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Veröffentlicht am 18.02.2026 16:16

Wieso es im Jakobsschulhaus in Rothenburg wieder Unterricht gibt

Stefan Bothe erläuterte den Gästen die Aufgaben und Ziele im Kolping-Bildungszentrum. (Foto: Margit Schwandt)
Stefan Bothe erläuterte den Gästen die Aufgaben und Ziele im Kolping-Bildungszentrum. (Foto: Margit Schwandt)
Stefan Bothe erläuterte den Gästen die Aufgaben und Ziele im Kolping-Bildungszentrum. (Foto: Margit Schwandt)

Das Kolping-Bildungszentrum ist ins Jakobsschulhaus umgezogen und hat dort im zweiten Stock zwei großzügige Unterrichtsräume angemietet.

Ziel der Arbeit des Bildungswerkes ist es, Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund zu integrieren. Diese Maßnahmen werden im Auftrag des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) übernommen. Zudem werden Auszubildende unterstützt, wenn der Erfolg ihrer Ausbildung gefährdet ist. Diese Angebote sind für die Teilnehmenden kostenfrei.

Im Jahr 2024 habe man 8957 meist junge Menschen in ganz verschiedenen Bereichen begleitet, berichtet Stefan Bothe, Geschäftsführer von Kolping-Mainfranken GmbH. Dazu gehören die schulische Bildung, die Berufsvorbereitung, die Berufsausbildung, die berufliche Integration, die berufliche Weiterbildung, die Förderung von migrierten Menschen und die offene Erwachsenenbildung.

Ziel sei es, Brücken zu bauen: von der Schule in die Berufsausbildung hinein in den Arbeitsmarkt. Man sei damit Partner der Bundesagentur für Arbeit und der Jobcenter, so Bothe. Eine weitere große Aufgabe sei die Integration von Geflüchteten. Hier werde die deutsche Sprache vermittelt. Außerdem versuche man, die Menschen kulturell zu integrieren und ihnen Wege in den Arbeitsmarkt zu ebnen.

35 Familien mit 4200 Mitgliedern

Es gebe 35 Kolpingfamilien der Erzdiözese Bamberg, zu denen auch Rothenburg gehört, mit 4200 Mitgliedern. Die Kolping-Gruppe legt großen Wert auf Nachhaltigkeit. So betreibt sie Second-Hand-Shops mit einem großen Angebot an Kleidung, Möbeln oder Haushaltswaren. Ein weiterer Fokus liege auf der Stärkung der Demokratie durch Bildungs- und Begegnungsangebote. Seit Kurzem habe man das Kolpingswerk Bamberg und Kolping Mainfranken zum Kolpings-Bildungswerk Franken zusammengeführt, aus zwei Organisationsstrukturen sei eine geworden, das sei effektiv und spare Kosten, erklärte Bothe.

Integration durch Spracherwerb wolle Kolping erreichen, erläutert Martin Fleckenstein, der Leiter des Kolping-Bildungszentrums Ansbach und Rothenburg. Zunächst gebe es einen Einstufungstest, dann würden aufbauende Module mit sich steigernden Sprachniveaus angeboten. Etwa 600 Unterrichtseinheiten seien nötig, um das B1-Niveau zu erreichen.

B1 ermögliche es, Alltagssituationen zu bewältigen, an Gesprächen teilzunehmen und eine Ausbildung zu absolvieren. Wenn die Menschen erstmals zum Sprachkurs zusammenkommen, gebe es keine gemeinsame Sprache, da die Teilnehmenden ganz verschiedene Herkunftsländer haben. Zunächst lerne man über Bilder und Gestik, nach einem halben Jahr sei das B1-Niveau geschafft, sagte Fleckenstein.

In Kleingruppen mit maximal sechs Azubis

Wenn junge Menschen eine Ausbildung absolvieren, sich Probleme innerhalb der Ausbildung abzeichnen, Sprachprobleme bestehen oder die Schulnoten schlecht sind, werden die jungen Menschen auf ihrem Ausbildungsweg durch Kolping-Mitarbeitende begleitet. Was in der Schule nicht verstanden wurde, wird in Kleingruppen mit maximal sechs Azubis nachgearbeitet.

Theresia Hitz ist als Bildungsmanagerin in Ansbach und Rothenburg tätig. Sie kümmert sich darum, dass alle Maßnahmen ordnungsgemäß ablaufen. Die verantwortliche Kollegin hier vor Ort ist Marion Schopf. Sie ist gelernte Köchin und Bestattermeisterin. Schopf ist auch Ausbildungsbegleiterin, ebenso wie ihr Kollege Tobias Messerer. Komplettiert wird das Bildungstrio vor Ort durch Rüdiger Horacek, er ist kaufmännischer Dozent und ebenfalls Ausbildungsbegleiter.

Frank Odoi Feehi aus Ghana zum Beispiel wurde auf seinem Bildungsweg unterstützt und zu einem Abschluss geführt. Der 33-Jährige erzählt, er habe seine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker abbrechen müssen, bewarb sich dann bei einem Möbelunternehmen im Industriegebiet Langensteinach und besuchte den Unterricht bei Kolping. Er hat seine Abschlussprüfung als Fachkraft für Lagerlogistik bestanden und ist inzwischen zum Teamleiter aufgestiegen. Ohne das Kolping-Team vor Ort hätte er seine Ausbildung nicht geschafft, so Frank Odoi Feehi.

Alle haben den Abschluss geschafft

Elke Thürauf vom Hotel Glocke und Corinna Rother vom Hotel Reichsküchenmeister sind ebenfalls zur Vorstellung der neuen Unterrichtsräume gekommen. Beide haben immer wieder Auszubildende, die mit nur geringen Deutschkenntnissen in die gastronomische Ausbildung starten. Von der Unterstützung durch Kolping sind beide begeistert: Die begleiteten Azubis hätten alle ihren Abschluss geschafft.

Pfarrerin Dorothea Bezzel von der Kirchengemeinde St. Jakob freut sich sehr, dass Kolping in die Räume im Jakobsschulhaus eingezogen ist: „Jetzt könnten Menschen vor Ort unterstützt werden, die es schwer haben.” Das soziale Netz werde immer löchriger, fange nicht mehr alle auf. Das Wirken der Kirche in ökumenischer Verbundenheit hinein in die Gesellschaft sei unerlässlich.

Oberbürgermeister Dr. Markus Naser betonte, die Arbeit vor Ort sei unglaublich wichtig. Ihn freue es, dass im Jakobsschulhaus wieder unterrichtet werde, hier schließe sich der Kreis hin zu seiner ursprünglichen Bedeutung als Schule. Und er sagte die Unterstützung der Stadt zu: „Schließlich ist die Sprache der Schlüssel zur Arbeit und damit zur Integration.”


Von MARGIT SCHWANDT
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