Vom 10. bis 13. Oktober fand in Feuchtwangen im KulturKino das Filmfestival Beyond statt. 28 Filme wurden an vier Tagen gezeigt. Die Veranstaltung splittete sich in drei Kategorien: Utopie, Dystopie und Comedy.
In dem Wettbewerb wurde jeweils ein Tagessieger unter den Filmschaffenden gekürt, am Sonntagabend zusätzlich ein Gesamtsieger des Festivals. Der erste Tagessieger war Axel Javier Sulzbacher. Der Preis am zweiten Tag ging an die Filmemacherin Tandehui Jansen. Den Sieg in der Kategorie Comedy und gleichzeitig den Gesamtsieg holte sich Kerstin Polte.
Der deutsche Regisseur Axel Javier Sulzbacher (32) ist der erste Preisträger des Festivals. Am Freitagabend kürte die vierköpfige Jury seine Dokumentation „Black Water Green Gold” zum Sieger in der Kategorie „Utopie”. Der 83-minütige Film zeigt, wie Gier, Missmanagement und aggressive Landwirtschaft einen der ältesten und größten Seen Mexikos, den Patzcuaro Lake, langsam, aber sicher zerstören, was auch gesellschaftliche Verwerfungen zur Folge hat. Doch die indigene Gemeinschaft, deren traditionelle Lebensweise durch sinkende Wasserstände und Umweltverschmutzung bedroht wird, hält zusammen und kämpft für ihre Zukunft in Harmonie mit der Natur.
Die Beyond-Jury – sie bestand aus den Filmemacherinnen Gülsel Özkan und Alena Pfanz sowie den Journalisten Andreas Kunkel und Wolfgang Grebenhof – überzeugte der Film einer Pressemitteilung zufolge durch seine Darstellung eines Kampfes, der dem biblischen „David gegen Goliath”-Motiv gleicht. Die Doku vermittle Hoffnung für die Welt, indem sie auf subtile Weise die globalen Wirtschaftsprobleme thematisiert.
Die Jury lobte besonders die filmische Kraft des Werkes, unterstützt durch eine großartige Dramaturgie, beeindruckende Kameraeinstellungen und eine wunderschöne Filmmontage. All diese Elemente machen „Black Water Green Gold” zu einem herausragenden Beispiel utopischen Filmschaffens.
Und noch einmal Mexiko: Mit „Itu Ninu” ist ein weiterer Film aus Südamerika am Samstag zum Sieger in der Kategorie Dystopie gekürt worden. Filmemacherin Itandehui Jansen (48) ist nach Überzeugung der Jury ein ungemein zartes, berührendes Portrait eines Paares gelungen, das in einer dystopischen, Orwell´schen Welt der Zukunft zueinander findet.
Der 72-Minüter spielt im Jahr 2084. Klima-Migrant Ángel kultiviert Pflanzen. Sofia, ebenfalls Klima-Migrantin, arbeitet in einer Recycling-Fabrik. Ihre Wege kreuzen sich zufällig. Etwas Unerwartetes verbindet sie: Ihre gemeinsame Sprache, die eines indigenen Volkes. Um die digitale Dauer-Kontrolle zu umgehen, nutzen die beiden ein zeitloses Medium, um zu kommunizieren: Stift und Papier. In Briefen, die sie austauschen, entwickeln sie eine filigrane Verbindung. So wie sich die Wurzeln von Pflanzen unter der Erde verbinden, wachsen die beiden unter dem Radar des Überwachungsstaates zusammen.
Der Jury gefiel an dem Film vor allem die feinfühlige Art, mit der die Kamera die langsam entstehende Freundschaft der beiden Protagonisten einfängt. Trotz der Hoffnungslosigkeit der Umgebung, in der sie leben, keimt am Ende doch Hoffnung auf: Die Hoffnung, dass Liebe stärker ist als Repression. Insofern gelinge es Itu Ninu in besonderer Weise und mit einer experimentellen Erzählform, die Botschaft des Beyond-Festivals zu transportieren.
Der beste Film in der Kategorie Comedy ist zugleich der Gesamtsieger des Festivals: „Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?” von Kerstin Polte (49). Die Jury zeichnete, wie sie am Sonntagabend mitteilte, die Regisseurin aus, da ihr Film in einzigartiger Weise die Seele des Festivals verkörpere und mit Charme, Tiefe und emotionaler Vielschichtigkeit begeistere.
Als beste Komödie besticht der Film nach Ansicht der Juroren durch seine gelungene Mischung aus feinsinnigem Humor und Situationskomik, die ohne übertriebenen Slapstick auskommt. Die Dialoge sind präzise auf den Punkt gebracht, und das Timing der Szenen trifft stets ins Schwarze. „Was den Film besonders macht, ist die Fähigkeit, Leichtigkeit mit tiefen, nachdenklichen Momenten zu verbinden. Er schafft es, das Publikum durch seinen Humor zu fesseln und gleichzeitig berührende Botschaften zu vermitteln.”
Als bester Beyond-Film 2024 stellt „Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?“ zentrale Themen des Festivals in den Vordergrund: Die Frage nach Neuanfängen und die Suche nach dem Sinn des Lebens und des Glaubens. Der Film verhandelt grundlegende existenzielle Fragen auf subtile und berührende Weise, etwa die Frage nach der Existenz Gottes und dem, was im Leben wirklich von Bedeutung ist.
Diese philosophische Tiefe verleiht dem Werk eine Dimension, die weit über das Genre der Komödie hinausgeht. Charlotte, die Hauptfigur, steht stellvertretend für den Mut, das eigene Leben auch in späteren Jahren neu zu gestalten, und vermittelt damit eine Botschaft, die perfekt zur Vision des Beyond-Festivals passt: dass es immer möglich ist, das Leben und seine Zukunft aktiv zu formen.
Initiator Ludger Pfanz zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf des Filmfestivals. „Natürlich hat man bei solch einem neuen Projekt gewisse Bauchschmerzen, ob es wohl auch angenommen wird oder ob man vielleicht im Kino ohne Besucher steht“, räumte er ein. Doch die Zahl an Interessierten war im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. „Natürlich ist noch Luft nach oben, aber wir sind zufrieden“, waren sich die Festivalmacher einig.
Trotz der positiven Bilanz sei man sich bewusst, dass es noch einiger Veränderungen bedarf, ergänzte Pfanz. Da wären vor allem organisatorische Dinge zu beachten. „Die Anreise nach Feuchtwangen für Leute von auswärts ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln oft problematisch.“ Vielleicht sei in Zukunft ein Shuttle-Service möglich.
Gut angenommen worden ist die Konzeption des Festivals. Drei unterschiedliche Kategorien an drei verschiedenen Tagen mit jeweils einem Tagessieger machten es den Besuchern leicht, eigene Schwerpunkte zu setzen. Das kleine, erlesene Festival setzte positive Zeichen. Und es werden, wie Ludger Pfanz versprach, weitere folgen.