Das Freilandmuseum Bad Windsheim setzt den Mühlenbauern ein Denkmal | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 16.07.2025 13:59

Das Freilandmuseum Bad Windsheim setzt den Mühlenbauern ein Denkmal

Kuratorin Juliane Sander und Museumsleiter Dr. Herbert May vor dem hölzernen Mühlen-Antriebswerk und der modernen Video-Präsentation. (Foto: Anita Dlugoß)
Kuratorin Juliane Sander und Museumsleiter Dr. Herbert May vor dem hölzernen Mühlen-Antriebswerk und der modernen Video-Präsentation. (Foto: Anita Dlugoß)
Kuratorin Juliane Sander und Museumsleiter Dr. Herbert May vor dem hölzernen Mühlen-Antriebswerk und der modernen Video-Präsentation. (Foto: Anita Dlugoß)

Den alten Ägyptern reichten Mörser und Reibsteine, um aus Getreidekörnern Mehl herzustellen. Heute durchlaufen Hunderte Tonnen Getreide an einem Tag die Mühle. Für die Technik sind die Mühlenbauer verantwortlich. Mit einer Dauer-Ausstellung im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim wurde deren Schaffen nun ein Denkmal gesetzt.

In der Unterschlauersbacher Mühle hatte Museumsleiter Dr. Herbert May ein großes und namhaftes Publikum zu begrüßen, an erster Stelle den Initiator Rudolf Ohlmann, der aus einer Neustädter Mühlenbauerfamilie stammt. Feierlich umrahmt wurde die Eröffnung vom Klarinettenquartett der Berufsfachschule für Musik aus Dinkelsbühl.

Wie May ausführte, hatte man bereits vor 30 Jahren die Idee, in der Dechsendorfer Scheune eine Ausstellung zum Thema Mühlenbau zu realisieren. „Er hat ein unglaubliches Wissen”, sagte May über Ohlmann, der dem Freilandmuseum seit Jahrzehnten verbunden sei. Diese Kenntnisse seien nun so in die Ausstellungstexte geflossen, „dass sie auch ein Nicht-Mühlenbauer versteht”.

Mühlen sind ein wahrer Anziehungspunkt

Das sei nicht einfach gewesen. „Ohne Ihr Engagement und Ihren Druck wäre diese Ausstellung niemals realisiert worden”, sagte May unter großem Applaus in Richtung des Initiators. Fachlich umgesetzt hat die Ausstellung Juliane Sander, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Museum. Mit modernen Medien, großer Gerätschaft und Beschreibungen rund um die Kunst und Technik des Mühlenbauens stellt sich die Präsentation als zeitlos dar.

„Die beiden Mühlen im Fränkischen Freilandmuseum sind ein wahrer Anziehungspunkt”, befand Bezirkstagspräsident Peter Daniel Forster, auf den jährlichen Deutschen Mühlentag am Pfingstmontag verweisend. „Ohne Bauern kann keine Mühle betrieben werden”, hob er hervor und begrüßte an dieser Stelle Kreisbäuerin Renate Ixmeier. Der vormalige Beruf „Müller” werde heute mit „Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft” bezeichnet. Dies sei auch der technischen Veränderung von Klein- zu Großmühlen geschuldet, welche im Mahlverfahren heute Perfektion erlangt haben. Auch davon zeugt die Ausstellung.

Respekt vor den handwerklichen Fähigkeiten

Schließlich ergriff Rudolf Ohlmann selbst das Wort. So beschreibe die Präsentation sein ganzes Leben. Der heute 80-Jährige wurde in eine Mühlenbauer-Familie hineingeboren und ließ sich in der Deutschen Müllerschule in Braunschweig – diese gibt es noch – zum Mühlenbauer-Ingenieur ausbilden. In Neustadt hatten er und seine Frau Else seinen ehemals überwiegend „Holz“- in einen metallverabeitenden Mühlenbaubetrieb für Sondermaschinenbau mit dem Schwerpunkt „Edelstahlverarbeitung“ umgebaut. „Mein großes Interesse an der alten Mühlentechnik und dem Mühlenbau und den Respekt vor der Leistung dieser Männer und ihren handwerklichen Fähigkeiten jedoch erhielt ich mir”, betonte Ohlmann.

Vermittlung der Geschichte liegt ihm am Herzen

Bereits Ende der 1970er Jahre hatte sich Professor Konrad Bedal – Mays Vorgänger, auch er war unter den Gästen – an ihn gewandt, um Objekte für das Freilandmuseum zu akquirieren. Dies habe Ohlmann „mit interessanten Maschinen und Maschinenteilen bis hin zum Gesamtobjekt Unterschlauersbacher Mühle” getan. Die Besucherinnen und Besucher sollen nun „den langen Weg zum Frühstücksbrötchen” kennenlernen.

Besonders liegt ihm die Vermittlung der Geschichte des Mühlenbaus am Herzen. Von der Mühlenbauerinnung Bayern, die sich aufgelöst hat, sind laut Ohlmann mehrere zehntausend Euro in die Ausstellung geflossen. Diese Innung wurde am Samstag von Geschäftsführerin Manuela Wohlert vertreten.

Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten des Fränkischen Freilandmuseums, 9 bis 18 Uhr, im Dechsendorfer Stadel zu sehen.

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