„Was die Nacht verbirgt“ haben die Zuschauer bei der Premiere des Krimispaziergangs in der Lichtenauer Festung herausgefunden. Zwei Besuchergruppen schickte der Theater- und Kulturverein Burgoberbach nacheinander auf die Spur eines mysteriösen Mordfalls.
Ob Wirtshaus oder Grafenschloss – jede Szenerie fügt sich geschmeidig in die Ecken und Winkel der Burg. Die nimmt dabei selbst eine heimliche Hauptrolle ein und trägt maßgeblich zur spannungsgeladenen Atmosphäre bei. Auch die von der nahe gelegenen Kirchweih herüberwehenden Schlager-Gesänge tun der Stimmung keinen Abbruch.
Mit riesiger Spielfreude begeistert das große Ensemble, einige Rollen sind wegen Terminkollisionen doppelt besetzt. Die Zutaten der Geschichte sind geläufig, ergeben in ihrer Mischung aber auch hier eine verführerische Rezeptur: leidenschaftliche Liebe, verratene Freundschaft und grausame Rache. Das Drehbuch stammt aus der Feder der Geschwister Aaron und Ronja Vogel, Regie führten die beiden im Team mit Nicole Jerochin und Vivian Bolay.
Die Zuschauer begleiten einen Detektiv (Arthur Dlugosch/Christian Chalupnick) und eine neugierige, aber pfiffige Nachwuchs-Journalistin (Jessica Eischer/Ronja Vogel) bei ihren Nachforschungen zum Tod eines Reporters, der 15 Jahre tot im Wald vergraben lag.
Gewürzt haben die Nachwuchs-Autoren ihre Krimi-Handlung mit einer Prise Politik und gesellschaftlichem Wandel: Die 1920-er Jahre sind eine Zeit des Umbruchs für Frauen. Sie treten verstärkt für ihre Rechte und ihre Unabhängigkeit ein. Dass sie dabei durchaus auch mit scharfen Waffen kämpfen, demonstrieren Susanne Keim als Bürgermeister-Kandidatin und ihr weiblicher Unterstützer-Kreis eindrücklich beim Intrigenspinnen: „Unser Ziel ist es, die Rechte der Frauen zu fördern.“ Ob mit oder ohne schmutzige Tricks.
Einen Spiegel dazu bildet eine Gruppe junger Frauen. Noch zaghaft formulieren die Mädchen ihre Berufswünsche: Schauspielerin, Wissenschaftlerin, Fußballerin. „Als ob wir uns das einfach aussuchen dürften“, stellt eine nüchtern fest. Und doch bricht sich der Fortschritt auch im Kleinen seine Bahn: „Vielleicht kannst du ja mal bei uns mitspielen“, schlägt einer der Fußball-Jungs vor.
Auch die komischen Momente fehlen in der Inszenierung nicht. Den amtierenden Bürgermeister gibt in einer Nebenrolle gut gelaunt mit Perücke und Schnauzbart Silvia Bolay. Betrunken und fluchend plaudert sie beim Kartenspiel nicht ganz absichtlich ein düsteres Geheimnis aus.
Ein besonderes Kompliment verdient auch Sarah Reeber, die als Dienerin wirkungsvoll erschossen wird und anschließend geraume Zeit als Leiche in verdrehter Körperhaltung ausharrt. Man wünscht der Schauspielerin, dass sie von ihrem engagierten Einsatz keine Rückenschmerzen davonträgt.
Ein Fest für die Augen sind einmal mehr die selbst geschneiderten Kostüme, und auch von der Ausstattung – darunter zahlreiche Plakate, die den Zeitgeist der 1920-er einfangen – schwärmte mancher Zuschauer. Ja, es sind die vielen Details, die einen Theaterabend mit den Burgoberbachern immer wieder unvergesslich machen.
Während es am kommenden Wochenende beim ausverkauften Krimispaziergang nochmals auf Spurensuche geht, arbeitet der Theaterverein bereits an seiner nächsten Produktion: Am 4. Oktober hat das Musical „Die Schöne und das Biest“ im Theaterhaus Strüth Premiere. Ticketinfos ab 1. September unter www.tuk-bob.de.