„Schockiert und tief getroffen“ ist Roland Jung vom Umgang mit seiner Cousine im Ansbacher Bezirksklinikum. Die Klinik lehnte auf Anfrage der FLZ aus Datenschutzgründen eine Stellungnahme zu dem Fall ab, will aber den Aussagen klinikintern nachgehen.
Roland Jung ist es wichtig, dass darüber berichtet wird, damit „weder Patienten noch Angehörige wieder einer solchen Situation ausgesetzt werden“. Nach seinen Angaben hatte das Amtsgericht Schwabach beschlossen, seine Cousine wegen ihrer fortgeschrittenen Demenz in einer beschützenden Unterkunft unterbringen zu lassen.
Anstatt in einer „geeigneten und mit der erforderlichen Qualifikation ausgestatten Station“ aus den Bereichen Geriatrie oder Gerontologie habe er die Verwandte „völlig apathisch und verwirrt“ in der Station 1.1 (allgemeine Psychiatrie) vorgefunden. Sie sei von „Security und mit Kaffeebechern um sich werfenden schwer psychisch angegriffenen Patienten“ umgeben gewesen, teilte Jung weiter mit.
Noch dazu sei seine Cousine völlig dehydriert gewesen, da sie aufgrund ihrer Krankheit das Trinken vergesse. Dies gehöre auf dieser Station „sicherlich nicht zum allgemeinen Krankheitsbild“, vermutet Roland Jung, der seine Angehörige als „völlig friedlich und ohne jegliche Aggression“ beschreibt.
Aufgrund wiederholter Nachfrage und der Bitte um einen Termin beim zuständigen Oberarzt mit dem Ziel einer Verlegung auf eine geeignete Station habe dieser „im Vorbeigehen ohne Blickkontakt“ erwidert, dass dies die Verhältnisse in Deutschland seien und keine anderweitigen Kapazitäten zur Verfügung stünden. Er habe gesagt, dass „wir auch in anderen Häusern keine Möglichkeit finden werden“.
Der Mediziner habe, so die Darstellung von Roland Jung, keine Anstalten gemacht, sich dieses Falls anzunehmen und habe die geschlossene Einrichtung „wort- und grußlos“ verlassen. Jung sieht darin ein „völlig unakzeptables und unwürdiges Verhalten für Patienten und Angehörige, die sich Sorgen machen und mit der Situation ohnehin schon überfordert sind“.
Ein Anruf von Roland Jung im Bezirksklinikum Erlangen habe dann genügt, um einen freien Platz in einer gerontologischen Abteilung zu erhalten. „Herr Jung, wir helfen Ihnen und schaffen die erforderliche Kapazität“, habe es dort geheißen. Immerhin habe der „sehr freundliche und hilfsbereite“ Stationsarzt der Station 1.1 in Ansbach bei der Verlegung „sehr gut unterstützt“. Unabhängig davon sei die Patientin mit der Verlegung nach Erlangen in den Abendstunden einer erneuten Stresssituation ausgesetzt gewesen.
Karin Schulz, Leiterin Marketing und Kommunikation bei den Bezirkskliniken Mittelfranken, informierte auf Anfrage darüber, dass die Klinikleitung bereits im Gespräch mit Mitarbeitenden und dem Angehörigen sei, um den Sachverhalt aufzuklären.
Allgemein teilte sie mit, dass ältere Patientinnen und Patienten mit einer demenziellen Erkrankung im Bezirksklinikum Ansbach „in der Regel auf den gerontopsychiatrischen Stationen aufgenommen und behandelt“ würden. „In Ausnahmefällen, insbesondere bei fehlenden Kapazitäten auf diesen Stationen, nehmen wir Patienten zum Übergang und damit zeitlich befristet auch auf anderen geeigneten Stationen auf, um eine zeitnahe und professionelle Behandlung zum Wohle der Patientinnen und Patienten sicherstellen zu können“, erklärte Schulz weiter.
In diesem Zuge würden laut der Klinik-Sprecherin auch Absprachen mit anderen Krankenhäusern erfolgen, mit dem Ziel Patientinnen und Patienten direkt auf gerontopsychiatrische Stationen aufnehmen zu können. In gleicher Weise arbeite man auf Verlegungen hin und wäge hierbei zwei Interessen aus Patientensicht ab: „Werde ich auf der für mich optimalen Station behandelt und werde ich möglichst wohnortnah behandelt“. Die Selbstbestimmung der Patienten beziehungsweise die Unterstützung bei Entscheidungen durch Bevollmächtigte und Betreuer seien dabei „ganz wichtig“, unterstrich sie.