Drei Jahre auf der Panamericana: Zwei Frauen aus Neustadt und ihr Abenteuer | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 20.07.2024 11:00

Drei Jahre auf der Panamericana: Zwei Frauen aus Neustadt und ihr Abenteuer

Zwischenstopp mitten im Nirgendwo: Die Neustädterin Anne Hopfengärtner (links) und ihre Verlobte Anna Schmelzer waren gemeinsam mit Van Berta fast drei Jahre lang auf der Panamericana-Route – der Route 66 für Leute, die nicht nur geradeaus fahren wollen – unterwegs. (Selfie: Anna Schmelzer)
Zwischenstopp mitten im Nirgendwo: Die Neustädterin Anne Hopfengärtner (links) und ihre Verlobte Anna Schmelzer waren gemeinsam mit Van Berta fast drei Jahre lang auf der Panamericana-Route – der Route 66 für Leute, die nicht nur geradeaus fahren wollen – unterwegs. (Selfie: Anna Schmelzer)
Zwischenstopp mitten im Nirgendwo: Die Neustädterin Anne Hopfengärtner (links) und ihre Verlobte Anna Schmelzer waren gemeinsam mit Van Berta fast drei Jahre lang auf der Panamericana-Route – der Route 66 für Leute, die nicht nur geradeaus fahren wollen – unterwegs. (Selfie: Anna Schmelzer)

Was tut man, bevor man eines der gefährlichsten Länder der Welt – Honduras – bereist? Richtig, man verlobt sich. So lief es jedenfalls bei der Neustädterin Anne Hopfengärtner (34) und ihrer Partnerin Anna Schmelzer (35). Aber das war längst nicht das einzige unvergessliche Erlebnis. Zwei Frauen, Tausende Kilometer, drei Jahre: Das sind die Randfakten der Panamericana-Tour.

Einer der Höhepunkte der Reise

Die Sonne verschwindet langsam am Horizont, der Mond steht silbern am Firmament. Die Schatten von Rehen und Bäumen sind zu sehen. Ruhe. Hopfengärtner und Schmelzer schwärmen von diesem Abend im Yellowstone-Nationalpark der USA, fernab vom Alltagsstress. Aber auch der Regenwald in Costa Rica war einer der größten Höhepunkte der Panamericana-Reise. Farbenfrohe Tukane live zu sehen, das brennt sich in die Erinnerung ein, im positiven Sinne. „Da sieht man einfach Tiere, die man sonst nicht sieht“, sagt das Duo am Telefon.

Zurück in Deutschland

Mittlerweile ist das Pärchen aber wieder in Deutschland. Auch Van-Dame Berta hat die lange Verschiffung gut überstanden. Die 27-Jährige – zwei Zimmer, Küche, Bad – hat durchgehalten. Ein paar Reifenschmerzen, die eine oder andere Reparatur, sonst nichts. Anne Hopfengärtner und Anna Schmelzer sind indes zu wahren Autoschrauberinnen geworden während der Reise, haben den Mercedes Sprinter auch eigenhändig umgebaut. Erst das Schuften, dann das Reisevergnügen.

ZDF-Kamera mit dabei

Die beiden sind aber nicht einfach nur durch die Gegend gefahren, nein, sie haben daraus ein Erlebnis gemacht – nicht nur für sich. Über ein Jahr begleitete immer wieder die Kamera das Frauen-Duo für das ZDF-Format „Terra X“. „Das war schon aufregend für uns“, sagt Anne Hopfengärtner. „Aber das Team war wirklich super, wir haben uns richtig gut verstanden.“ Und die Doku weckt sie wieder, die Einmal-im-Leben-Momente. „Wir wussten nicht, wie der Film wird“, sagt Anna Schmelzer. Mit dem Ergebnis sind sie zufrieden. Die Bilder: top. Die beiden Reisenden und Berta kamen so rüber, wie sie eben sind: sympathisch. Ihr Projektname: „PerspektiVan“ – eine Mischung aus Perspektiven und Van.

Drehtage mit den Fernsehleuten

Allerdings hatten Hopfengärtner und Schmelzer so immer wieder „Pflichttermine“, Drehtage an bestimmten Orten mit den Fernsehleuten. Und so fassten sie danach einen Beschluss: „Wir sind noch mal zurückgefahren und haben einen Teil der Route ein zweites Mal gemacht, weil wir noch so viel mehr sehen wollten“, sagt Anne Hopfengärtner und lacht. „In Mexiko war es so schön.“ Nein, eingeplant war das sicherlich nicht – letztendlich sind sie bis nach Panama gefahren.

Große Flexibilität und grenzenlose Freiheit

Aber das Schöne an so einer Reise ist die große Flexibilität, die schier grenzenlose Freiheit. Aus einem Jahr wurden so rund drei. Aber die beiden haben einen weiteren großen Vorteil: Sie betreiben selbstständig eine SEO-Agentur, beraten Unternehmen. Das geht von überall aus, vorausgesetzt, das Internet passt.

So ein Nomaden-Dasein hat aber auch Schattenseiten: die Sonnenzeiten. Die USA und der Regenwald sind nicht überall für ihre angenehmen Temperaturen bekannt. 47 Grad Celsius? Kann schon mal passieren. „Wir haben keine Klima-Anlage im Van.“ Und das Unschöne daran: „Man kann der Hitze nicht so einfach entfliehen.“ Dazu noch die Luftfeuchtigkeit der Regenzeit. So viel sei gesagt: Da wird der Körper bisweilen selbst zur Dusche – der Schweiß rinnt zur Kühlung. „Eigentlich hilft da nur, ins Wasser zu gehen“, sagt Anna Schmelzer, „und kühle Getränke.“ Das beste Hausmittelchen: „Pfefferminz-Seife, die ist richtig erfrischend.“

Sprachkenntnisse wurden immer besser

Nach exakt 52.107 Panamericana-Kilometern sind Anne Hopfengärtner und Anna Schmelzer wieder zurück nach Deutschland und können künftig auch mit spanischen Erasmus-Studenten quatschen, mit der Zeit wurden die Sprachkenntnisse immer besser. Der Weg zurück nach Hause fiel dem Duo leicht: „Wir haben uns sehr auf Freunde und Familie gefreut und genießen es gerade, nicht ständig Routen zu planen.“

Eine Hochzeit steht ins Haus

Ihren Lebensweg haben sie schon geplant, und zwar gemeinsam – „wir haben uns in El Salvador verlobt. Anna hat gefragt, bevor wir nach Honduras, in eines der gefährlichsten Länder der Welt gefahren sind.“ Da sie unbeschadet davonkamen, beginnen nun die Planungen. Hochzeitslocation? Ringe? Aber auch eine andere Frage muss geklärt werden: die neue Heimat. „Eine feste Reisebase wäre schon schön“, sagt Hopfengärtner.

Hamburg oder Köln?

Wurzeln an einem Ort, wenn das Pärchen gerade einmal nicht auf Reisen ist. „Hamburg würde uns gut gefallen“, Köln ist in der Auswahl. „Wir haben die freie Wahl, das ist schön, aber auch herausfordernd.“ Das Domizil soll keineswegs der Beginn eines spießbürgerlichen Lebens werden. Die nächste Tour soll kommen.

Van-Dame Berta hat jetzt 219.000 Kilometer auf dem Zähler stehen. Hopfengärtner und Schmelzer finden: „Da gehen schon noch 200.000 drauf.“ Rechnet man das – im Panamericana-Tempo – um, stehen also noch mindestens zwölf Reisejahre an. Na dann: Viel Spaß.

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