Ein Ansbacher Postbote wird im Fasching zum Meeresgott | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 13.02.2024 13:00

Ein Ansbacher Postbote wird im Fasching zum Meeresgott

Der Gebieter über die Briefe wird zum Herrscher über die Meere. Für den beliebten Ansbacher Postboten Jörg Vogel ist der Faschingsdienstag der Tag. Jedes Jahr schwingt er sich dann verkleidet aufs postgelbe E-Trike, ein elektrisch unterstütztes dreirädriges Lastenrad. Diesmal ist er als Meeresgott Poseidon unterwegs.

Viele Menschen in der Stadt holen ihre mobilen elektronischen Geräte hervor und knipsen ein Foto von dem 59-Jährigen im maritimen Kostüm. Er trägt eine blaue Fischschuppenhose, Krone, Flossen, ein hautfarbenes Oberteil mit ordentlich Muckis sowie einen wallenden weißen Bart und üppiges Haar.

Als griechischer Gott habe er endlich mal wieder Haare, sei dies aber gar nicht gewöhnt, bemerkte er. Warum wurde es gerade das Kostüm? Das habe er einmal gesehen und sich gedacht: „Den Poseidon könntest du auch einmal machen.“ Er habe dieses Jahr lange überlegt und erst nicht gewusst, was er anzieht.

Der Dreizack, Zepter und Waffe Poseidons, ist nun mit Post gespickt – angeblich offene Rechnungen. „Alles aus dem Meer gefischt, was die Leit net zahlen wollen“, sagte Jörg Vogel grinsend.

Der Opa war damals Clown und Jongleur

Das Gesicht ist fantasievoll geschminkt, aber auch auf die Fingernägel kommt es an. Die hatte Tochter Lorena (19) mit blauem Glitzerlack aufgehübscht. Das E-Trike ist Luftschlangen- und Glitzerboa-bedingt auf die närrische Zeit getrimmt. In „Posteidons“ Meeresgott-Netz finden sich zum Beispiel Muscheln, Glitzersteine oder Flaschenpost.

Der gelernte Steinmetz arbeitet schon seit 1988 bei der Deutschen Post, die am Anfang noch Bundespost war. In seiner Station in Stein begann er seinerzeit schon mit dem Verkleiden. Aber so richtig ging es los, als er 1995 beruflich in seine Heimatstadt Ansbach wechselte. Auch als Wilder Markgraf erregte er da schon einmal Aufsehen.

Bei Spielen der deutschen Nationalmannschaft zur Welt- oder Europameisterschaft stellt er sich mit seinem Äußeren übrigens ganz auf den Fußball ein – zum Beispiel mit einer schwarz-rot-goldenen Perücke. Ab dem 6. Dezember ist er stets als Nikolaus beziehungsweise Weihnachtsmann unterwegs.

Wie kam es zur Maskerade? Bei der Post sei es früher eine kleine Tradition gewesen, sich am Faschingsdienstag zu verkleiden, blickte Jörg Vogel zurück. „Mir macht das Spaß, weil mein Opa Sebastian Herold Clown und Jongleur war, und er war auch immer verkleidet.“ Durch den Großvater habe er ein wenig die Ader dafür. Mit dessen Clownskostüm fing er einst auch an.

Der Postbote als „Posteidon“: Jörg Vogel (59) ist in Ansbach als maritimer griechischer Gott unterwegs. (Foto: Alina Boger)
Der Postbote als „Posteidon“: Jörg Vogel (59) ist in Ansbach als maritimer griechischer Gott unterwegs. (Foto: Alina Boger)
Der Postbote als „Posteidon“: Jörg Vogel (59) ist in Ansbach als maritimer griechischer Gott unterwegs. (Foto: Alina Boger)
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