Etwa 160 Stunden lang hat Ludger Pfanz Filme geschaut. Er musste schließlich eine Vorauswahl treffen für den Wettbewerb des Beyond Filmfestivals. Diese Auslese wird nun am Wochenende im Feuchtwanger KulturKino vorgestellt.
Filmschaffende aus 30 Ländern haben für den Wettbewerb 80 Filme eingereicht, erzählte der Filmemacher Ludger Pfanz aus Schopfloch bei der Eröffnung am Donnerstag. Besonders freute es ihn, dass 80 Prozent der Einsendungen von Frauen waren. Normalerweise sei es in der Branche nämlich genau gegenteilig.
28 Filme pickte er heraus, um sie dem Publikum und der vierköpfigen Jury vorzustellen. Die Beiträge reichen von Kurzfilmen über Dokumentarfilme bis hin zu Langfilmen.
Jeder Tag des Festivals steht im Zeichen einer anderen Kategorie. So geht es am Freitag um das Thema Utopie, am Samstag soll der Fokus auf Dystopie liegen und der Sonntag schließt den Wettbewerb mit Comedy ab. Die Jury, bestehend aus Alena Pfanz, Gülsel Özkan, Wolfgang Grebenhof und Andreas Kunkel, bestimmt die jeweiligen Tagessieger. Am Sonntag wird dann noch ein Gesamtsieger gekürt.
Das Filmfestival bietet eine breite Themenpalette. Und doch werden in vielen Beiträgen ähnliche Aspekte aufgegriffen. Themen, die Menschen heute bewegen. So handeln etliche Filme vom Klimawandel, von Künstlicher Intelligenz oder davon, wie man als Frau in einer patriarchal geprägten Welt lebt.
Auch das Thema Kinder spielte bei den Einsendungen eine große Rolle, erklärte Pfanz überrascht. „Sollte man heutzutage noch Kinder kriegen, wie kann man sie ernähren?“ Generell wurde am meisten zum Thema Dystopie eingeschickt. „Es ist erschreckend. Aber man sieht, wie junge Leute über die Welt denken.“
Doch die bespielten Themen sind das Wichtige an Beyond. „Ich will euch Filme zeigen, die ihr nicht sehen wollt“, sagte Ludger Pfanz. Sonst gehe man nämlich immer nur ins Kino, um Filme zu schauen, die man sowieso sehen will. Hier nicht.
„Der Klimawandel könnte mir vielleicht eigentlich wurscht sein, ich sehe dann vielleicht nur noch von unten aus dem Schopflocher Friedhof zu, aber meine Tochter und andere junge Leute müssen später damit leben“, erklärte Pfanz weiter, „das fliegt uns irgendwann fies um die Ohren“.
„Blindgänger“ von Kerstin Polte eröffnete dann den Wettbewerb. Der Film lief unter der Kategorie Utopie. Eigentlich wäre die Regisseurin selbst in Feuchtwangen gewesen, um ihren Film vorzustellen, doch sie musste absagen. „Tiramisu ist schuld“, sagte Ludger Pfanz. Ihre Katze war gestorben, die sie seit 17 Jahren begleitet hatte. Also schickte die Regisseurin dem Publikum kurzerhand eine Videobotschaft. „Es ist ein sehr persönlicher Film“, erklärte Polte darin. Die Panikattacken und die vererbten Traumata im Film kenne sie selbst nur zu gut.
Im Gegensatz zu der deutschen Regisseurin Kerstin Polte taten sich Teilnehmende aus anderen Ländern – etwa aus China – schwer, ihre Filme einzusenden, so Ludger Pfanz. Schuld sei Zensur. Umso mehr freute sich der Festivalmacher, diese Filme zeigen zu können und damit auch zu sehen, wie Regisseure zwischen den Zeilen Protest eingebaut hatten.