Am östlichen Rand des Ansbacher Ortsteils Wallersdorf soll Baurecht für vier bis fünf Einfamilienhäuser auf einer bisher landwirtschaftlich genutzten Fläche geschaffen werden. Das hat der Stadtrat nach lebhafter Diskussion mit deutlicher Mehrheit beschlossen.
Ein Nachkomme des Eigentümers möchte auf dem Acker ein Wohnhaus bauen. Die restlichen Grundstücke sollen an bauwillige Wallersdorfer Bürger verkauft werden.
Der Flächennutzungsplan und die mangelnde Erschließung der Fläche im Außenbereich lässt das eigentlich nicht zu. Einzige Möglichkeit der Zulassung des Bauvorhabens sei die Aufstellung eines Vorhabenbezogenen Bebauungsplanes, heißt es in der Vorlage der Verwaltung. Der Eigentümer hat eine Unterschriftenliste vorgelegt, in der 92 Anwohner das Vorhaben befürworteten, 13 Eigentümer votierten gegen die Erweiterung des Siedlungsgebietes.
Baureferent Jochen Büschl machte klar, dass der Bauwerber sämtliche Kosten für Planung und Erschließung – unter anderem den Bau einer rund 90 Meter langen Straße – zu tragen habe. Dies werde in einem Durchführungsvertrag geregelt.
Stadtrat Claus Kotzurek (Freie Wähler/Die Ansbacher) erklärte, er könne dem Bauvorhaben zustimmen, wenn vertraglich festgelegt werde, dass sämtliche Kosten vom Investor getragen werden. Dr. Bernhard Schmid (Grüne) kritisierte den „Feuereifer“ des OB, privaten Bauherren behilflich zu sein. Bei dem Bauprojekt handele es sich nicht um eine Hofnachfolge, sondern um die Erweiterung eines Baugebiets, das schon jetzt die Ortschaft dominiere. Das sei das Gegenteil von Stadtentwicklung und schaffe einen „amerikanischen Siedlungsbrei“.
Auch die SPD lehnte das Vorhaben ab. Fraktions-Chef Martin Porzner erinnerte daran, dass man das Projekt bereits 2015 abgelehnt habe, und an den Verhältnissen habe sich nichts geändert. Er verwies darauf, dass man bereits mit E-Mails von Gegnern aus dem Dorf bombardiert werde. Der Zwist im Ortsteil sei bereits da. Porzners Fraktionskollege Frank Reisner wies später gegenüber der FLZ auf die prekäre Verkehrsanbindung des bestehenden Baugebiets mit einer Engstelle in der Ortsmitte hin. Das könne zur Gefahrenstelle werden, und man solle über Verbesserungen nachdenken.
BAP-Stadtrat Hannes Hüttinger, selbst Bewohner von Wallersdorf, sagte: „Menschen, die im Ort geboren werden, müssen die Möglichkeit haben, dort auch zu bauen.“ Es sei ein „erheblicher sozialer Aspekt“, dass Kinder später ihre Eltern fußläufig versorgen könnten. „Deshalb ist das auch ökologisch nicht verwerflich.“
CSU-Fraktions-Chef Andreas Schalk erklärte, es gebe ein Für und Wider bei dieser Grundsatzentscheidung. „Aber wir sollten etwas möglich machen für die jungen Leute. Warum stellen wir uns dagegen?“ Zumal der Vorhabenträger natürlich alle Kosten tragen werde.
Scharf ging Werner Forstmeier (ÖDP) den OB an: „Sie sind auf dem Holzweg, Herr Oberbürgermeister, wenn Sie mit Ihren Abweichungen die öffentlichen Planungsgrundlagen aushebeln.“ Damit setze Deffner die Glaubwürdigkeit der Verwaltung aufs Spiel: „Lieber ein ordentlich geplantes Baugebiet als diese Salami-Taktik.“ OB Thomas Deffner wehrte sich. Bei seinem Vorgehen handele es sich mitnichten um eine Abweichung, sondern entspreche dem Baugesetzbuch: „Was Sie da sagen, ist einfach falsch.“
Am Ende stimmte eine Mehrheit von 23 Stadträten grundsätzlich dafür, hier Baurecht zu schaffen. Dagegen votierten 15 Stadträte.