In jeder ordentlichen Stadt gibt es symbolische Planstellen, die nie offiziell ausgeschrieben und besetzt werden, die aber doch besetzt sind, oft auf Lebenszeit. Die Stelle des Originals und Künstlers ist so eine. In Ansbach hatte sie Thomas Fitzthum inne.
Ein Original, das ist jemand, der sich selbst erfindet. Kauzig mag es manchmal sein, aber immer hat es eine liebenswerte Seite. Ein Original fällt auf, will wahrgenommen werden, allemal ein Künstler-Original. Es eckt vielleicht auch an, mit dem, wie es ist und was es tut – und das vom Rand aus in die Mitte der Gesellschaft hineinwirkt.
Thomas Fitzthum, geprägt von den Ideen der Friedens- und Umweltbewegung und seinem christlichen Glauben, wirkte auf viele Weisen, gern mit Ironie und Humor. Es machte ihm Spaß, sich einzumischen.
Auf eines sich beschränken, das konnte, wollte er nicht. Er war und sah sich als vieles: als Liedermacher, Bandleader, Cartoonist, Kabarettist, Land-Art-Künstler, Galerist, Schriftsteller, Aktions- und Performance-Künstler, Spieleerfinder und als Visionär, der an einer herrschaftsfreien Ideal-Gesellschaft baut – die Liste ließe sich um einiges verlängern.
Seinen eigenen Verlag, den Gartenverlag Ansbach, gründete er auch. Er brachte „Das große Land-Art Bastelbuch“ heraus und vor eineinhalb Jahren seinen Sammelband „Der Querulant II, III + IV“, in dem sich urkomische Dinge finden.
Eine Gemeinsamkeit haben alle seine Aktivitäten. Thomas Fitzthum brachte spielerisch Menschen zusammen: Er initiierte das Ansbacher Bardentreffen und Lautstärke-Weltrekord-Aktionen mit riesigen Kronkorken-Rasseln. Hunderte machten mit. Er leitete Kinder beim Basteln mit Naturmaterialien an. Sein Lernspiel „Wau Wau“ fand weit über Ansbach hinaus Anerkennung.
Nun ist die Ansbacher Planstelle des Künstler-Originals leider vakant. Thomas Fitzthum starb überraschend am 25. April. Er wurde 65 Jahre alt.