Wahl in Leutershausen 2026: Viel Auswahl im Stadtrat, wenig fürs Bürgermeister-Amt | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 11.02.2026 15:00

Wahl in Leutershausen 2026: Viel Auswahl im Stadtrat, wenig fürs Bürgermeister-Amt

Will Bürgermeister in Leutershausen bleiben: Markus Liebich, der diesmal nicht nur von „seinem” Bürgerforum und der SPD ins Rennen geschickt wird, sondern der heuer auch von den Freien Wählern unterstützt wird.  (Foto: Wolfgang Grebenhof)
Will Bürgermeister in Leutershausen bleiben: Markus Liebich, der diesmal nicht nur von „seinem” Bürgerforum und der SPD ins Rennen geschickt wird, sondern der heuer auch von den Freien Wählern unterstützt wird. (Foto: Wolfgang Grebenhof)
Will Bürgermeister in Leutershausen bleiben: Markus Liebich, der diesmal nicht nur von „seinem” Bürgerforum und der SPD ins Rennen geschickt wird, sondern der heuer auch von den Freien Wählern unterstützt wird. (Foto: Wolfgang Grebenhof)

Unter 21 Kandidatinnen und 43 Kandidaten für ein Stadtratsmandat können die Leutershäuserinnen und Leutershäuser am 8. März wählen. Um das Bürgermeisteramt bewirbt sich indes nur einer: Markus Liebich strebt eine zweite Amtszeit an.

Nachdem der 48-Jährige heuer zudem als parteiloser Bewerber der Freien Wähler für den Ansbacher Kreistag antritt, unterstützt ihn diese Gruppierung nun auch auf kommunaler Ebene. Im September 2020 hatten Liebich nur das Bürgerforum, dessen Vize-Vorsitzender er ist, und die SPD ins Rennen geschickt.

Siebte Gruppierung steht zur Wahl

Für die Freien Wähler stellt die Unterstützung eines Kandidaten aus einem anderen Lager kein Problem dar. Sie bleiben in Leutershausen auch in der Listengemeinschaft mit der CSU. In den Reihen der Christsozialen hat es indes zu gewissen Irritationen geführt, dass der Fraktionspartner den Bürgermeister-Kandidaten des Bürgerforums mit aufs Schild hebt.

Zwar bleibt es im 20-köpfigen Stadtrat bei den bekannten Konstellationen: SPD und Bürgerforum sowie CSU und Freie Wähler machen weiterhin gemeinsame Sache, ebenso wie die Alternative Liste Leutershausen (ALL) und die Grünen. Erstmals steht heuer aber eine siebte Gruppierung zur Wahl: die als rechtsextremistischer Verdachtsfall geltende AfD. Vier Listen finden die Wählenden also auf den Stimmzetteln.

Ein Drittel der Kandidierenden sind Frauen

18 der 20 Stadträtinnen und Stadträte werfen ihren Hut erneut in den Ring. Lediglich Renate Götzenberger, Fraktionsvorsitzende von ALL/Grünen, und Erwin Heidenfelder (SPD/Bürgerforum) kandidieren nicht mehr. Raimund Walz, der bislang die Fraktion CSU/Freie Wähler führt, tritt nur noch auf dem letzten Listenplatz an.

Ein Drittel der in Leutershausen Kandidierenden sind Frauen, wobei von den 21 Bewerberinnen neun auf der 17-köpfigen Liste ALL/Grüne zu finden sind. SPD/Bürgerforum bringen es auf sechs von 20, CSU/Freie Wähler auf vier von 20. Bei der AfD sind zwei der sieben Kandidierenden weiblich.

Einheitsliste fand wenig Widerhall

Wäre es nach dem Bürgerforum gegangen, gäbe es diesmal keine konkurrierenden Parteien und Gruppierungen, sondern eine Einheitsliste. Doch dieser schon vor geraumer Zeit in der nun zu Ende gehenden Wahlperiode unterbreitete, auch vom Bürgermeister unterstützte Vorschlag fand in den anderen Fraktionen wenig Widerhall.

