Bezirk Mittelfranken prämiert zwei Denkmäler in der Rothenburger Altstadt | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 20.08.2025 07:00

Bezirk Mittelfranken prämiert zwei Denkmäler in der Rothenburger Altstadt

Das Wappen mit den beiden Mondsicheln an dem Haus in der Hofbronnengasse weist auf die Rothenburger Ratsherrenfamilie Winterbach hin. (Foto: Bezirk Mittelfranken/Julia Krieger)
Das Wappen mit den beiden Mondsicheln an dem Haus in der Hofbronnengasse weist auf die Rothenburger Ratsherrenfamilie Winterbach hin. (Foto: Bezirk Mittelfranken/Julia Krieger)
Das Wappen mit den beiden Mondsicheln an dem Haus in der Hofbronnengasse weist auf die Rothenburger Ratsherrenfamilie Winterbach hin. (Foto: Bezirk Mittelfranken/Julia Krieger)

Acht vorbildlich renovierte Denkmäler in den Landkreisen Neustadt/Aisch-Bad Windsheim und Ansbach sowie in der Stadt Ansbach hat der Bezirk Mittelfranken in diesem Jahr ausgezeichnet.

Gleich zwei Projekte in der Rothenburger Altstadt wurden vom Bezirk ausgewählt. Die beiden Vorhaben in der Hofbronnengasse und im Krebengässchen haben etwas gemeinsam: Die Zimmerei Lederer aus Flachslanden, die schon viele bedeutende Denkmäler bearbeitet hat, steht dahinter. „Die Hofbronnengasse 11 und 13 ist ein privates Projekt, in das wir 2,2 Millionen Euro investiert haben”, erklärte dazu die Geschäftsführerin Sylvia Lederer.

Ein Wappen mit Mondsicheln

Rothenburgs Altstadt ist durch das verwinkelte Ensemble seiner historischen Hausfassaden geprägt, schreiben die Denkmalschützer des Bezirks in ihrer Laudatio. In der Nähe des Rathauses siedelten viele Patrizier, so auch in dem abschüssigen Straßenzug der Hofbronnengasse. Das Wappen mit den beiden Mondsicheln am Barockportal von Haus Nummer 11 weist auf die Ratsherrenfamilie der Winterbach hin.

Dieses Wappen findet sich noch an weiteren Gebäuden in der Stadt. Das Haus mit dem steilen Satteldach und dem charakteristischen Erker ist eng mit dem Nachbargebäude Nummer 13 verbunden, das etwa gleich alt und aufgrund von Untersuchungen des verbauten Holzes auf 1478 datiert ist.

Von der Straße mit den für die Innenstadt so charakteristischen Fassaden war kaum zu erkennen, dass sich seit 1810 in Nummer 13 eine Druckerei befand. Diese gewerbliche Nutzung hatte im Lauf der Zeit viele bauliche Eingriffe erfordert. In den 1980er-Jahren etwa wurde auf der Hofseite ein Stahlbetonbau in den verschachtelten Gebäudekomplex gesetzt. Oberflächen wurden mit Styropor verkleidet und zusätzlich noch gefliest. Bis 2014 war hier auch ein Puppen- und Spielzeugmuseum untergebracht.

Aufwertung von vernachlässigten Hinterhöfen

Der neue Eigentümer, der beide Anwesen erworben hatte, konnte, anders als anfänglich geplant, hier keine öffentliche Nutzung unterbringen, da baurechtlich immer nur Wohnnutzung vorgesehen war. Um eine solche wieder zu ermöglichen, sanierte man umfassend. Aus dem nur partienweise noch vorhandenen Bestand sei das Beste herausgeholt worden. Beide Fassaden habe man, so der Bezirk, hervorragend aufgearbeitet und nach Befund neu gefasst. Alte Kastenfenster mit Bleiverglasung sind restauriert, neue Holzfenster kamen dazu.

Im Inneren erfolgte zunächst ein Rückbau von Überformungen wie trennenden Leichtbauwänden oder abgehängten Decken. Eine ältere Balkendecke sowie die Stuckdecken um 1750 hat man ebenso wie die Türblätter mitsamt ihren Beschlägen restauriert. Die bislang sehr vernachlässigten Hinterhöfe erfuhren im Zuge der Sanierung eine ganz neue Aufenthaltsqualität.

Der Betonbelag ist Kopfsteinpflaster gewichen, das erhaltene Fachwerk wurde saniert. In dem vormals völlig verbauten Anwesen entstand dringend benötigter Wohnraum mitten im historischen Stadtkern. Und die nun aufgewerteten Fassaden glänzen wieder – wie einst zu Patrizierzeiten.

Verein Alt-Rothenburg übernahm zunächst

Ein einziger Euro bewahrte das schlicht wirkende Baudenkmal im Krebengässchen in der Altstadt Rothenburgs vor seinem bereits genehmigten Abriss. Für diese symbolische Summe hatte der Verein Alt-Rothenburg das kaum vorstellbar ruinöse Ackerbürgerhaus einst übernommen. Letztendlich gerettet wurde es allerdings durch die „meisterhafte Sanierung”, wie der Bezirk Mittelfranken lobt, von abermals neuen Eigentümern – mit deutlich höherem finanziellen Einsatz und sehr viel Eigenleistung.

Unter dem steilen Satteldach des zweigeschossigen Baus versteckte sich eine komplexe Baugeschichte. Als Scheune war das Gebäude, eine Fachwerkkonstruktion auf massivem Erdgeschoss, im frühen 15. Jahrhundert errichtet worden. Die ältesten Teile datieren auf 1405. Schon früh hat man den Nutzbau auch zum Wohnen ausgebaut. Der westliche Teil stammt von 1445, weitere Bauphasen folgten in den Jahrhunderten danach.

Mangelnder Bauunterhalt hatten das Haus zwischenzeitlich völlig herunterkommen lassen. Insekten- und Pilzbefall sowie die Folgen ungeschickter Veränderungen in der jüngeren Vergangenheit trugen zum fortwährenden Verfall bei. 2014 wurde das einsturzgefährdete Objekt notgesichert und dämmerte seitdem seinem Abbruch entgegen.

Fast vergessener Zeitzeuge ist gesichert

Was machbar ist, wenn scheinbar nichts mehr zu machen ist, zeigten ab 2023 die fachkundigen Neueigentümer, die hier denkmalgerecht sanierten Wohnraum entstehen ließen. Neben Sylvia und Thomas Lederer sind dies Irina und Arthur Reim. Nach einer umfassenden Dokumentation wurde substanzschonend die gesamte Holzkonstruktion instandgesetzt. Alle Bauphasen blieben nachvollziehbar. Jedes noch so kleine Detail blieb erhalten. So hat man etwa eine Stütze des 15. Jahrhunderts geschickt unterfangen, die bauzeitlichen Bohlenbalkendecken freigelegt und restauriert, Gefache mit Kratzputz sichtbar gehalten.

Ein zugehöriger Keller unter dem Nachbarhaus wurde wieder zugänglich gemacht. Gedämmt wurde mittels vorgeständerter Lehmwände. Durch die hohen Verluste waren viele Erneuerungen nötig und in Absprache mit den Behörden Modernisierungen auch möglich. All dies geschah aber dem Denkmal entsprechend und mit bestem Materialeinsatz. Diese Sanierung sicherte in einem Straßenzug, in dem nahe dem Klingentor vorrangig Ackerbürger siedelten, einen fast vergessenen Zeitzeugen der spätmittelalterlichen Wirtschaftsgeschichte Rothenburgs.


Thomas Schaller
Thomas Schaller
Redaktion Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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