Erna ist noch nicht einmal gestorben und schon reißen sich alle um ihr Hab und Gut. Um Schmuck, um ihr Sparbuch, auch das Testament soll geändert werden. Nach 13 Jahren wurde die Theaterbühne in Unternbibert aus dem Fundus gegraben. Eine neue Gruppe hat sich gegründet, sie wird im März ihr erstes Stück aufführen: eine Komödie.
Susi und ihr Mann Tim haben Wind davon bekommen, dass Tante Erna im Krankenhaus liegt. Sie sind sich sicher, Erna wird sterben – zumindest hoffen sie das. Wohnzimmer, Schlafzimmer und Küche stellen sie auf den Kopf. „Wir brauchen unbedingt das Testament, bevor die Alte den Löffel abgibt”, sagt Susi. Und es werden noch mehr Geldgierige.
Eine zwölfköpfige Gruppe aus dem Rügländer Gemeindeteil Unternbibert hat in wenigen Monaten ein Theaterstück auf die Beine gestellt. Und das nur bedingt mit schauspielerischer Erfahrung. 13 Jahre war Theaterpause in dem Dorf. Kathrin Klaile fasste im Sommer vergangenen Jahres den Entschluss, das Theater wieder aufleben zu lassen. Die 39-Jährige hat schon früher mitgespielt, wie sie erzählt. Jetzt sind ihre Kinder aus dem Gröbsten herausgewachsen, sie hat wieder mehr Zeit und hat sich gedacht: „Ich vermisse das.”
Die Unternbiberter Kirchweih im August nutzte sie, um Schauspielerinnen und Schauspieler zu gewinnen. Der Plan ging auf. „Ein Teil war Feuer und Flamme”, erzählt sie im Gespräch, „und bei ein paar haben wir Überzeugungsarbeit geleistet.”
Das erste Treffen hat im Oktober stattgefunden. Ein paar bestimmte Personen wollten Klaile und Melanie Lindl, die federführend organisatorische Aufgaben übernimmt, unbedingt für die Bühne gewinnen. Unter einem Vorwand wurde deshalb zum Beispiel Patrick Kamberger zum Treffpunkt gelockt. Jetzt spielt er tatsächlich mit.
Es sei „sehr schwierig” gewesen, sich für ein Theaterstück zu entscheiden – drei Stunden dauerte der Prozess. Den Zuschlag erhielt „Ernas Erben erben” von Brigitte Wiese und Patrick Siebler. Die Rollen verteilte die Gruppe untereinander. „Das war auch noch einmal heikel”, sagt Klaile.
Es spielen Annette Enzner, Armin Kröninger, Johannes Eder, Beate Kummer, Lea Vogel, Patrick Kamberger, Tanja Spatze, Julia Stürzenhofecker, Andreas Spatze, Carmen Schuster und Kathrin Klaile. Melanie Lindl übernimmt die Organisation, Beate Gruber die Maske. Patrick Kramberger ist zusätzlich zu seiner Rolle der Verantwortliche für Bühne und Technik.
Seit November wird geprobt. Klaile und Lindl seien überrascht, wie schnell sie vorangekommen sind, erzählen sie im Gespräch. „Wir waren schon sehr nervös und stehen sehr unter Druck“, so Klaile. Denn das „Biberter Theater“ genieße einen guten Ruf.
Wie Recherchen der Unternbiberter gezeigt haben, liegt der Ursprung beim Gesangsverein. Im Saal des Gasthauses Krone hat dieser Theaterabende veranstaltet, erzählt Wirtin Annette Enzner. Dort hat sie in einem Schrank alte Textbücher entdeckt, das älteste aus dem Jahr 1950. Ende der 1990er-Jahre haben dann die Schützen das Theater wieder ins Leben gerufen und nach rund 15 Jahren eingestampft. Die letzte Vorführung gab es 2013.
Im Schützenhaus herrscht nun Wohnzimmeratmosphäre. Das Bühnenbild steht. „Wir haben alles rausgesucht, was wir gefunden haben”, sagt Lindl. Auf der Bühne im Übungsraum der Schützen steht ein Sofa im Retro-Stil, ein Küchentisch mit Stühlen, aber auch ein Schränkchen mit einem Drehscheibentelefon.
Bei der Probe geht es humorvoll zu – schön fränkisch und an die Ortschaft angepasst. Doch bevor der erste Akt beginnt, müssen noch Details geklärt werden. Johannes Eder ist unsicher, welche Haarpracht er tragen soll und fragt in die Runde: „Soll ich eine andere Perücke aufsetzen? Ich habe fünf.” Es bleibt beim braunen Vokuhila. Kathrin Klaile und Julia Stürzenhofecker sprechen ab sofort mit Akzent und Andreas Spatze wechselt zwischen Pfarrersgewand und Aktenkoffer.
Die Schauspielerinnen und Schauspieler verleihen den Figuren eine persönliche Note. Diejenigen, die gerade nicht auf der Bühne stehen, können sich vor Lachen kaum halten. Zwischenzeitlich fällt auch eine Schublade aus dem Schränkchen. „Die müssen wir noch leimen“, ist sich die Truppe einig.
Bis zur Premiere am 13. März ist ja noch ein bisschen Zeit. Mittlerweile sind vier Vorstellungen angesetzt. Drei haben nicht ausgereicht, weil der Ansturm so groß war – alle Karten sind weg. Wer eine ergattert hat, kann sich auf einen unterhaltsamen Abend freuen.