„Wir sind von Stoff umgeben“, sagt Beate Baberske, die zurzeit eine Ausstellung in der Galerie „KunstRaum“ in Heilsbronn im Landkreis Ansbach präsentiert. Im Vordergrund stehen ihre gewebten Arbeiten. Daneben zeigt sie eine Großinstallation und Malerei in Mischtechnik.
„Erzählstoffe“ hat die Künstlerin ihre Werkschau überschrieben. Ein Begriff, den man eigentlich mit Literatur verbindet, den man aber bei dieser Ausstellung gerne wörtlich auf die Kunstwerke anwenden kann. Denn diese haben tatsächlich viel zu erzählen, wollen entdeckt und ergründet werden. Dabei schafft Beate Baberske Werke von einer ganz individuellen, unkonventionellen Charakteristik, die das Material auf effektvolle Weise inszenieren. Mit dem Werkstoff zu experimentieren, Grenzen desselben auszuloten, neue Wege zu beschreiten, das reizt die Künstlerin, die sich selbst als „Textilforscherin“ beschreibt.
Als Basis für diese Herangehensweise dient Baberske ihre professionelle Ausbildung als Weberin. Sie hat an der Akademie für angewandte Kunst in Schneeberg im Erzgebirge Textilkunst studiert und das Studium als Diplomdesignerin abgeschlossen. Heute arbeitet sie in der Diakoneo-Paramenten-Werkstätte in Neuendettelsau.
Darüber hinaus erforscht Beate Baberske neue Wege des künstlerischen Ausdrucks am Webstuhl. Sie kreiert Bilder und Objekte, denen zunächst eine strenge Form als Basis dient: das Quadrat. Dieses gibt die Struktur vor und verleiht den Arbeiten zugleich Halt und Festigkeit, sodass sie sich zu Objekten formen lassen. Aufgrund des doppelt gewebten Stoffes entstehen kleine Taschen, in die sich Fremdmaterialien einfügen lassen.
Glanzmaterialien, Bilder und Texte, häufig auf Pappe aufgebracht, bereichern die Arbeiten auf raffinierte Weise. Sie schimmern durch. Motive und Texte zeigen sich als Einzeldarstellungen oder Aneinanderreihungen. Kindermalereien, etwa Tiere, Blumen, Menschen, finden sich da zwischen Texten oder Begriffen.
Es sind Werke, bei denen sich das genaue Hinschauen lohnt, die entdeckt werden wollen und überraschen. Die auf einen tieferen Kontext verweisen, der sich oft mit einer besonderen verbalen Ausdrucksform beschäftigt: der Textilsprache.
„Viele der Begriffe und Worte, die wir benutzen, sind dem Textilbereich entnommen“, sagt Beate Baberske. Da ist vom roten Faden die Rede, wenn man einer Erzählung lauscht. Da sagt man „verflixt und zugenäht“, wenn man sich ärgert. Da hängt das Kind am Rockzipfel der Mutter, bis dieser vielleicht der Geduldsfaden reißt. Und da kommt einem manches fadenscheinig vor.
Der Faden ist zugleich der Leitfaden dieser Ausstellung. Er bildet nicht nur die Grundlage für die gewebten Objekte, sondern umwickelt kleine, abstrakte Zeichnungen, um diesen größere Tiefe zu verleihen. Oder er setzt sich zu einem kräftigen Gurt zusammen, der sich dazu eignet, Ausladendes festzuzurren.
So wie bei dem großen Objekt im Zentrum der Ausstellung. Um eine Säule gebunden ist eine Matratze, die so quasi menschliche Konturen annimmt. Fast ein wenig martialisch wirkt dieses Gebilde, wuchtig, raumgreifend, dynamisch zwischen all den feinen Web-Kompositionen.
Aus diesem Kontrast entsteht ein Spannungsfeld, das die Stofflichkeit der Welt plakativ ausdrückt. Stoff ist tatsächlich weit mehr als nur ein Material. Er ist sehr konkret wie auch die Kunstform, die Baberske schätzt, und er geht uns alle an. Jeder trägt ihn. Doch wie ist es mit seiner Herstellung? Die ist durchaus nicht immer umweltverträglich. Auch darauf will diese interessante Ausstellung hinweisen.
Die Werkschau im KunstRaum Heilsbronn, Hauptstraße 2, ist bis 13. April zu sehen. Geöffnet ist Samstag und Sonntag von 14 bis 16 Uhr. Am 6. April findet ein Web-Workshop statt.