Es ist mehr als nur ein 25. Geburtstag: Wenn sich die Stadt am Samstag, 5. April, wieder in eine musikalische Partymeile verwandelt, kommt das für viele Besucher wie die Veranstalter einem großen Klassentreffen gleich. Bei der Kneipenjagd bietet auch das Programm genügend Anlass, in Erinnerungen zu schwelgen.
Diesen Termin haben sich viele Menschen rot im Terminkalender vermerkt, das innerstädtische Musikfestival hat sich längst etabliert und ist fester Bestandteil des Kultur-Programms. Obendrein ist die Kneipenjagd aber vor allem ein Treffpunkt, bei dem sich Ansbacher, die es beruflich in alle Himmelsrichtungen verschlagen hat, wieder in ihrer Heimatstadt zusammenfinden. „Das ist ein bisschen wie am Altstadtfest“, wählt Martin Riedel einen stimmigen Vergleich.
Riedel ist den meisten Ansbachern eher unter seinem Spitznamen „Flippo“ bekannt. Er war es auch, der zusammen mit dem jetzigen Kammer-Events-Gesellschafter Martin Metz die Idee des Kneipenfestivals entwickelte. 1998 war das, nach einem ausgedehnten und der Beschreibung nach feuchtfröhlichen Fasching, den man auf einem Nordsee-Dampfer ausklingen ließ. „Eine Schnapsidee“ im besten Wortsinn erinnert sich „Flippo“ grinsend. „Dann haben wir auf zwei Bierdeckeln geschrieben, welche Bands und Kneipen mitmachen könnten.“
Schon bei der Premiere nur ein paar Monate später sollte sich zeigen, dass die Grundidee, einmal Eintritt zu zahlen und dafür viele Bands erleben zu können, auf fruchtbaren Boden fiel. Bereits um 20 Uhr war damals das letzte Ticket verkauft. „Das hat uns überrollt. Die Kneipen waren voll, und in vielen gab es bald kein Bier mehr“, denkt Riedel an die Anfänge zurück. „Wir hätten aber nie gedacht, dass es so 25 Jahre lang weiterläuft.“
Tatsächlich sind nur die Macher ein paar Jährchen älter geworden, das Konzept ist dagegen offensichtlich zeitlos. Auch zur Jubiläums-Kneipenjagd wird am Samstag ab 14 Uhr wieder der Kammer-Bus am Martin-Luther-Platz stehen und die letzten Eintrittskarten unters Partyvolk bringen. Rund 3500 Menschen nahmen in den vergangenen Jahren jeweils teil.
Der größte Unterschied zu den Anfangsjahren ist freilich die Kneipendichte in der Stadt. Die Qual der Wahl hat das Team der veranstaltenden Kammer-Events längst nicht mehr. Waren zu Beginn noch 24 Kneipen beteiligt, ist diese Zahl inzwischen deutlich geschrumpft. 15 Lokalitäten sind es in diesem Jahr – und beinahe wäre eine noch kurzfristig weggefallen: Als der bisherige Prinzregent-Pächter vor wenigen Wochen seinen Rückzug öffentlich machte, „waren wir kurz am Rotieren“, gibt Florian Brendel vom Kammer-Team zu.
Jedoch zeigte sich der Nachfolger laut Brendel schnell bereit, die Bar als Pop-Up aufzusperren und damit die seit einem Vierteljahrhundert bestehende Tradition des Prinzregenten als einer der Gastgeber zu bewahren. „Einige Kneipen sind seit Anfang an mit dabei“, erzählt Riedel. Etwa das Klatsch, das Waldsee oder das Tam-Tam. So sind die Verbindungen zwischen Wirten und Musikern gewachsen, eine Kneipenjagd ohne die rockigen Dauerbrenner von Jackknife Beat im Tam-Tam wäre quasi unvorstellbar. Aber auch Tim Brown, der im Flyer Pub spielt, sowie Cräcker Light (Irish Pub) und die Smashed Potatoes (Kammer-Kneipe) zählen zu den alten Hasen.
Mit der Tanzschule Meyerhöfer & Bernhard ist in diesem Jahr aber auch ein neuer Anbieter dabei: In der Station in der Oberhäuserstraße 7, die der bekannte Bus-Shuttle-Service einbindet, wird nach heißen Latino-Rhythmen ab 20 Uhr später auch eine Aftershow-Party mit DJ gefeiert. „Ein großer Ort mehr“, sagt Brendel und klingt etwas erleichtert. Nach dem Niedergang der Ansbacher Disco-Szene hatte sich in der jüngeren Vergangenheit der Kneipenjägerei nach Mitternacht alles auf die Kammerspiele konzentriert und dort regelmäßig für lange Schlangen am Eingang gesorgt.
Für Novizen des musikalischen Stadtrundganges, für den es auch digitale Tickets an den bekannten Vorverkaufstellen gibt, hat Martin „Flippo“ Riedel einen guten Tipp parat. „Alle 15 Kneipen abzuklappern, das funktioniert eher nicht. Da ist es besser, sich im Vorfeld drei bis fünf Kneipen rauszusuchen.“
Für Riedel selbst wird die Jubiläumsveranstaltung ein Reminiszenz: Im Kammer-Bus wird es auch wieder Ochsenmaulsalat geben – so wie nach einem durchzechten Fasching vor mehr als 25 Jahren.