Der Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim muss sparen. Und wie. Eigentlich hätte in der letzten Kreistagssitzung des Jahres noch der Haushalt für 2025 vorberaten werden sollen, aber dies wurde vertagt. Denn aktuell klafft eine Deckungslücke von rund drei Millionen Euro im Etat, so dass sogar ein eigentlich beschlossenes Projekt noch einmal aufgeschoben wurde.
Dass die Salzhalle für den Scheinfelder Kreisbauhof tatsächlich noch einmal in Frage gestellt werden würde, damit hatte Erich Luthardt wohl nicht gerechnet. Denn sonst hätte der Planer sich womöglich bemüht, der vorgelegten Projektplanung ein bisschen Zuckerguss zu verpassen, anstatt die schonungslose Wahrheit zu präsentieren: Der Baugrund für den Hallenneubau ist schlecht, aber ein anderer steht nicht zur Verfügung. Die ursprünglich vorgesehene Holzhalle ließ sich aufgrund des miesen Untergrunds nicht realisieren, so dass man jetzt doch auf Stahlbeton zurückgreifen muss.
Kosten wird die 25 auf 21 Meter große Halle, die auf 365 Quadratmetern mit Streusalz bis auf eine Höhe von vier Metern belegt werden kann (rund 1800 Tonnen) inklusive Planung und Gutachten rund 1,65 Millionen Euro.
Nein, wesentlich teurer als gedacht sei die Halle damit nicht, so Luthardt auf Nachfrage. Man habe eine Preissteigerung durch die Planungsumstellung auf Stahlbeton sogar vermieden, ansonsten hätte man wohl mit mindestens 200.000 Euro mehr rechnen müssen. Doch dieses vermeintliche Zugeständnis an den Sparwillen kam zu spät: Das Kind war zu diesem Zeitpunkt schon in den „Kostenbrunnen“ gefallen.
Die ersten Meter dieses Brunnens hatte Walter Prechtel ausgehoben, um beim Bild zu bleiben. „Wir reden hier von vier Wänden, einem Dach und einem Tor. Der Preis ist für mich nicht mehr nachvollziehbar.“ Da mochte ihm Planer Luthardt auch gar nicht so recht widersprechen: „Wenn wir die Halle vor fünf Jahren gebaut hätten, wären wir mit einer Million hingekommen“, sagte er, doch die enormen Preissteigerungen der vergangenen Monate seien nun einmal bittere Realität.
Doch genau mit dieser vermeintlichen Wirklichkeit wollten sich nach Prechtels emotionaler Äußerung offenbar immer weniger Kreistagsmitglieder anfreunden. Neustadts Bürgermeister Klaus Meier wähnte sich angesichts der Vorschrift eines „zweiten Fluchtwegs bei einer Salzhalle“ gleich im falschen Film, Klaus Nölp, Bürgermeister in Markt Bibart, zweifelte an, dass man der Öffentlichkeit eine solche Summe für ein derartiges Gebäude vermitteln könne und Jürgen Riedel (Bürgermeister Münchsteinach) fasste die Stimmung zusammen: „Unsere Haushaltssituation lässt so eine Investitionssumme eigentlich nicht zu.“
Zwar betonte Niko Schwarz, Sachgebietsleiter der Tiefbauverwaltung am Landratsamt, auf Nachfrage von Bernhard Kisch ausdrücklich, dass man mit der Halle und deren Kapazität auch „über einen strengen Winter“ komme und wohl kein Salz nachkaufen müsse – was wiederum auch etwas Geld spare –, aber da war der Zug in Richtung Alternativen schon unterwegs: Jürgen Riedel brachte Salzsilos ins Gespräch, die in ihrer größten Ausfertigung jeweils 750 Tonnen fassten („Dann reichen uns drei davon“) und die man strategisch günstig über den Landkreis verteilen könnte. Diese deutlich preiswertere Idee unterstützte auch die Landtagsabgeordnete Gabi Schmidt, indem sie darauf verwies, dass man diese Silos auch mieten könne und eventuell auch Kooperationen mit den Gemeinden möglich seien, in denen man die Silos letztlich platziere.
Seitens der Grünen erinnerte Manfred Müller daran, dass seiner Fraktion die Kosten der Halle seit jeher sauer aufgestoßen seien, und regte an, doch nochmals über den Grünen-Vorschlag nachzudenken, statt eines Neubaus die alte Halle mit größeren Toren „aufzurüsten“.
Spätestens als Jürgen Dierauff, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, dezent anklingen ließ, dass solche Hallen in der Landwirtschaft wohl deutlich billiger zu haben seien, wusste der Landrat, dass er die eigentlich vorgesehene Abstimmung über den Hallenbau an diesem Tag wohl verlieren würde. „Ich schätze die Stimmung so ein, dass wir das heute nicht entscheiden sollten“, sagte Christian von Dobschütz. Statt dessen würden Bauamt und Planer noch einmal in sich gehen, allen aufgeworfenen Fragen und Anregungen nachgehen und das Thema dann noch einmal vorlegen. „Geben Sie uns einen Monat“, so der Landrat – die Entscheidung wurde damit offiziell vertagt.