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Veröffentlicht am 13.03.2026 09:06

Neue Selbsthilfegruppe in Ansbach: Frauen mit Endometriose treffen sich

Unterleibskrämpfe, Erbrechen, Kurzatmigkeit: All das gehört zu den Symptomen, die bei einer Endometriose auftreten können. Nina R. (Name geändert) ist Betroffene. Seit vielen Jahren leidet sie nicht nur unter schweren Schmerzen, sondern auch unter dem Gefühl, nicht verstanden zu werden. Nun gründet sie eine Selbsthilfegruppe.

„Ich wusste schon immer, dass es nicht normal sein kann, dass ich jeden Monat vor mich hinvegetiere“, sagt Nina R. Ihr Leidensweg begann, als sie 12 oder 13 Jahre alt war, mit dem ersten Einsetzen der Menstruation. Seitdem beherrschen die Schmerzen jeden Monat für mehrere Tage ihr Leben. Nicht selten sei sie krampfend am Schultisch gesessen oder musste gleich ganz zu Hause bleiben, weil sie sich kaum bewegen konnte. Eine Diagnose bekam die 35-Jährige erst viele Jahre später. Damit geht es ihr wie vielen Betroffenen.

Durchschnittlich siebeneinhalb Jahre vergehen vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnosestellung, schreibt die Endometriose-Vereinigung Deutschland auf ihrer Homepage. Dabei ist die Erkrankung weit verbreitet: Schätzungsweise 10 bis 15 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter sind betroffen.

„Viele Betroffene kämpfen ganz alleine”

Es werde endlich Zeit, dass viel mehr Menschen über die Krankheit Bescheid wissen, findet Nina R. „Viele Betroffene kämpfen ganz alleine.“ Auch sie selbst ist nicht immer offen mit ihrer Erkrankung umgegangen. Es kam vor, dass sie sich lieber eine Ausrede einfallen ließ, um einen Termin abzusagen, statt zu riskieren, mal wieder einen Spruch zu kassieren oder als wehleidig abgestempelt zu werden. Doch mit Zyklusschmerzen, wie sie die meisten Frauen kennen, hat eine Endometriose nichts zu tun. Für sie sei es mit starkem Wehenschmerz vergleichbar, erklärt Nina R. „Es ist, als würde man jeden Monat ein Kind kriegen.“

Endometriose ist eine chronische Krankheit, die aktuell als unheilbar gilt. Dabei siedelt sich Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutterhöhle an, beispielsweise im Bauchraum, am Darm oder an den Eierstöcken. Bei manchen Betroffenen verursachen diese Endometriose-Herde keine Schmerzen, doch bei etwa der Hälfte der Betroffenen muss laut der Endometriose-Vereinigung von einem „dauerhaften Therapiebedarf“ ausgegangen werden. Die Liste möglicher Symptome ist lang. Sie umfasst neben Unterleibskrämpfen auch Schmerzen in Rücken und Brustkorb, Schmerzen beim Wasser lassen, starke Erschöpfung und – Unfruchtbarkeit.

Wunsch nach einem zweiten Kind

Der bis heute unerfüllte Wunsch nach einem zweiten Kind hat auch Nina R. der Diagnose einen Schritt näher gebracht. Und das gute Zureden ihres Mannes, der jeden Monat nur hilflos dabei zusehen kann, wie sie sich vor Schmerzen krümmt und meistens trotzdem zur Arbeit quält. Nachdem sie schon länger eine Vermutung für ihre Beschwerden hatte, ging sie mit dem Verdacht zum Frauenarzt. Der reagierte einfühlsam und schickte sie für eine Bauchspiegelung in eine Klinik.

Was sie dort erlebte, macht die 35-Jährige bis heute fassungslos. Ohne ein Wort der Erklärung oder des Verständnisses, habe der Arzt sie gefragt: „Kinderwunsch oder keine Schmerzen mehr?“ Sollte ein Kinderwunsch bestehen, müsse sie in eine Kinderwunschklinik und anschließend könne sie durch das Entfernen des befallenen Gewebes „in die Wechseljahre katapultiert werden“. Sie sei völlig überrumpelt gewesen. Bei einer Ultraschalluntersuchung sprach der Arzt von einer Adenomyose, was manchmal als Unterform von Endometriose eingeordnet wird. Die Symptome überschneiden sich zwar, doch neuere Studien legen nahe, dass es sich um eine eigenständige Erkrankung handelt.

Ruppiges Verhalten des Arztes

In den Wochen nach dem Kliniktermin habe sie sich selbst kaum wiedererkannt, erzählt Nina R. So sehr hatte ihr das ruppige Verhalten des Arztes zugesetzt. Es sei ihr vorgekommen, als unterstelle man ihr eine Modekrankheit. Ihr Wunsch, sich mit Anderen auszutauschen und etwas dafür zu tun, dass Betroffene sich ernst genommen fühlen, wurde immer größer.

Doch weil es in ganz Mittelfranken nur eine Selbsthilfegruppe für Endometriose-Erkrankte in Nürnberg gibt, beschloss sie, selbst ein Angebot auf die Beine zu stellen. Auch das Thema unerfüllter Kinderwunsch soll dabei eine Rolle spielen. Bald ist das erste Treffen. Nina R. freut sich darauf. Denn auch wenn ihr enges Umfeld viel Verständnis habe, sei es doch etwas anderes, mit Frauen zu reden, „die wissen, wie es sich anfühlt”.

Die neue Selbsthilfegruppe Endometriose, Adenomyose und Kinderwunsch trifft sich am Dienstag, 17. März, zum ersten Mal. Geplant ist, dass die Gruppe jeden dritten Dienstag im Monat von 18.30 bis 20 Uhr in den Räumen der Selbsthilfekontaktstelle Kiss Ansbach (Bahnhofsplatz 8) zusammenkommt. Jeden ersten Dienstag im Monat soll der Austausch online stattfinden, ebenfalls von 18.30 bis 20 Uhr. Anmeldungen sind erwünscht, entweder per Mail an selbsthilfe_endo_Ansbach@gmx.de oder bei Kiss Ansbach (0981/9722480 oder ansbach@kiss-mfr.de).

Die Wärmflasche ist für viele Betroffene von Endometriose ein treuer Begleiter. (Symbolbild: Irmeli Pohl)
Die Wärmflasche ist für viele Betroffene von Endometriose ein treuer Begleiter. (Symbolbild: Irmeli Pohl)
Die Wärmflasche ist für viele Betroffene von Endometriose ein treuer Begleiter. (Symbolbild: Irmeli Pohl)
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