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Veröffentlicht am 24.04.2026 00:07

Wie möchte ich im Alter leben? Diese 7 Fragen helfen weiter

Im Alter noch in einer WG ziehen? Wer sich das vorstellen kann, sollte sich frühzeitig einen Überblick über die Optionen verschaffen.  (Foto: Jens Büttner/dpa/dpa-tmn)
Im Alter noch in einer WG ziehen? Wer sich das vorstellen kann, sollte sich frühzeitig einen Überblick über die Optionen verschaffen. (Foto: Jens Büttner/dpa/dpa-tmn)
Im Alter noch in einer WG ziehen? Wer sich das vorstellen kann, sollte sich frühzeitig einen Überblick über die Optionen verschaffen. (Foto: Jens Büttner/dpa/dpa-tmn)

Jeder altert anders: Die einen werden mit Ende 60 pflegebedürftig, andere sind bis in die 90er (fast) so fit wie ein Turnschuh. Spätestens, wenn man das Gefühl hat, dass der Alltag nicht mehr ganz so gut klappt wie früher, stellt sich aber die Frage: Wie und wo will ich eigentlich alt werden? 

Eine Antwort darauf entwickelt man besser früher als später. Denn Pflegebedürftigkeit kommt längst nicht immer schleichend, sondern oft abrupt: Herzinfarkt, Schlaganfall oder Sturz können die Lebenssituation innerhalb von Minuten grundlegend ändern. 

Dann ist ein guter Plan Gold wert. Also: „Rechtzeitig darüber nachdenken und auch mit anderen ehrlich darüber sprechen, wie man sich das Leben im Alter vorstellt und nicht damit warten, bis es dringlich geworden ist“, bringt es Sarina Strumpen auf den Punkt. Sie ist Geschäftsführerin der Stiftung Zukunft Altenpflege. Hier kommen sieben Fragen, die man sich stellen kann. 

1. Wie sieht meine finanzielle Situation aus? 

Stefan Arend, Gründer und Geschäftsführer des Instituts für Sozialmanagement und Neue Wohnformen, empfiehlt zunächst einen Kassensturz. „Nur wer weiß, welche Ressourcen ihm wirklich zur Verfügung stehen, kann einschätzen, welche Optionen wirklich realistisch sind.“

Rücklagen, der Wert des eventuell vorhandenen Wohneigentums, Renten und Pensionen - „das alles zusammen ergibt den finanziellen Spielraum, der bis zum Lebensende reichen soll“, sagt Arend. 

2. Wie ist es um mein soziales Umfeld bestellt? 

Das soziale Umfeld ist im Alter von großer Bedeutung - für Wohlbefinden und Austausch, aber auch für (gegenseitige) Unterstützung. Stefan Arend rät daher: „rechtzeitig Verbindungen und ein soziales Umfeld aufbauen, von der Einbindung in die Nachbarschaft bis zu Vereinstätigkeiten.“ 

Allerdings ist dabei eine realistische Einschätzung wichtig. Sicher, Nachbarn können beispielsweise beim Einkaufen helfen, aber wahrscheinlich nicht die nächsten zehn Jahre am Stück und ohne Pause. 

Also heißt es, sich einen Überblick über Angebote vor Ort zu verschaffen - von der Seniorenbetreuung bis zu kommunalen Begegnungsstätten und professionellen Pflegeangeboten, die das soziale Umfeld unterstützen.

3. Was kann ich jetzt schon für den Ernstfall regeln? 

Von heute auf morgen kann man in die Lage geraten, selbst keine Entscheidungen mehr treffen zu können. Gut, wenn man dann vorgesorgt hat. Zwei Beispiele: 

  • In einer Betreuungsverfügung bzw. Vorsorgevollmacht lässt sich regeln, wer einen im Falle einer Geschäftsunfähigkeit vertreten soll. 
  • In einer Patientenverfügung kann man festhalten, welche medizinischen Maßnahmen man wünscht oder ablehnt, wenn man selbst nicht mehr darüber entscheiden kann. 

Generell sollte man für sich durchdenken: „Wem vertraue ich? Wer kann mir helfen, Behörden- und Krankenkassen-Korrespondenz oder Bankgeschäfte zu erledigen?“ Stefan Arend rät, diese Fragen rechtzeitig und idealerweise ohne Zeitdruck anzugehen. 

