Deutscher Meister aus Lichtenau: Mit der Schrauber-Leidenschaft an die Spitze | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 14.01.2025 09:00

Deutscher Meister aus Lichtenau: Mit der Schrauber-Leidenschaft an die Spitze

Bastian Haspel schraubt und repariert leidenschaftlich gerne. In der Werkstatt bei ihm zu Hause in Lichtenau sind schon einige Stücke entstanden, vor allem für den Pferdestall der Familie. (Foto: Luca Paul)
Bastian Haspel schraubt und repariert leidenschaftlich gerne. In der Werkstatt bei ihm zu Hause in Lichtenau sind schon einige Stücke entstanden, vor allem für den Pferdestall der Familie. (Foto: Luca Paul)
Bastian Haspel schraubt und repariert leidenschaftlich gerne. In der Werkstatt bei ihm zu Hause in Lichtenau sind schon einige Stücke entstanden, vor allem für den Pferdestall der Familie. (Foto: Luca Paul)

Mit den eigenen Händen Dinge schaffen und erschaffen – das tun zahlreiche Handwerkerinnen und Handwerker jeden Tag. In einer Serie stellt die FLZ erfolgreiche Nachwuchstalente aus Westmittelfranken und ihre Berufe vor. Diesmal geht es um den Anlagenmechaniker Bastian Haspel.

Mit Lego-Technik gestartet ging es über zu Mopeds. Zu Traktoren, Unimogs und letztendlich zu Straßenbahnen. Leidenschaftlich gerne schraubt Bastian Haspel aus Lichtenau. Die Ausbildung zum Anlagenmechaniker ist ihm demnach relativ leicht gefallen. Er ist amtierender Deutscher Meister.

Repariert werden muss bei ihm zu Hause immer wieder etwas. Egal, ob in den Pferdestallungen oder dem Fleisch-Zerlegebetrieb seiner Familie in Dombühl. Der 21-Jährige ist damit groß geworden, die Dinge selber anzugehen, wie er erzählt. „Wenn im Stall etwas kaputt war, dann waren wir immer mit dabei“, erinnert er sich. Mit wir sind er und seine Schwester gemeint.

Das Schrauben begann an Mopeds

Mit seinen Freunden hat er schon früh begonnen, an sämtlichen Maschinen zu schrauben. Mit 16 Jahren waren es vor allem Mopeds. Mittlerweile ist er an größeren Gefährten in seiner Freizeit zugange. „Dass man sich selber helfen kann und man nicht auf jemanden angewiesen ist“ mag er besonders gerne an den handwerklichen Tätigkeiten. Für die Ausbildung zum Anlagenmechaniker hat er sich entschieden, weil er großes Interesse an technischen Dingen hat. Das Berufsfeld sei zudem sehr vielseitig, so Haspel. Ebenfalls gereizt hat ihn der Beruf des Landmaschinen- und Baumechatronikers. Doch dann hätte er fräsen, bohren und schweißen nicht gelernt. „Das sind aber Fertigkeiten, die man auf unserem Betrieb öfter mal braucht.“

Bei der N-Ergie Nürnberg intensivierte der junge Erwachsene sein handwerkliches Können in den vergangenen Jahren. „Die ersten eineinhalb Jahre ist man im Ausbildungszentrum der N-Ergie“, erzählt er. Nach der Zwischenprüfung ging es endlich von der Theorie in die Praxis. Von Oberleitungen über Straßenbahnen, U-Bahnen bis hin zur Aufarbeitung von Getrieben: Haspel durchlief mehrere Stationen in der Versorgungstechnik.

Preisverleihung in Berlin

Als praktische Abschlussprüfung musste der gelernte Anlagenmechaniker einen echten, betrieblichen Auftrag seines Unternehmens ausführen. Nach der Genehmigung durch die Industrie- und Handelskammer hatte er insgesamt 18 Stunden Zeit dafür. „Mein Auftrag war die Instandsetzung eines Straßenbahngetriebes“, erzählt Haspel. Nach Abschluss des Auftrags musste der 21-Jährige noch drei IHK–Prüfern zahlreiche Fragen zu seinem Thema beantworten. Dass er seine Ausbildung sehr gut abgeschlossen hat, war ihm bewusst, noch bevor das Prüfungsergebnis eintraf. In der Berufsschule ist er „nie schlecht gewesen“. Oftmals haben ihn seine Mitschüler deshalb um Hilfe gebeten.

Ob er nach Berlin zur Auszeichnung als Deutscher Meister geht, fragte ihn eines Tages sein Lehrer. Haspel war verwundert, er wusste nichts von einer Einladung, erzählt er. „Ich habe dann alle meine Briefe durchgeschaut, ob ich irgendwas übersehen habe.“ Letztendlich kam die Einladung per E-Mail. „Die war dann irgendwo im Spam“, sagt er. Wie es sich anfühlt, sich Deutscher Meister nennen zu können? „Das ist schon cool, aber ich mache mir nicht viel aus dem Ganzen“, sagt der 21-Jährige ganz locker.

„Ich helfe gerade jemandem, seinen alten Schlepper zu reparieren“, erzählt er. Sein Interesse an der Landtechnik ist nach wie vor groß. Seit dem Ausbildungsende ist er deshalb aktuell insgesamt ein halbes Jahr bei einem Lohnunternehmer tätig. Repariert Traktoren, Holzhäcksler und vieles mehr. Von seinem Chef kann er „sicher einiges lernen“, sagt er.

In die Fußstapfen des Vaters treten

Im Anschluss geht es für ihn zum Schnuppern in den Familienbetrieb. „Durch das halbe Jahr im Betrieb erhoffe ich mir einen tieferen Einblick in die Abläufe zu bekommen.“ Danach soll eine weitere Ausbildung folgen, die zum Metzger.

Langfristig gesehen, will Haspel in den Familienbetrieb einsteigen: „Als Kind will man natürlich auch in Papa seine Fußstapfen treten.“ Ihm gefällt zudem die Vielseitigkeit der Selbstständigkeit. „Meinen Eltern war es wichtig, dass ich mir ein zweites Standbein aufbaue“, sagt der 21-Jährige. Deshalb auch die zusätzliche technische Ausbildung.

Voller Begeisterung erzählt er von seinem Vater und dem Betriebsleiter des Familienunternehmens. Während der eine viel Know-how rund um das Thema Fleisch besitzt, weiß der andere alles rund um die Maschinen des Betriebes – und kann sie reparieren. „Mit den Maschinen kann man dann schon tolle Sachen machen“, sagt Haspel mit Blick auf sein Schrauber-Dasein.


Luca Paul
Luca Paul
Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach
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