Bei 45 Geflüchteten sagt selbst Burghaslach nein | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 10.05.2024 17:31

Bei 45 Geflüchteten sagt selbst Burghaslach nein

Noch immer kommen Geflüchtete auch im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim an. Die Burghaslacher Räte lehnten nun allerdings einen Bauantrag für eine Unterkunft ab. (Foto: Jonas Walzberg/dpa)
Noch immer kommen Geflüchtete auch im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim an. Die Burghaslacher Räte lehnten nun allerdings einen Bauantrag für eine Unterkunft ab. (Foto: Jonas Walzberg/dpa)
Noch immer kommen Geflüchtete auch im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim an. Die Burghaslacher Räte lehnten nun allerdings einen Bauantrag für eine Unterkunft ab. (Foto: Jonas Walzberg/dpa)

Zum Umbau einer ehemaligen Gaststätte in eine Flüchtlingsunterkunft hat der Burghaslacher Marktgemeinderat seine Zustimmung verweigert. Man sei nicht grundsätzlich gegen das Vorhaben, halte aber die Belegungszahl für zu hoch, erklärten Bürgermeister Armin Luther und mehrere andere Ratsmitglieder.

Für das einstige Wirtshaus lag dem Ratsgremium ein Umbauantrag vor. Demnach soll das Gebäude als Unterkunft für bis zu 45 Menschen dienen. „Ich habe schon ein bisschen Bedenken“, sagte Bürgermeister Luther: „Ich halte die Anzahl von 45 für zu viel; ich würde auch 45 Deutsche in einer Unterkunft für zu viel halten.“

Bei 25 oder 30 könnte er mitgehen, erklärte Luther weiter. Er verwies auch darauf, dass Burghaslach bereits eine Unterkunft hat. In einer ehemaligen Pension seien bereits 42 Plätze; hinzuzuzählen seien noch jene Geflüchteten, die in anderen örtlichen Wohnungen eine Bleibe gefunden haben. Burghaslach ist eine der wenigen Kommunen im Landkreis, die bei der Flüchtlingsunterbringung den Soll-Beitrag erfüllen, sogar übererfüllen.

Im Widerspruch zur Regierungsempfehlung

Andreas Zobel (BfMB/NBB) ging auf einige Details des Bauantrags ein und maß diese an den Empfehlungen der bayerischen Staatsregierung zur Flüchtlingsunterbringung. So sei beispielsweise empfohlen, je Person sieben Quadratmeter Wohnraum zur Verfügung zu stellen, eine Dusche für bis zu sieben Personen vorzuhalten und ein Zimmer mit höchstens fünf Bewohnern zu belegen.

Im vorliegenden Bauantrag enthalten sind laut Zobel aber zum Beispiel ein Zehn-Quadratmeter-Zimmer für drei Personen sowie auch ein Zimmer, das mit bis zu zehn Personen belegt werden soll. Insgesamt habe das Gebäude rund 400 Quadratmeter Nutzfläche, sagte Zobel auf eine Nachfrage aus der Ratsrunde.

Bürgermeister Luther ergänzte, er habe auch aus Brandschutzgründen Bedenken. Derlei unterliegt allerdings der Prüfung durchs zuständige Landratsamt, nicht der Marktgemeinde.

Wie sagt man es dem Landratsamt?

Ludwig Lehner (Freie Gemeindeliste) und Hermann Wehr (BfMB/ NBB) sorgten sich etwas um die Reaktion des Landratsamtes bei einer Ablehnung durch die Gemeinde. „Wir sind aufgeschlossen für 25, aber 45 sind zu viel“, sagte Lehner und fragte sich, wie man diese Position „dem Landratsamt spiegeln“ könne. Wehr erwog, dem Bauantrag aus taktischen Gründen im Prinzip zuzustimmen, um eventuell mit Zobels Argumenten eine reduzierte Belegung aushandeln zu können; das sei eventuell besser, als abzulehnen und dann nicht so viel erreichen zu können.
Als problematisch wurde im Rat zudem die Betreuungssituation gesehen. „Ich weiß langsam nicht mehr, wo die Leute herkommen sollen, die sich ehrenamtlich engagieren“, sagte etwa Thomas Büttner (Freie Gemeindeliste) mit Blick darauf, dass die Bürgerschaft auch in anderen Themenfeldern, wie etwa bei den First Respondern, gefordert ist.

Luther ergänzte: „Ich sehe uns bei 45 überfordert, kann aber nicht garantieren, dass das nicht auch schon bei 25 passiert.“

Letztlich stimmte als Einziger Christian Hofmann (BfMB/NBB) für den Bauantrag, die 13 anderen anwesenden Ratsmitglieder waren dagegen.

north