Weihnachten in Rothenburg: Keine „Verkitschung in Richtung Disneyland” | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 07.10.2024 18:20

Weihnachten in Rothenburg: Keine „Verkitschung in Richtung Disneyland”

Das Rathaus war bislang in der Vorweihnachtszeit dezent beleuchtet. Daran soll sich auch nicht viel ändern. Der Stadtrat sprach sich nur für zusätzliche Elemente am Portal und im Lichthof aus. (Archivfoto: Willi Pfitzinger)
Das Rathaus war bislang in der Vorweihnachtszeit dezent beleuchtet. Daran soll sich auch nicht viel ändern. Der Stadtrat sprach sich nur für zusätzliche Elemente am Portal und im Lichthof aus. (Archivfoto: Willi Pfitzinger)
Das Rathaus war bislang in der Vorweihnachtszeit dezent beleuchtet. Daran soll sich auch nicht viel ändern. Der Stadtrat sprach sich nur für zusätzliche Elemente am Portal und im Lichthof aus. (Archivfoto: Willi Pfitzinger)

Die Idee, den Georgsbrunnen am Rothenburger Marktplatz während der Vorweihnachtszeit in einen überdimensionalen Adventskranz mit vier roten Kerzen zu verwandeln, fiel im Stadtrat mit Pauken und Trompeten durch. Eine dezente zusätzliche Beleuchtung an Rathaus und Lichthof können sich die Ratsmitglieder hingegen gut vorstellen.

Der Stadtrat hatte bereits im Rahmen der Haushaltsberatungen für das Jahr 2024 beschlossen, für die Finanzierung neuer Weihnachtsbeleuchtungen insgesamt 11.000 Euro bereitzustellen. Wirtschaftsförderin Stefanie Mälzer stellte nun in der Sitzung des Gremiums verschiedene Ideen vor. Ziel der Maßnahmen sei es, erklärte sie dazu, eine einladende Atmosphäre zu schaffen und die Aufenthaltsqualität in der Stadt zu steigern – insbesondere während des Reiterlesmarktes.

Georgsbrunnen als Fotopunkt?

Zwei Anbieter für Weihnachtsbeleuchtung in öffentlichen Bereichen haben hierzu nach einem persönlichen Besuch in der Rothenburger Innenstadt konkrete Vorschläge für eine ergänzende Beleuchtung in der Winterzeit erarbeitet. Die Favoriten der Verwaltung stellte Mälzer in der Sitzung vor, inklusive einer Visualisierung der einzelnen Maßnahmen.

Nicht mit allen Vorschlägen waren die Stadträtinnen und Stadträte einverstanden. Insbesondere die Idee, den Georgsbrunnen mit vier großen roten Kerzen zu bestücken, fiel im Gremium durch. Mälzer erläuterte den Hintergedanken: In Zeiten der sozialen Medien gewinnen sogenannte Fotopunkte an Bedeutung. Das sind Motive, die für eine Stadt typisch und nicht austauschbar sind. Am Georgsbrunnen wäre die Möglichkeit, einen solchen Punkt zu schaffen.

Mehr Lichtstimmung am Rathaus

Damit konnte sie den Stadtrat allerdings nicht überzeugen. Dr. Wolfgang Scheurer (CSU) meinte: Zwar seien die Geschmäcker verschieden, aber: „Damit gehen wir auf dem Pfad der Verkitschung in Richtung Disneyland.“ Bürgermeister Kurt Förster (SPD) stimmte zu: „Das ist schon sehr kitschig.“ Zudem sei nicht bedacht worden, dass die Brunnensäule im Winter durch ein Glasbehältnis geschützt wird, wodurch sich eine ganz andere Optik ergibt. Jutta Striffler (FRV) schloss sich an: „Der Brunnen ist ein No-Go.“

Auf mehr Gegenliebe stieß der Vorschlag, die Beleuchtung am Rathaus zu erweitern. Oberbürgermeister Dr. Markus Naser fände beispielsweise am Rathausportal mehr Licht schön, „das würde den Bereich aufwerten“. Auch der Lichthof sei recht düster. Den Vorschlag der Verwaltung, das Gewölbe zu betonen und gleichzeitig mehr Helligkeit zu schaffen, bezeichnete er als gute Idee.

Förster fand allerdings die Vorschläge für das Rathaus überdimensioniert. Insbesondere die in der Visualisierung vorgestellten Lichtervorhänge am ersten Stockwerk. Hier gab auch Jutta Striffler zu bedenken: „Solche Lichtervorhänge wurden für andere Gebäude verboten. Wie gehen wir damit um?“ Auch Dr. Dr. Günther Strobl (SPD) sah dieses Problem: „Girlanden wurden verboten, jetzt machen wir es.“ Lieber solle sich Rothenburg positiv von anderen Städten abheben.

Keine Beleuchtung der Gassen

Silke Sagmeister-Eberlein (CSU), die auch im Stadtmarketingverein aktiv ist, wies darauf hin, dass sich die Gruppierung eher eine Beleuchtung der Gassen rund um den Marktplatz gewünscht hätte. „Der Marktplatz mit dem Baum ist ja schon schön.“ Aber Georgen-, Hafen- oder Galgengasse hätten eine Verschönerung nötig. Dies allerdings hält der OB für „sehr aufwändig“. Denn: Es sind viele und lange Gassen. Und die Eigentümer der Häuser müssten alle dazu bereit sein. Zudem gab er zu bedenken: „Dann ist alles außenrum beleuchtet, nur der Markt nicht.“ Striffler wünschte sich zukünftig eine „bessere Absprache zwischen Verwaltung und Stadtmarketing.“

Stefan Stiegele (Grüne) kritisierte, dass die bisherige Beleuchtung und Dekoration in den Entwürfen nicht berücksichtigt wurde. „Eigentlich ist es doch gut so, wie es ist“, findet er. Würde man das Rathaus intensiver beleuchten, würden zum Beispiel die Adventsfenster untergehen.

Auch Michael Benz (SPD) plädierte für eine maßvolle Veränderung. „Wir sollten aber hier nicht über jede einzelne Lichterkette abstimmen.“

Schließlich fand der Stadtrat einen gemeinsamen und einstimmigen Nenner. Eine neue Beleuchtung sollen lediglich das Rathausportal und der Lichthof erhalten.

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