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Veröffentlicht am 24.06.2026 04:04

Das Klassenzimmer ist heiß und stickig - Was dürfen Schulen?

Die Schulen haben bei dem Thema Hitze viele Freiräume. (Symbolbild) (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)
Die Schulen haben bei dem Thema Hitze viele Freiräume. (Symbolbild) (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)
Die Schulen haben bei dem Thema Hitze viele Freiräume. (Symbolbild) (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Endlich richtig Sommer! Wenn da die lästige Schule nicht wäre, zumal bei der Gluthitze. Wohl dem, der in einem klimatisierten Klassenzimmer sitzt. Eine gesetzliche Regelung zum Freigeben wegen Hitze gibt es in Bayern nicht. Das führt mitunter zur kuriosen Situation, dass benachbarte Schulen am selben Tag unterschiedliche Regelungen haben. Eine Herausforderung für berufstätige Eltern, die nicht mal eben schnell zur Kinderbetreuung nach Hause können. 

Wer entscheidet über Hitzefrei oder Stundenverkürzung? 

Eine landesweit einheitliche Temperaturgrenze, bei der der Unterricht automatisch endet, gibt es nicht. Die Entscheidung über Hitzefrei oder etwa verkürzte Stunden liegt in der Verantwortung der Schulleitungen. Eine gesetzliche Regelung existiert nicht. „Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Gewährung von „Hitzefrei” nicht möglich ist“, erklärt das Kultusministerium. 

Nicht jede Schule ist baulich gleich, einige sind mit Klimaanlagen ausgestattet. Auch dürfen die Schülerinnen und Schüler wegen angebotener Halb- und Ganztagsbetreuung nicht einfach kurzfristig aus Hitzegründen nach Hause geschickt werden.

Derzeit gibt es laut Ministerium keine Pläne, etwas mehr Verbindlichkeit in das Thema für die Schulleitungen hineinzubringen. „Die Übertragung der Entscheidungskompetenz auf die Schulleitungen hat sich in der Praxis bewährt.“ Schulverbände, Schulleitervertreter und Eltern bestätigen dies.

Sind Bayerns Schulhäuser durchgängig klimatisiert?

Nein. Manchmal haben Schulen in bestimmten Räumen Klimaanlagen, andere behelfen sich mit Ventilatoren. Nicht jeder kann auf feste Außenjalousien zurückgreifen. Manche Schule muss sich mit Stoffrollos begnügen, die bei Wind automatisch eingezogen werden. 

„Wir haben wunderbare, alte Häuser mit dicken Mauern, großen Räumen, hohen Räumen, die auch Nordseiten haben“, sagt der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes, Michael Schwägerl. Dort halten es Schüler und Lehrkräfte auch bei großer Hitze länger aus. In zumeist neueren Gebäuden mit vielen Glasflächen, und das womöglich noch gen Süden, sieht es schon anders aus.

 

Wenn die Raumtemperatur über 35 Grad steigt, sind diese Räume nach bundesdeutschen Vorgaben nicht mehr als normale Arbeitsräume geeignet - und das gilt auch für Schulen. Dann ist Kreativität gefragt. Lüften allein löst das Problem vielerorts nicht. „Grundsätzlich ist es höchste Zeit, dass Schulgebäude dem Klimawandel angepasst werden“, heißt es vom bayerischen Elternverband. 

Welche Möglichkeiten haben Schulen, wenn es zu heiß wird? 

Manche Häuser verzichten auf den Nachmittagsunterricht. Der reguläre Vormittagsunterricht wird angepasst - Doppelstunden beispielsweise von 90 auf 60 Minuten verkürzt. Einige Lehrkräfte lassen die Kinder im Freien arbeiten, wohlgemerkt im Schatten. Oft entfallen Hausaufgaben. 

„Jede Entscheidung, die wir treffen, hat sowohl Befürworter als auch Kritiker“, sagt die Vorsitzende des bayerischen Schulleitungsverbandes, Stefanie Horinek.

In einigen Schulen ist nach der vierten Stunde Schluss, andere verzichten auf den Sportunterricht. Gerade Sportlehrer müssen immer abwägen, was bei Hitze noch möglich ist - Ausdauersport wohl eher weniger. 

Schwierigkeiten, den Lehrplan einzuhalten und den Stoff bis Jahresende zu schaffen, sieht Schwägerl vom Philologenverband nicht. „Das lässt sich steuern, das lässt sich regeln.“

Werden auch bei großer Hitze noch Noten gemacht?

Ja. Schulaufgaben werden weiter geschrieben, auch mündliche Abfragen sind bei großer Wärmebelastung nicht automatisch ausgesetzt. Nachprüfungen entfallen auch nicht grundsätzlich - am besten, die Schüler fragen ihre Lehrer, wie diese es bei großer Hitze halten wollen.

Herausfordernd sind die Tage derzeit besonders für die Prüflinge an den Mittel- und Realschulen. Das sind zusammen etwa 96.000 Schülerinnen und Schüler in Bayern. „Die Abschlussprüfungen beginnen bereits am Morgen und finden vormittags statt“, erklärt ein Sprecher des Kultusministeriums. Jede Schule treffe Vorkehrungen wie regelmäßiges Lüften oder Abdunkeln der Räume, um es den Jugendlichen so erträglich wie möglich zu machen. 

„An der Realschule Riedenburg (Landkreis Kelheim) sind kleine, leise Handventilatoren für die Schülerinnen und Schüler zugelassen“, berichtet der Vorsitzende des bayerischen Realschullehrerverbandes, Ulrich Babl. „Außerdem stellt dort der Elternbeirat Getränke für die Prüflinge bereit.“

Was machen berufstätige Eltern, wenn der Unterricht vorzeitig endet?

„Im Unterschied zu vor 30, 40 Jahren ist ein Großteil der Eltern berufstätig“, sagt Schwägerl. Und damit könne ein vorzeitiges Unterrichtsende zum Problem werden. „Es ist unerlässlich, die Eltern zu informieren und abzufragen, welche Kinder nach Hause gehen können und welche in der Schule betreut werden sollen“, erklärt Horinek. „Kinder, die im Ganztag angemeldet sind, bleiben automatisch an der Schule.“ 

Viele Schulen bieten bei Hitzefrei Notbetreuungen an, etwa durch Lehrerinnen und Lehrer. An anderen Häusern dürfen die Kinder, die regulär in der Ganztagsschule angemeldet sind, schon früher dorthin gehen. Auch erhalten sie wie gewohnt ihr Mittagessen.

Wer nach Unterrichtsende nicht zu Fuß nach Hause gehen kann, sondern auf den Bus angewiesen ist, muss auch bei Hitzefrei oder verkürzten Stunden bis zur Heimfahrt beaufsichtigt werden. 

Und was ist mit den Lehrern?

Den Unterricht bei Hitze zu stemmen, kann laut Schulleitungsverband eine große Herausforderung sein. „Irgendwie kommt man durch den Tag, die Frage ist, was effektiv gelernt werden kann“, sagt die Landesvorsitzende Horinek. 

Grundsätzlich gelten für Lehrer dieselben Regeln wie für Menschen, die etwa im Büro arbeiten. Eine Raumtemperatur bis 26 Grad ist der Arbeitsstättenverordnung zufolge in Ordnung. Wird es heißer, soll eingegriffen werden - ab 30 Grad wird das zur Pflicht. Dann müssen etwa Jalousien geschlossen, Tischventilatoren bereitgestellt, Bekleidungsregeln gelockert und zusätzliche Pausen eingeplant werden.

© dpa-infocom, dpa:260624-930-272258/1


Von dpa
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