Den Zauber der Vorweihnachtszeit spürt man doch am leichtesten, wenn man mit Kindern zu tun hat. Auch in Markt Erlbach schreiben diese ehrliche, witzige und manchmal auch anrührende Briefe ans Christkind – der Briefkasten hängt am Bürgerhaus.
Seit vier Jahren nutzen die Kinder diesen direkten Draht zum Himmel, um ihre Wünsche bis zum dritten Advent unmittelbar bei der zuständigen Stelle anzubringen. 40 bis 50 Briefe kommen da immer zusammen. Besonders freut sich Julia Maj vom Jugendbeirat über die Briefe von Jungs und Mädchen, die gerade erst damit begonnen haben, selbst zu schreiben. Über manch originelle Schreibweise ist sie regelrecht entzückt.
Schon sehr perfekt hat dagegen ein Mädchen seine – etwas einseitigen – Wünsche formuliert: Ein Plüscheinhorn und ein Einhorn, auf dem eine Prinzessin reiten kann. Und für die Schwester? „Die wünscht sich bestimmt auch ein Einhorn!“ Im Laufe des Schreibens kommt die junge Autorin allerdings etwas ins Grübeln, ob das Christkind wohl überhaupt Geschenke bringen wird. Behauptet sie zuerst noch: „Wir waren ganz brav“, so fällt ihr dann offenkundig doch der eine oder andere Streit mit der Schwester wieder ein. „Aber hoffentlich bekommen wir trotzdem Geschenke. Bitte.“
Viele Fragen, die nie ganz geklärt worden sind, stellte ein Mädchen dem Christkind: „Wie heißt du eigentlich mit Nachnamen?“ oder „Kennst du eigentlich den Weihnachtsmann?“. Besonders schön: Die Schreiberin will selbst nicht nur bekommen, sondern etwas geben. Sie dichtet dem Christkind ein Lied, will es zum Geburtstag einladen und kündigt an, für es und den Weihnachtsmann selbst ein Geschenk unter den Weihnachtsbaum zu legen – für letzteren natürlich nur, falls das Christkind ihn kennt.
Ein kleiner Junge hat seine Wünsche noch diktiert. Da wird man natürlich leichter ein bisschen ausschweifend. Das Christkind soll schließlich ein genaues Bild bekommen, um wen es sich beim Absender handelt. „Ich bin schön, habe Locken und einen Klangturm. (...) Ich habe zwei Katzen und Nachbarn.“ Nach einem kleinen Exkurs über seine stinkenden Socken formuliert er seine Wünsche dann recht knapp. Ein Piratenschiff von Playmobil. Aber: „Wenn du noch Geld hast, klebe ich dir noch ein paar Wünsche dazu.“ Völlig selbstlos denkt er auch an seine Mutter. „Für Mama wünsche ich uns eine Lego-Ritterburg.“
In einem reich verzierten Brief wird ein Teich mit Fischen gewünscht, „die ich füttern kann“. Der Schreiber gibt sich bescheiden: „Und eine Kinderdecke mit Pippi oder ein größeres Laufrad – das ist mir egal.“ Die meisten Wunschzettel bestehen allerdings aus ausgeschnittenen Bildern der Geschenkwünsche.
Ein Vierer-Team macht sich an die Beantwortung. Es besteht aus Rebecca Bellmann, Gabi Neubert, Anja Adelmann und Julia Ma. Dafür gibt es einen Standardbrief, in dem sich das Christkind für den schönen Brief bedankt, aber auch darauf vorbereitet, dass es nicht jeden Wunsch erfüllen kann. Besonders ist in fast jedem Schreiben ein handgeschriebenes P.S.: Da lobt es dann vielleicht das schöne Bild, welches das Kind gemalt hat. „Wir kennen viele Eltern. Oft fragen wir dann auch nach, was wir an dem Absender oder der Absenderin etwas besonders hervorheben sollen.“ Dann steht unter dem Brief vielleicht, dass die Engel dem Christkind verraten hätten, dass der kleine Marwin immer so toll beim Abspülen hilft.
Mit ganz ernsten Wünschen, die nicht mit Geld zu bezahlen sind, wie Gesundheit für kranke Familienmitglieder waren die Markt Erlbacher Christkindhelferinnen zum Glück noch nicht konfrontiert. Im ersten Jahr des Briefkastens wünschte sich ein Kind allerdings, dass Corona endlich aufhört. Da legten die Helferinnen – bis zum vorigen Jahr erledigten Julia Maj und Rebecca Bellmann die Post noch alleine – den Standardbrief zur Seite und verfassten eine persönliche Antwort.
Da alle Beschäftigten im Markt Erlbacher Weihnachtspostamt selbst noch kleine Kinder haben, müssen sie zusehen, dass sie sowohl den Briefkasten unbemerkt leeren als auch die Antworten zustellen, ohne entdeckt zu werden. Fast immer werfen sie ihre Antwort mit einer kleinen Schokolade und etwas Glitzer selbst in die Briefkästen. „Nur einmal habe ich einen Brief verwechselt. Aber das konnte ich zum Glück noch rechtzeitig mit der Mutter klären“, erzählt Maj,
Der Briefkasten am Bürgerhaus, ein zugeschraubter und ursprünglich mal schön dekorierter Medikamentenschrank, wurde durch Unachtsamkeit oder Vandalismus in Mitleidenschaft gezogen. Der Junggesellenclub „Die Cones“ spendete aber 500 Euro aus dem Erlös vom Verkauf bei seinem Weihnachtsstand, damit das nicht so bleibt. Im nächsten Jahr können die Briefe dann in einen himmlisch neuen Briefkasten geworfen werden.