Malerei und Patchwork-Arbeiten gemeinsam zu präsentieren, klingt zunächst nach dem Versuch, Kunst und Kunsthandwerk zu kombinieren. Die Ausstellung von Gundula Manson und Bernadette Mayr widerlegt diese Annahme, denn auch Quilts können zum Kunstwerk werden.
„Abschnitte“ haben die beiden in Kempten lebenden, freischaffenden Künstlerinnen, die stets gemeinsam ausstellen, ihre Werkschau in der Kunsthalle Hilsbach überschrieben. Dieses Projekt ist durch Kontakt mit der Hilsbacher Patchwork-Gruppe entstanden, die 2023 beim Verein Hilsbach Kunst Kultur (HiKK) zu Gast gewesen ist. Bernadette Mayr gilt als eine der führenden Patchwork-Künstlerinnern Deutschlands und hat auch eine Reihe von Büchern dazu veröffentlicht.
Der Titel der Schau ist beziehungsreich, lässt er sich doch sowohl auf die Malerei als auch auf die Quilts übertragen. Ein aus Teilen zusammengesetztes Ganzes ergibt ebenso ein Bild, wie ein zum Bild vergrößertes Detail.
Das Motto dieser Ausstellung beziehen Manson und Mayr auf ihre Arbeiten ebenso wie auf philosophisch Grundsätzliches: „Abschnitt – das reicht vom Schnipsel Stoff oder Papier, den man irgendwo abgeschnitten hat und ein Kunstwerk daraus schafft – bis zum ganzen Leben. Denn das verläuft ja nicht durchgängig nach Plan, es teilt sich in Abschnitte auf.“ Vielleicht ist das der Grund, warum ihre eigentlich so unterschiedlichen Arbeiten so gut miteinander harmonieren. Das gilt für die Kombination Quilt und Malerei ebenso, wie für ihre Bilder. Denn auch Bernadette Mayr ist als Malerin in dieser Ausstellung präsent.
Auf den ersten Blick mag die Werkschau vor allem durch die Quilts geprägt sein. Das ist allein ihrer Größe und beeindruckenden Technik zu verdanken. Mayrs Patchwork-Arbeiten sprengen alle Vorstellungen vom herkömmlichen Quilt.
Normalerweise verbindet man damit aus bunten Stoffüberresten gefertigte Decken, Wandteppiche oder Kissenhüllen. Dabei täuscht der englische Name darüber hinweg, dass der Ursprung eigentlich in China liegt. Durch die Kreuzritter gelangten Quilts als unter den Rüstungen getragene Wämser nach Europa. Ein Kunsthandwerk, das oft der Not geschuldet war, weil außer Stoffresten nichts zur Hand war.
Die Arbeiten von Bernadette Mayr sind davon weit entfernt. Das beginnt schon beim Material. Für ihre Quilts verwendet sie neue Stoffe, die sie gezielt aussucht. Nur auf diese Weise kann sie ihre eindrucksvollen, häufig farbintensiven, fein abgestimmten Arbeiten schaffen: Sie malt förmlich mit Stoff.
Da kann etwa eine Allgäuer Berglandschaft eingearbeitet sein. Oder eine explosive Komposition aus grünen Elementen einen Regenwald formen. Mitunter erinnert der strenge geometrische Aufbau an Orientteppiche. Der besondere Reiz liegt häufig an einer gezielten Schlichtheit, mit der Mayr fein nuanciert Effektvolles erzielt. So etwa bei „Jeans plus Jeans“, gefertigt aus unterschiedlich ausgeblichenem Denim, akzentuiert durch kleine weiße Kreuze.
Abschnitte sind es auch, die Gundula Manson beschäftigen. In ihren großformatigen Acrylbildern formen oft als Makro dargestellte Details den Bildinhalt. Ein vom Rost aufgesprengter Riss an einer Bootswand, die raffinierte Spiegelung eines Musters im Wasser, ein Zweig mit zarten Blättern am mächtigen Stamm eines Eukalyptusbaums sind raumfüllendes Motiv.
Eindrucksvoll Mansons Farbgebung. Das Blau des Sees, kristallklar, rein, von einer schier fühlbaren Frische. Gekonnt gesetzte Farbeinsprengsel, ein überraschendes Rot in einer ansonsten kühlen Komposition. Sie ist eine Meisterin im Inszenieren des Unspektakulären und findet ihre Motive, indem sie sich Zeit zur Kontemplation nimmt.
Auch Mayr ist eine ausgezeichnete Malerin. Sie sei temperamentvoller und male gerne mit sattem Farbauftrag, sagt sie von sich selbst. Ihre Berglandschaften künden von dieser Kraft ebenso wie die schwungvollen Darstellungen von Motocross-Fahrern oder Bergsteigern.
Ihre Malerei ist ähnlich ausdrucksvoll wie Mansons: Zwei eigenständige Künstlerinnen, die dennoch viel verbindet.
Die Ausstellung dauert noch bis zum 1. September, jeweils sonntags von 14 bis 18 Uhr ist geöffnet.