Regeln zu Medienzeiten halten sollen, die Eltern aber nicht. „Warum können sie ellenlange Chats führen, ich aber nicht?“, sei eine häufige Frage, die Eltern in Erklärungsnot bringen. Sie erinnert dann an ihre eigene Kindheit, in der ihre Eltern 5 Briefe am Tag bekommen hatten - und sie keinen einzigen. „Ich wollte auch Post. Erst als mir meine Mutter erklärte, dass es sich dabei meist um lauter Rechnungen handelte und versicherte „solche Post willst du nicht”, war ich auch nicht mehr scharf darauf.“
Auf die heutige Zeit übertragen rät Dr. Benyoub-Müller den Eltern ihrer Patienten daher, den Kindern je nach Alter genau zu erklären, wenn es sich bei Mamas oder Papas Bildschirmzeit um notwendige Erledigungen des Alltags handelt. Wenn aber nicht, gelte ihr Motto: „Das Schöne an der Kindererziehung ist, sich selbst an die ganzen Regeln zu halten.“
Dabei hat die Kinderärztin auch Rezepte für Mütter und Väter auf Lager, wie sie ihre eigenen Konsum-Routinen überlisten können. Hier drei praxistaugliche Tipps:
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