„Vielleicht war die Zeit dafür noch nicht reif”, sinniert Markus Liebich: „Das war ein ernsthaftes Angebot. Eventuell wird es ja bei der nächsten Wahl etwas.” Denn schließlich erweise es sich auch in Leutershausen als „zunehmend schwieriger”, eine ausreichende Zahl an Kandidatinnen und Kandidaten für ein Stadtratsmandat zu finden. Es werde eine Aufgabe sein, „Menschen dafür zu begeistern, Verantwortung zu übernehmen”.


„Wir stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand.”

Markus Liebich

Schwieriger wird angesichts der finanziellen Situation der weit überdurchschnittlich verschuldeten Kommune auch die Arbeit der politisch Verantwortlichen. „Wir stehen wie viele andere mit dem Rücken zur Wand”, sagt der Rathauschef, der fordert, die „Finanzsystematik” zu verändern: „Wir brauchen mehr Geld von Bund und Land.” Schließlich seien die Städte und Gemeinden „die Herzkammern der Demokratie”. Unter den gegebenen Rahmenbedingungen seien die Aufgaben indes kaum noch zu schultern.

Etliche Pflichtaufgaben sind in Liebichs erster Amtszeit erledigt worden: die weitgehend abgeschlossenen Projekte Kläranlage und Bauhof, die Rathaussanierung und der Breitbandausbau beispielsweise. Auch in den Dörfern sei viel geschehen, und die Digitalisierung im Rathaus mit dem Ziel einer modernen Verwaltung werde konsequent weiterverfolgt.

Schulden für Investitionen sind „gut angelegtes Geld”

Doch weitere Mammutaufnahmen stehen in naher Zukunft an, allen voran die Sanierung der Grundschule und die Schaffung zusätzlicher Kindergarten-Kapazitäten. Der Brandschutz werde erhebliche Finanzmittel für die Feuerwehren erfordern, so Liebich, der indes betont: „Investitionen tragen Früchte.” Langfristig sei das Geld gut angelegt. Dazu zählt er besonders auch den Ausbau der erneuerbaren Energien mit dem Ziel, unabhängiger zu werden.

Ein Anliegen ist dem Bürgermeister der Erhalt des Hallenbades – nicht selbstverständlich angesichts der „wahnsinnig herausfordernden finanziellen Umstände”. Auch wenn die sich verändernden Rahmenbedingungen das Führen einer Kommune nicht leichter machen, schätzt Liebich die „sinnstiftende Arbeit” an der Spitze von Stadtrat und Verwaltung.

Der zuvor bei Bosch im internationalen Einkauf tätige Leutershäuser hat es nach eigenem Bekunden nie bereut, die Nachfolge von Sandra Bonnemeier angetreten zu haben. Sie hatte im Mai 2020 nach dreieinhalb turbulenten Jahren als Rathauschefin vorzeitig das Handtuch geworfen.

Liebich setzte sich in der deshalb außerturnusmäßig angesetzten Wahl mit knapp zwei Dritteln der Stimmen gegen Harald Domscheit (ALL/Grüne) durch. Er musste die durch die bayernweit aufsehenerregende Amtsführung Bonnemeiers aufgewühlte Stadt zunächst in ein ruhigeres Fahrwasser zurückführen. Der Wechsel vom Büro eines Industriebetriebes ins Rathaus bezeichnet er heute im Rückblick als „die absolut richtige Entscheidung”.

Die Wahl in
Leutershausen

  • Bürgermeister-Kandidat:
    Markus Liebich (SPD / Bürgerforum / Freie Wähler)
  • Amtsinhaber (seit September 2020):
    Markus Liebich (SPD / Bürgerforum)
  • Listen für den Stadtrat:
    SPD / Bürgerforum
    CSU / Freie Wähler
    ALL / Grüne
    AfD
  • Bisherige Sitzverteilung im 20-köpfigen Stadtrat:
    CSU / Freie Wähler: 10
    SPD / Bürgerforum: 5
    ALL / Grüne: 5


Wolfgang Grebenhof
Wolfgang Grebenhof
Redakteur in der Lokalredaktion Ansbach seit 1992. Schwerpunktmäßig zuständig für den Raum Leutershausen. Heimatverbunden und weltoffen, regional verwurzelt und global neugierig.
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