Zum ersten Tag der neuen Campus-Talk-Reihe begrüßte die Campus-Leiterin Professorin Dr. Carolin Durst als Referenten einen echten Narren: Dr. Sebastian Engel konfrontierte seine Gäste mit der Behauptung, dass das Innovationsmanagement Vieles vom Fränkischen Fasching lernen könne.
Sebastian Engel war in der vergangenen Faschingssaison Faschingsprinz in Wilhermsdorf und behauptet: „Der fränkische Fasching hat mehr drauf, als man denkt.“
Bei seinem Vortrag verriet er, dass seine Ehefrau Tanja ihn dazu überreden konnte, so dass Tanja I. und Sebastian I. als Prinzenpaar 2023/ 2024 „tolle Erfahrungen“ sammeln konnten. Heute sagt der Wissenschaftler sehr überzeugend: „Was dort abläuft, kann selbst für modernes Innovationsmanagement noch als Vorbild dienen. Es gibt unglaubliche Parallelen zwischen dem Fasching und dem Innovationsmanagement.“
Engel zählte ganz unterschiedliche Werte auf, die als Teil der Unternehmenskultur sehr eng mit dem Fasching zusammenhängen würden: Werteorientierung, Fehler-/Lernkultur, Freiräume in Strukturen, Innovationsförderer, stärkenbasiertes Ar-beiten und Rituale. Die Bedeutung von Werten würden folgende Zahlen belegen: 76 Prozent aller Interessierten würden keine Bewerbung schreiben, wenn die Unternehmenswerte nicht zu ihnen passen würden, 73 Prozent würden ihr Handeln an Unternehmenswerten ausrichten, zu 65 Prozent sei die Unternehmenskultur Hauptgrund für den Verbleib und 54 Prozent würden bestätigen, dass die gelebten Werte wichtiger seien als das Gehalt.
Auch im Fasching gebe es so etwas wie eine Werteorientierung: Gemeinsam Humor, Hingabe, Lebendigkeit erleben und Spaß haben beziehungsweise machen stehen über Allem. Integrität, Innovation und Offenheit seien „gelebte Werte“, die das Vertrauen stärkten sowie Kreativität, Transparenz und Kommunikation fördern könnten.
Damit könnten in einem Unternehmen Kundenbindung, Wettbewerbsfähigkeit sowie Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit gesteigert werden. Stärkenbasiertes Arbeiten im Fasching sei bei Büttenreden, Sketchen oder Tanzeinlagen möglich. Zu Fehlern wie Versprecher, Textaussetzer oder Stolpern, die im Fasching gemacht werden, sagt Engel: „Gib nicht auf, zieh es durch und das Publikum wird Dich umso mehr feiern.“
Übertragen auf Fehlentscheidungen im Betrieb könnte man ermutigen: „Wage eine offene und konstruktive Haltung gegenüber Fehlentscheidungen, lerne aus Fehlern und probiere neue Dinge aus.“
Jede Sitzung im Fasching habe eine klar definierte Struktur, die durch den Sitzungspräsidenten gewahrt werde. Aber jede oder jeder dürfe auf der Prunksitzung tun, was dem Zweck dient und nicht gegen die Werte verstößt. Dies könnte in der Arbeitswelt bedeuten: Flexibilität und Handlungsspielräume innerhalb definierter Prozesse und Raum schaffen für Kreativität und Innovation. Solche Gestaltungsspielräume würden zu schnelleren Problemlösungen und mehr Motivation führen.
Elferrat und Sitzungspräsident gestalteten zwar das Programm, gäben aber den Akteurinnen und Akteuren eine Bühne für ihre Kreativität, ohne zu werten. Ähnlich könnten Führungskräfte im Unternehmen ihre Mitarbeitenden bei der Entwicklung von erfolgsrelevanten Innovationen bestärken.
Mit einem Blick auf alte und moderne Hofnarren beendete Engel seinen kurzweiligen und humorvollen Vortrag. „Der alte Hofnarr ist im Wandel der Zeit zum persönlichen Berater geworden. Er hat nicht selten sogar zur Familie gehört und durfte es sogar wagen, auch einmal den Herrscher in Frage zu stellen.“
Im Vergleich mit heutigen Unternehmen sprach der Referent von einer „entkoppelten Führung“: Unabhängig von der Meinung der Ja-Sagenden agieren, Missstände und Widersprüche aufdecken, Kritik zulassen, zur Reflexion anregen und Raum für Humor lassen. Und er meinte: „Es wird Zeit für mehr Narrenfreiheit, gerade in Zeiten des Wandels, für mehr Nachdenken, Umdenken und Andersdenken.“
Engel schloss seine Ausführungen mit einem Zitat von Erich Kästner: „Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch.“