Die drei Mitgliedsgemeinden Mönchsroth, Weiltingen und Wilburgstetten der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Wilburgstetten wollen ab 1. Januar 2027 einen Betriebszweckverband (BZV) für Abwasserbeseitigung Rothach-Wörnitz betreiben.
Der Blick geht aber über die VG-Grenzen hinaus, denn zur gemeinsamen Sitzung der drei VG-Gemeinderatsgremien in der Turnhalle in Wilburgstetten waren auch Bürgermeister, Gemeinderäte und die Bevölkerung aus der gesamten ILE Region Hesselberg/Limes eingeladen. Dabei sollte die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft „(Ab-) Wassermanagement” ausgelotet werden.
Wilburgstettens Bürgermeister Michael Sommer hieß die Gäste und Martin Schachner von der Beratungsfirma MS-Viper, die in beide Prozesse eingebunden ist, willkommen. Im Mai wurde laut Sommer von den VG-Mitgliedsgemeinden eine Absichtserklärung beschlossen, basierend auf der seit vier Jahren geltenden Zweckvereinbarung zur Betreuung der drei Abwassereinrichtungen künftig einen BZV zu gründen.
Zur Begleitung und Strukturierung des Prozesses wurde ein Beratungsvertrag mit MS-Viper geschlossen, mehrere Besprechungen und Ortstermine fanden statt, eine Satzung wurde erstellt und der Rechtsaufsicht des Landratsamts vor kurzem zur Prüfung vorgelegt. Alle Voraussetzungen sollen in diesem und kommendem Jahr auf den Weg gebracht werden. Der Start des BZV sei für Januar 2027 vorgesehen.
Ausdrücklich verwies Sommer darauf hin, dass man für andere Kommunen offen sei, auch mit Blick auf ein künftiges (Ab-) Wassermanagement. Die Herausforderungen für die Kommunen würden größer und gemeinsam ließen sich diese besser bewältigen. Der Zweckverband würde laut Martin Schachner den Betrieb der Abwasserbeseitigung übernehmen, unterstützt die Mitgliedsgemeinden bei Planung, Sanierung und Digitalisierung sowie Prozessoptimierungen. Die Erfassung der jeweiligen kommunalen Infrastruktur sei wichtig sowie eine Zeiterfassung des Personalaufwands und ein aktuelles Aufmaß der Grundstücks- und Geschossflächen.
Fließend ging die Thematik zur Gründung einer Arbeitsgemeinschaft „(Ab-) Wassermanagement“ über. Gemeinsame Fördermöglichkeiten könnten genutzt werden, effiziente Entscheidungen getroffen und ein strategisches Gesamtkonzept erstellt werden. Für das Projekt hat die VG Wilburgstetten im September als Antragsteller einen Förderbescheid über 90.000 Euro vom Freistaat Bayern erhalten, hieß es dazu. Die elf ILE-Kommunen müssten einen Eigenanteil von 27.000 Euro aufbringen.
Im Konzept enthalten sind die Absichtserklärungen der Mitgliedsgemeinden, die Erstellung von Arbeitsplänen und eine Kostenschätzung. Zudem wichtig: die Beteiligung der Bevölkerung. Mittels Fragebögen könnten Schwachstellen im Kanalsystem besser eingeordnet und Sanierungsbedarf festgestellt werden, hieß es dazu. In diesem und kommendem Jahr soll das Projekt umgesetzt werden, die Vertragswerke werden den ILE-Kommunen zeitnah zugesandt.
Anhand der Neukalkulation der Abwassergebühren in der Gemeinde Wilburgstetten für die Jahre 2026 bis 2029 erläuterte abschließend Michael Sommer die Herausforderungen: Hohe Strom- und Unterhaltskosten, Sanierungsmaßnahmen und Personalkosten sowie Unterstützungsleistung durch Drittfirmen hätten in der Gemeinde die kostendeckende Abwassergebühr pro Kubikmeter von 3,79 auf 7,12 Euro hochgetrieben.
Intensiv habe sich die Verwaltung mit dem Thema befasst und peilt durch Nachberechnung einen neuen Preis von 6,33 Euro an. Ausführlich wird dies in der Gemeinderatssitzung am 19. November vorgestellt.
Abschließend unterstrich Weiltingens Bürgermeister Christoph Schmidt die Notwendigkeit der Zusammenarbeit. Die Zeiten von „geschwind mal aushelfen und hinlangen“ seien bei den modernen Kläranlagen und komplexen Abwasser- und Wassersystemen nicht mehr möglich.