Der Rothenburger Künstlerbund ist 100 Jahre alt | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 28.03.2023 14:49

Der Rothenburger Künstlerbund ist 100 Jahre alt

Die Vorsitzende des Künstlerbundes, Carmen Hiller (links), freute sich über das Skizzenheft, das Traudl Reingruber mitgebracht hatte. (Foto: Gerhard Krämer)
Die Vorsitzende des Künstlerbundes, Carmen Hiller (links), freute sich über das Skizzenheft, das Traudl Reingruber mitgebracht hatte. (Foto: Gerhard Krämer)
Die Vorsitzende des Künstlerbundes, Carmen Hiller (links), freute sich über das Skizzenheft, das Traudl Reingruber mitgebracht hatte. (Foto: Gerhard Krämer)

Es war der 26. März 1923: Rothenburger Künstler gründeten an diesem Tag den Künstlerbund. Genau 100 Jahre später traf man sich zu einem offenen Stammtisch. Bevor es einen Ausblick in die Zukunft gab, brachte die Gegenwart eine Überraschung.

Seit seiner Gründung habe der Verein zahlreiche talentierte Künstlerinnen und Künstler unterstützt und gefördert, Ausstellungen organisiert und die Öffentlichkeit für die Schönheit und Bedeutung der Kunst sensibilisiert, erläuterte die Vorsitzende Carmen Hiller.

Zu den Gründungsmitgliedern gehörten Arthur Wasse, Adolf Hoße, Peter Philippi, Paul Lumnitzer, Wilhelm Schacht, Hans Prentzel und Gustav Lüttgens. Kurze Zeit später gesellten sich, so ist dem Zeitungsbericht zum 50. Jubiläum zu entnehmen, Ernst Paul Hinkeldey, Paul Sollmann, Johannes Oertel und Rudolf Schacht dazu.

Fußstapfen großer Persönlichkeiten

Die heutigen Mitglieder würden in die Fußstapfen dieser großen Persönlichkeiten treten, die zuvor den Künstlerbund geprägt und vorangebracht hätten. Aktuell zählt der Verein laut Hiller etwa 80 Mitglieder, darunter 32 aktive Künstlerinnen und Künstler.

Zum 100. Jahrestag der Gründung habe man sich für einen offenen Stammtisch entschieden. Dieser solle auch symbolisch für die offene und kreative Gemeinschaft stehen, die der Künstlerbund auch die nächsten 100 Jahre fördern möchte. Eine Überraschung hatte Traudl Reingruber für den Vorstand dabei. Die 82-Jährige überreichte ein Skizzenheft des Künstlers Schacht. Passend zu Osterzeit sind darin auch Hasen skizziert. Reingruber erinnert sich noch an die Künstlerszene früherer Zeit. „Da hat es noch eine Rothenburger Bohème gegeben.“

Heute könnten sich Originale gar nicht mehr entwickeln, bedauerte sie. Früher seien die Künstler mit ihrer Staffelei durch Rothenburg gezogen. Sie seien Teil der Gesellschaft und anerkannt gewesen. Das passt auch in die heutige Zeit. „Die Künstler möchten Wertschätzung erfahren“, betonte Hiller. „Wir sind wer.“

Der Künstlerbund sei offen für alle, antwortete Kurator Maximilian Lechler auf eine entsprechende Frage. Zudem habe sich der Verein nie unter einen Scheffel stellen lassen – und werde es auch nicht.

Lechler berichtete von der geplanten Ausstellung zum Jubiläum ab Gründonnerstag im Fleischhaus. Es sollen 100 Jahre in der Rückschau werden. Ausgespart werde auch nicht die Zeit des Nationalsozialismus. Deshalb soll auch ein Werk von Ernst Unbehauen gezeigt werden.

„Es wird aber keine Retrospektive im klassischen Sinn.“ Die etwa sechswöchige Ausstellung solle zum Nachdenken, Erzählen und Diskutieren anregen. Angereichert werde die Geburtstagsausstellung durch Leihgaben aus Museen und Sammlungen der näheren Umgebung. Die Jubiläumsausstellung sei ein Prozess, der auch nach der Eröffnung nicht abgeschlossen sein wird, meinte Lechler. Da die Vernetzung mit anderen Gruppierungen ein Ziel des Vereins sei, werde heuer noch eine Ausstellung mit Werken anderer Künstlerinnen und Künstler stattfinden. Natürlich werde es auch wieder die Weihnachtsausstellung geben. Zur Vernetzung passte der Besuch von Anatolij Schelhorn, Vorsitzender des Kunstkreises Lauda-Königshofen. Dieser erklärte die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Auch der Nürnberger Kunstverein Kohlenhof sei interessiert, gab Uhr Buley bekannt.

Doch wie lockt man Besucher in die Ausstellung? Beate Zerkowski vom Migrationsbeirat fragte nach Führungen, eventuell auch für Kinder. Natürlich war es ihr ein Anliegen, Migranten dafür zu begeistern, ins Fleischhaus zu gehen. Lechler sagte, dass man während der Ausstellung Führungen anbieten wolle.

Zusätzlich gestaltet der Künstlerbund einen Flyer für einen Rundgang, bei dem Kunstwerke im öffentlichen und halböffentlichen Raum zu sehen sind. „Eigentlich eine Dauerausstellung im Stadtbild.“

Ein Nachlass-Archiv etablieren?

Lechler regte an, darüber nachzudenken, ob man nicht eine Art Nachlass-Archiv ins Leben rufen könnte. Der Verein Alt-Rothenburg würde dies unterstützen, erklärte Vorsitzende Karin Bierstedt. Leider bekomme der Verein wenige Anfragen zu Schriften. Hilfreich sei es schon, solche digitalisieren zu können.

Oftmals wüssten Erben den Nachlass nicht zu schätzen, bedauerte Lechler. Vieles werde weggeworfen. Es gehe dabei weniger um den monetären Wert, die Geschichte um das Objekt herum sei bedeutsam.


Von Gerhard Krämer
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