Zwei Gründe zum Feiern hat am kommenden Samstag die Landjugendgruppe und mit ihr der Bad Windsheimer Ortsteil Wiebelsheim: Die 37 Aktiven der Bayerischen Jungbauernschaft (BJB) können ihr 75-jähriges Bestehen begehen.
Mit dabei ist die fast 100 Jahre alte Fahne, die sich nach einer 2700 Euro teueren „Verjüngungskur“ in glänzendem Gewand zeigt und erneut geweiht wird.
Bei dem Jubiläumsfest wird neben den zahlreich erwarteten Ehrengästen mit Altbürgermeister Georg Dietlein noch ein Zeuge der Geschehnisse aus der Gründungszeit um 1949 dabei sein. Der 88-jährige Wiebelsheimer Landwirt gehört zu den Pionieren während der Anfänge der Landjugendarbeit nach dem Zweiten Weltkrieg und bewahrt in seinem Archiv und seinem Gedächtnis viele Fakten aus dieser Zeit.
Denn Dietlein war nicht nur bald Obmann der Gruppe geworden, sondern war später auch Bezirksvorsitzender.
Weil die katastrophale Nachkriegslage noch durch das Dürrejahr 1947 verschärft wurde, nahmen die Felddiebstähle zu. Es wurden nicht nur unreife Kartoffeln ausgegraben, sondern auch Getreide vom Halm abgeschnitten. „Es gab mehr Ährenleser als Erntehelfer“, steht in Aufzeichnungen über diese Zeit.
Nach der Gründung des Bayerischen Bauernverbandes waren nach der NS-Zeit bald auch als Nachwuchsorganisation Landjugendgruppen gegründet worden. Die erste auf Ortsebene im Umfeld von Windsheim wurde im Februar 1947 in Illesheim und dann in Burgbernheim aus der Taufe gehoben. 1949 folgte die Gründung in Wiebelsheim, deren 75-jähriges Bestehen nun gefeiert wird.
Manch andere Organisation würde an dem Wochenende nicht das 75-Jährige feiern, sondern auf 100 Jahre zurückblicken. Denn unter dem Namen Bayerischer Junglandbund gab es schon ab 1923 eine Landjugendorganisation. So auch in Windsheim, wo sich eine ländlich-bäuerliche Jugendgruppe gebildet hatte, die „Dorfring“ genannt wurde.
„Motor“ war der Landesvorsitzende Konrad Frühwald (1890 bis 1970), Vater des späteren Landrates Konrad Frühwald aus Roßbach. Als „gewandter Redner“, wie es in den Analen heißt, verstand es der spätere Reichstagsabgeordnete, die Jugend zu begeistern, und gründete viele Gruppen.
Ein Zeugnis davon ist die Fahne, die die Nazi-Zeit deshalb überlebt hat, weil eine weitsichtige Person sie im Heimatmuseum Windsheim deponierte. Es soll Konrad Frühwald selbst gewesen sein. Die Fahne des Junglandbundes war am 26. September 1926 in Windsheim eingeweiht worden. Die Patenschaften dafür übernahmen die Dorfringe von Markt Erlbach und Altdorf.
1933 wurden die Repräsentanten der damaligen Berufsvertretungen durch die Nationalsozialisten ihrer Ämter enthoben, der Junglandbund wurde aufgelöst und durch die Hitlerjugend ersetzt. In der Mitte der Fahne wurde ein Hakenkreuz angebracht. Eine Mädchengruppe hat das Hakenkreuz später entfernt und das Wiebelsheimer Landjugendemblem aufgestickt.
Während Konrad Frühwald als damaliger Präsident des mittelfränkischen Bauernverbandes nach dem Krieg eine überkonfessionelle Jugendorganisation vorschwebte, kam es 1953 zur Trennung. Georg Dietlein erinnert sich noch gut daran, dass bei der Jahresversammlung am 9. März 1953 der katholische Pfarrer Dr. Emeran Scharl eine eigene katholische Landjugend unter der Leitung der katholischen Kirche forderte und durchsetzte.
Bald drauf zog die evangelische Kirche nach. Daraufhin bildeten Gruppen, die sich konfessionell nicht binden wollten, die Bayerische Jungbauernschaft (BJB), so dass es nun heute drei Landjugendorganisationen gibt.
Ein bäuerlicher Hintergrund ist für ein Mitwirken in der BJB längst keine Pflicht mehr. Vorbei sind Zeiten, in denen am 20. September 1957 in Windsheim der Landesentscheid im Gespannpflügen und Schlepperpflügen stattfand. Im Jahresprogramm werden alle Gesellschaftsschichten angesprochen. Das reicht von Maibaumaufstellen bis hin zum Mieten des Knecht Rupprechts.
Das Fest am Samstag, 27. Juli, in der Maschinenhalle Kraus am Spielplatz, startet um 15 Uhr mit Kaffee und Kuchen. Die Fahnenweihe vollzieht um 15.30 Uhr Pfarrer Norbert Schlinke. Um 16 Uhr wird ein Bierfass angestochen, Grußworte werden gesprochen und den Spendern, die die Restaurierung der Vereinsfahne ermöglicht haben, soll gedankt werden. Gegrilltes gibt es ab 17.30 Uhr, ab 20 Uhr öffnet die Bar und die Party beginnt.