Wo es Flüsse oder stehende Gewässer gibt, sind häufig Biber zu Hause. Dort machen sie sich ans Werk und gestalten ihren Lebensraum, wie es ihnen passt – nicht immer zur Freude aller. Seit einiger Zeit sind die Nager im Dombachtal aktiv.
Massenweise liegen Bäume auf dem Boden, große und kleine. Teilweise sind sie übereinander gestapelt. Die Szenerie wirkt chaotisch. Der Grund ist offensichtlich, die Nagespuren sind nicht zu übersehen. Auch Dämme sind vorhanden.
Anwohner und Spaziergänger machen sich Sorgen um das beliebte Ausflugsziel in Stadtnähe. Der Verbiss habe „massiv zugenommen in den letzten Monaten“ schildert ein Spaziergänger seine Eindrücke. Biber haben dort „sehr gewütet“, sagt ein weiterer.
„Starke Aktivitäten“ der Nager vor Ort bestätigt auch Susanne Wolf. Sie ist von Beruf Landschaftsarchitektin und unterrichtet Studenten an der Fachhochschule in Triesdorf. Die gebürtige Ansbacherin kennt sich sehr gut mit der Natur aus, was sie auch regelmäßig bei Führungen zeigt. Außerdem wohnt sie in der Nähe und hat sich einiges an Wissen über Biber angeeignet. Sie kann die Einflüsse der Nager auf die Natur also gut einschätzen.
Die Lage im Dombachtal sieht sie als unproblematisch an, sagt sie. Vor rund zwei Jahren haben sich Biber dort angesiedelt – und rasch ausgebreitet. Da das Tal eine Hochwasserregion sei, würde es von den Bauten der Nagetiere sogar profitieren – sie dienen dem Hochwasserrückstau.
Für das dortige Landschaftsschutzgebiet seien die Riesennager aus ökologischer Sicht eine „absolute Bereicherung“, erklärt Wolf. Die Nasswiesen würden zur Grundwasserneubildung beitragen, mehr Lebensraum für Amphibien, Kleinfische und Pflanzenarten werde durch die Bauten der Biber kreiert, sagt auch Christina Beckler, die Kreisgeschäftsführerin des Bund Naturschutz (BN) Ansbach.
Wegen der Biodiversität sei der BN froh, dass sich die Nager an mehreren Stellen in Ansbach angesiedelt haben. Über die konkrete Situation im Dombachtal kann Beckler zwar nichts sagen, ganz grundsätzlich beurteilt sie die Biber-Population in Ansbach entspannt: „Sorgen machen müssen wir uns nicht.“
Die Stadt Ansbach will sich auf Nachfrage derzeit nicht zur Lage im Dombachtal äußern, teilt die Verwaltung nach Rücksprache mit Biberberater Gerhard Engelhardt mit. Derzeit würde eine Biberstatistik erstellt, die im Juni im Umwelt- und Verkehrsausschuss vorgestellt werden soll, heißt es auf Anfrage. Somit bleibt vorerst unklar, ob derzeit akuter Handlungsbedarf im Dombachtal besteht.
Immerhin gibt es mehrere Baumaßnahmen, die die kleinen Kerle in dem Naherholungsgebiet geschaffen haben. An einer Stelle wurde auch schon ein Schutz aus Metall in den Dombach eingebaut. Dieser soll verhindern, dass zu hohe Mengen an Schwemmholz den Durchlass verstopfen, erklärt Wolf.
Sie sehe jedenfalls „überhaupt keinen“ Handlungsbedarf. Jedoch würde sie es begrüßen, wenn besonders große Bäume durch Eisengitter geschützt werden. Die kleineren Bäume seien ihrer Ansicht nach „kein großer Verlust“. Die im Dombachtal betroffenen Wiesen sehe sie aus wirtschaftlicher Sicht auch nicht als sonderlich problematisch an – im Vergleich zu Äckern.
Überschwemmte landwirtschaftliche Flächen durch Biber sorgen vielerorts für Ernteverlust und für Ärger bei den Bauern, wie David Lindörfer, Fachberater des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) in Ansbach, auf Nachfrage mitteilt. Wöchentlich erreichen den Ansbacher BBV Anrufe von aufgewühlten Landwirten, berichtet er.
Baumschäden, verstopfte Drainagen, Eingriffe in Weiher, Maschinen, die in Ufernähe wegen Untergrabungen einsacken: Landwirte haben „massive Probleme“, schildert Lindörfer. Die Schadensfälle würden immer mehr. Wird keine Infrastruktur gestört, „sollte man ihm seinen Lebensraum geben“, meint Beckler vom BN. Jedoch: „Man muss Schäden, die Biber verursacht haben, auch entlohnen.“ Hierfür setze sich der BN derzeit aktiv ein.
Obwohl es einen freiwilligen Ausgleichsfonds des Freistaates Bayern gibt, bleiben viele Landwirte oft auf den Schäden sitzen, sagt Lindörfer. Dennoch empfehle der BBV „konsequent jeden Schaden zu melden“. Die „Frustration bei den Landwirten ist extrem hoch“, so Lindörfer. Sie „fühlen sich im Stich gelassen“.
Weil die Biber auf EU-Ebene als „streng geschützte Art“ gelten, kann man nicht einfach gegen sie vorgehen. Lange Zeit waren sie beinahe ausgerottet. Über eine Entnahme der Nagetiere müssen die Behörden jeweils im Einzelfall entscheiden. Voraussetzung dafür sind erhebliche Schäden oder eine Beeinträchtigung der Infrastruktur.