Maria Schuster, geboren am 16. Februar des Jahres 1923 in Feldberg in der Steiermark, ist eine gläubige Frau. Am Donnerstag feiert sie im Burgbernheimer Seniorenheim „Lichtblick“ ihren 100. Geburtstag und ein ganz großes Ziel hat sie noch: Sie will den nächsten Papst erleben.
Bisher hat sie sieben Päpste er- und überlebt und wer weiß: vielleicht gelingt es der überzeugten Katholikin noch, auch Papst Franziskus zu überleben, denn dann hätte sie mit seinem Nachfolger neun auf der Liste. Zuzutrauen wäre es der rüstigen Dame in jedem Fall.
Mizzi, so wurde Maria Schuster in ihrer alten Heimat liebevoll genannt, hatte es nicht immer leicht. Die Jugend in der Zeit des Zweiten Weltkrieges war hart und entbehrungsreich. Auf dem Gutshof ihres Großvaters wurden damals große Mengen Obst, vor allem Äpfel, angebaut und geerntet. Schwindelfrei musste man da sein, erinnert sich die 100-Jährige, denn das damals junge Mädchen war auserkoren, auf die Leiter für die obersten Früchte zu klettern. Die „schönen Roten“ wurden verkauft und vom Fallobst wurde Most gemacht, erzählt sie.
Eine unbeschwerte Jugend hatte die Jubilarin kaum. Sie musste viel arbeiten und als sie gerade mal 19 Lenze zählte, kam ihr Sohn Wilhelm zur Welt. Ihren Mann hatte die Österreicherin kennengelernt, als dieser als Wehrmachtssoldat in Feldbach stationiert war. Geheiratet haben die beiden dann im Jahr 1944 in Nürnberg – im Mautkeller, im ganz kleinen Kreise mit nur ein paar wenigen Verwandten.
Als Hochzeitsessen, so erinnert sie sich, gab es nur Salat, kein Fleisch und auch ein Brautstrauß war mitten im Krieg nicht aufzutreiben. Trotzdem sei es einer der schönsten Tage ihres Leben gewesen, und immerhin wurde sogar noch eine Flasche Wein serviert. Obwohl: Das hätt’s eigentlich auch nicht gebraucht, denn aus Alkohol hat sich Maria Schuster schon ihr Leben lang nichts gemacht. Auch geraucht hat sie nie.
Stattdessen habe sie schon immer großen Wert auf ihr Äußeres gelegt, erzählt Sohn Wilhelm. Das gilt auch für das Gespräch mit der Redaktion: Frisch vom Friseur mit lackierten Nägeln sitzt die adrette Seniorin gut gekleidet in ihrem Sessel und erklärt energisch, von welcher Seite man sie fotografieren möge. Nicht ohne Grund, denn von links lägen die Haare deutlich besser, habe ihr die Friseurin gesagt. Ihre Schokoladenseite.
Zu ihren Nürnberger Zeiten arbeitete Maria Schuster in einer Kabelfabrik. 1945 zog sie mit ihrer Familie dann in die Oberpfalz in die Nähe von Furth im Wald, wo im letzten Kriegsjahr Tochter Christa zur Welt kam.
Urlaub hat Maria Schuster nur selten gemacht. Ab und zu zog es sie in die alte Heimat, und nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 2001 unternahm sie zuweilen Busausflüge nach Italien, Ungarn oder ins frühere Jugoslawien. Das Flugzeug allerdings hat sie stets gemieden.
In Chamerau in der Oberpfalz lebte Maria Schuster 43 Jahre lang. Sie war beim Gartenbauverein, beim Stammtisch und beim katholischen Frauenbund dabei und immer gerne in geselliger Runde. Auch heute hält sie die Verbindung dorthin aufrecht. Politisch ist die Seniorin ebenfalls interessiert. Einer ihrer Enkel ist der Burgbernheimer Lokalpolitiker Stefan Schuster, der für die CSU unter anderem im Kreistag vertreten ist. Und natürlich findet sie den bayerischen Ministerpräsidenten gut. „Freilich, den Markus mag ich“, sagte sie lächelnd – ein Söder-Fan-Girl sozusagen. Sohn Wilhelm ist mittlerweile 81 Jahre alt und schaut regelmäßig bei seiner Mutter vorbei.
Heute feiert sie im „Kaffeeklatsch“ im Seniorenheim Lichtblick mit einigen Verwandten – drei Enkel und fünf Urenkel hat sie stolz vorzuweisen – sowie mit dem Diakon und politischer Prominenz. Im „Lichtblick“ gefällt es dem Geburtstagskind übrigens sehr. Das Essen und die Pflege seien „ganz hervorragend“, sagt sie. Ab und zu gibt es auch ihr Leibgericht: Wiener Schnitzel mit Kartoffelsalat.