4. Wenn ich in meinem jetzigen Zuhause alt werden will - muss ich umbauen? 

Mit einem Mix aus ambulantem Pflegedienst, Tagespflege, Haushaltshilfe und ehrenamtlichen Besuchsdiensten kann man - sollte man pflegebedürftig werden - oft lange in den eigenen vier Wänden leben. 

Womöglich macht es jetzt schon Sinn, aktiv zu werden, damit zum Beispiel Badezimmer, Treppen und Türen zukunftsfit gemacht werden. „Liegt bereits eine Pflegebedürftigkeit vor, können Pflegekassen auf Antrag Wohnraumanpassungen, zum Beispiel für ein pflegetaugliches Bad, bezuschussen. Auch die KfW kann bei Investitionskosten helfen. Das gilt für Wohnen im Eigentum oder zur Miete gleichermaßen“, sagt Sarina Strumpen. Am besten lässt man sich beraten. 

5. Wenn ich in meinem jetzigen Zuhause alt werden will - wer kann mich dort unterstützen? 

Hier lohnt sich, auch kreative Lösungen einmal gedanklich durchzuspielen. „Eine oft übersehene Möglichkeit ist Hilfe gegen Wohnraum“, sagt Stefan Arend. Das Prinzip: Jüngere Menschen wie Studierende oder Auszubildende wohnen bei Älteren und helfen im Gegenzug im Alltag. Wichtig: „Dann sollte man klar definieren, welche Leistungen erwartet werden.“ 

Eine Option ist auch die Unterstützung durch Betreuungskräfte aus dem EU-Ausland, die im Haus wohnen. Dazu sagt Sarina Strumpen: „In Deutschland findet das Beschäftigen und Wohnen lassen von aus dem Ausland kommenden „Live-Ins” in einem rechtlichen Graubereich statt.“ Wer sich das prinzipiell vorstellen - und leisten - kann, sollte sich vorab genau informieren, „insbesondere zu den arbeitsrechtlichen Möglichkeiten und Grenzen, und zu den eigenen Erwartungen an die Betreuungsleistungen.“

6. Ist eine WG oder betreutes Wohnen etwas für mich? 

Vierter Stock ohne Fahrstuhl: So manche Wohnung eignet sich nicht so gut zum Altwerden. Und dann? Neben Alten- und Pflegeheim gibt es noch andere organisierte Betreuungsformen, die möglicherweise für einen selbst infrage kommen. 

„Senioren-Wohngemeinschaften können eine attraktive Option sein, setzen jedoch Bereitschaft zum Zusammenleben und klare Regelungen für den Pflegefall voraus. Wer diese Option anvisiert, sollte idealerweise bereits WG-Erfahrung gesammelt haben, zum Beispiel im Studium“, so Stefan Arend.

Eine weitere Option ist das betreute Wohnen, das in vielen Ausprägungen existiert. „Hier lohnt es sich genau hinzuschauen, welche Services im Preis inkludiert sind und welche Pflegeoptionen dazu buchbar sind“, so Arend.

7. Haben wir als Paar einen Plan? 

Was passiert, wenn nur ein Partner pflegebedürftig wird? Für diesen Fall sind gute Lösungen schwer zu finden, denn das klassische Pflegeheim bedeutet oft die physische Trennung der Eheleute. 

Neben der ambulanten Pflege zu Hause - sei es durch den Pflegedienst oder eine im Haus lebende Kraft - kann die (eher seltene) Kombination aus betreutem Wohnen und Pflegeheim innerhalb einer Einrichtung eine Lösung sein. Bei dieser Variante können die Eheleute zumindest tagsüber gemeinsam Zeit verbringen. Hier lohnt es, sich unbedingt frühzeitig auf die Warteliste zu setzen zu lassen, denn solche Plätze sind knapp.

Immer eine gute Idee: sich beraten lassen 

Die beste Lösung ist immer die, die individuell passt. Am besten sucht man das Gespräch mit Profis, um einen Plan zu entwickeln und sich über finanzielle Unterstützung zu informieren. 

„Insbesondere die jedem Versicherten offenstehende Pflegeberatung - ganz gleich, ob über einen Pflegestützpunkt oder direkt über die eigene Pflegekasse - ist immer ein guter Anlaufpunkt“, sagt Sarina Strumpen. Und: „Wer Rat und Inspiration sucht, kann einfach mal zur Kommune gehen und fragen, welche Angebote vor Ort bereits bestehen.“

© dpa-infocom, dpa:260423-930-985788/1


Von dpa
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