Alexandra Lex hebt ein Igelbaby aus der Box, um es zu wiegen. Seit einigen Wochen gehört sie dem ehrenamtlichen Helferteam der „Igelhilfe Stachelritter“ in Wilhelmsdorf an. Die Igelstation befindet sich im Privathaus von Familie Nieschler. Keine optimale Lösung. Doch das könnte sich bald ändern, denn in Wilhelmsdorf soll ein „Igelkrankenhaus“ entstehen.
Die aktive Tierschützerin Pamela Nieschler hat die Igelhilfe in Wilhelmsdorf 2021 aus der Taufe gehoben. Seit März 2022 sind die Stachelritter ein eingetragener Verein. 16 aktive Ehrenamtliche umfasst das Team. Weitere 30 Helfer haben eigene „Päppelstationen“ und betreuen dort die Igel, die schon auf dem Weg der Besserung sind, bevor sie im Idealfall wieder ausgewildert werden können.
Weil Käfer und Larven durch das Artensterben immer weniger werden, fehlen den Igeln die Futterquellen, weiß Nieschler. Igeldame Luna war alleine tagsüber unterwegs – ein Zeichen dafür, dass sie Hunger hat, denn Igel sind nachtaktiv.
Viele Igel, die auf der Krankenstation im Obergeschoss der Nieschlers landen, sind verletzt. Neuzugang Hony hatte zum Beispiel einen Autounfall. Rasenroboter und Hunde gehören ebenfalls zu den Gefahrenquellen der kleinen Stachelkugeln.
17 verletzte, unterernährte oder kleine Igel waren gerade im Igelzimmer in Betreuung, als die Redaktion die Station besuchte, weitere 15 Igel im Außengehege. Vier bis fünf Stunden dauert die tägliche Pflege der stacheligen Vierbeiner, berichtet Pamela Nieschler. Alleine wäre das nicht zu stemmen.
Jeden Tag kommen deshalb zwei ehrenamtliche Helfer ins Haus, um die Boxen zu säubern, die Igel zu wiegen, die Medikamente zu verabreichen und sie zu füttern. Nass – oder Trockenfutter, Rührei, gebratenes Rinderhack, Hühnchen oder Futterinsekten stehen auf dem Speiseplan. Für die Helfer gibt einen festen Dienstplan.
Alexandra Lex ist über eine Freundin zu ihrer neuen ehrenamtlichen Aufgabe gekommen, berichtet sie. Bevor sie sich im Igelzimmer an das Säubern der Boxen macht, zieht sie sich erst einmal Handschuhe an. Dann erfolgt die Übergabe, und es wird besprochen, wie sich der Gesundheitsstand der kleinen Patienten verändert hat. „Das ist wie in einem Krankenhaus“, sagt Alexandra Lex.
Da sich die Igelstation im Privathaus von Pamela Nieschler befindet, müssen die Helfer Termine absprechen oder Pamela Nieschler vertraut ihnen den Hausschlüssel an. Keine optimale Lösung, doch nun zeichnet sich eine bessere Alternative ab. Ein Tierfreund stellt dem Verein im Wilhelmsdorfer Gewerbegebiet einen Platz zur Verfügung. „Jetzt sind wir auf der Suche nach gebrauchten Bürocontainern.. Für das Igelkrankenhaus sollen zwei Doppel- oder vier Einzelcontainer aufgestellt werden, die Platz für ein Igelzimmer, eine Küche, ein Bad sowie Lager und Büro bieten würden.
Einen Container für rund 3500 Euro haben die Vereinsmitglieder schon ausfindig gemacht, hinzu kommen aber noch Transportkosten mit dem Kran. Deshalb sucht die Igelhilfe Unterstützer, die dem Verein bei der Realisierung des Igelkrankenhauses unter die Arme greifen oder die Container zur Verfügung stellen könnten.
Wer die Stachelritter unterstützen will, kann zum Beispiel Mitglied beim Verein werden, eine Patenschaft für einen Igel übernehmen oder Geld spenden. Gesucht werden auch immer wieder Ehrenamtliche und Menschen, die Päppelstationen anbieten können.
Kontakt zum Verein bekommt man über die Website igelhilfe-wilhelmsdorf.de. Dort gibt es auch Tipps, was mit einem Igel in Not zu tun ist. Wer einen kranken oder unterernährten Igel findet, kann sich bei der Igelhilfe melden, Telefon 01 51-74 59 87 90.