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Veröffentlicht am 06.05.2026 19:34

Ansbacher Praxis hilft Transmenschen: Wie ändert die eigene Stimme das Geschlecht?

Klingt meine Stimme nach dem Menschen, der ich bin? Diese Frage beschäftigt viele Transmenschen und nonbinäre Personen. Die Johanniter-Logopädiepraxis in Ansbach bietet eine spezielle Therapie an, die dabei hilft, die Stimme so zu verändern, dass sie zur Geschlechtsidentität passt.

Ein lichtdurchfluteter Raum mit Schreibtisch, ein modernes Bild an der Wand und ein bunter Spielteppich für Kinder. Helga Ruddell ist Logopädin und empfängt in diesem Raum viele ihrer Klientinnen und Klienten. Seit November ist eine besondere Form der Stimmtherapie Teil ihrer Arbeit. Die Stimmtransition nach dem „LaKru”-Therapiekonzept unterstützt Menschen dabei, den eigenen Stimmklang an das gelebte Geschlecht anzupassen. Das heißt, ein eher männlicher Stimmklang wird hin zu einer weiblich klingenden Stimme verändert – oder umgekehrt.

Östrogen bewirkt keine Änderung der Stimmlage

Die Bezeichnung des Konzepts setzt sich aus den Nachnamen der Personen zusammen, die es entwickelt haben: Stephanie Kruse und Thomas Lascheit. Helga Ruddell arbeitet seit 13 Jahren als Logopädin. Ihre Fortbildung für die Stimmtransition hat sie im Herbst bei Thomas Lascheit gemacht.

Die überwiegende Zahl derer, die sich für die Stimmtherapie interessieren, sind Transfrauen, also Frauen, die bei der Geburt zwar den Geschlechtseintrag „männlich” erhalten haben, sich aber nicht mit dem zugewiesenen Geschlecht identifizieren. Eine Hormonbehandlung mit Östrogen ist ein wesentlicher Schritt zur Angleichung an die weibliche Geschlechtsidentität. Östrogen bewirkt allerdings nicht, dass sich die Stimmlage ändert, wohingegen Testosteron bei Transmännern oft automatisch für eine tiefere Stimme sorgt.

Über die Kehlkopfposition lässt sich viel erreichen

Doch wie gelingt es, einer Klientin mit maskulin klingender Stimme zu einem weiblicheren Stimmklang zu verhelfen? „An der Form des Kehlkopfes kann man nichts ändern”, erklärt Helga Ruddell. Doch mit bestimmten Übungen lassen sich anatomisch bedingte Strukturen funktional ausgleichen. Die Patientinnen lernen beispielsweise, wie sich der Stimmklang durch die Kehlkopfposition verändern lässt oder wie sie die über den Stimmlippen liegenden Taschenfalten entspannen können, um einen weiblicheren Klang zu ermöglichen.

Wissen und Training sind die Eckpfeiler der „LaKru”-Strimmtransition. „Was das Konzept einzigartig macht, ist, dass man zum Profi der eigenen Stimme wird”, betont Helga Ruddell. Die Trainingseinheiten dauern jeweils 45 Minuten und beinhalten Übungen zur Wahrnehmung, Sprechmelodie, Tonhöhe und Betonung.

Geschlecht und Geschlechtsidentität

Trans* ist ein Oberbegriff, der verschiedene Menschen bezeichnet, die sich nicht mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren”, erklärt die Antidiskriminierungsstelle des Bundes auf ihrer Homepage. Als Transmann wird ein Mann bezeichnet, dessen Geschlechtsidentität männlich ist, der bei der Geburt aber einen weiblichen Geschlechtseintrag erhalten hat. Als Transfrau wird eine Frau bezeichnet, deren Geschlechtsidentität weiblich ist, die bei der Geburt aber einen männlichen Geschlechtseintrag erhalten hat.

Nicht-binär (nonbinär) sind Menschen, „die eine strikte Zuordnung zu männlich oder weiblich für sich ablehnen”, informiert die Antidiskriminierungsstelle. Das könne sich auf Geschlechtsidentitäten beziehen, die sich mit Bezug auf die Zwei-Geschlechter-Ordnung sozusagen „dazwischen”, „weder-zum-einen-noch-zum-anderen” oder „jenseits“ davon einordnen.

    Nur wer übt, hat Erfolg

    Auch zu Hause muss regelmäßig geübt werden, um Fortschritte zu erzielen. „Von allein und zufällig kommt das nicht”, sagt Ruddell. „Es ist schon Arbeit – aber eine, die machbar ist.” Wenn es dann gelingt, dass eine Klientin mehr und mehr die zu ihr passende Stimme entdeckt und einzusetzen lernt, ist das auch für sie jedes Mal berührend.

    Für die Kostenübernahme der Therapieeinheiten durch die Krankenkasse kann eine Heilmittelverordnung von einem Arzt, in manchen Fällen auch von einem Psychotherapeuten, ausgestellt werden. Für alle, die keine Verordnung erhalten, wird die Stimmtransition auch auf Selbstzahler-Basis angeboten.

    Die Johanniter-Logopädiepraxis befindet sich in der Brauhausstraße 24-26 in Ansbach. Weitere Informationen und Anmeldungen zur Stimmtherapie werden unter der Telefonnummer 0981/1800 8666 oder per Mail an logopaedie.ansbach@johanniter.de entgegengenommen.

    Helga Ruddell arbeitet seit 2013 als Logopädin. Im Herbst hat sie eine Fortbildung für die „LaKru”-Stimmtransition gemacht. (Foto: Corinna Müller)
    Helga Ruddell arbeitet seit 2013 als Logopädin. Im Herbst hat sie eine Fortbildung für die „LaKru”-Stimmtransition gemacht. (Foto: Corinna Müller)
    Helga Ruddell arbeitet seit 2013 als Logopädin. Im Herbst hat sie eine Fortbildung für die „LaKru”-Stimmtransition gemacht. (Foto: Corinna Müller)
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