Ein internationaler Kongress für Medizin im Rothenburger Wildbad | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 16.05.2023 17:20

Ein internationaler Kongress für Medizin im Rothenburger Wildbad

Nach drei Jahren Pause ist der internationale Fachkongress in die Tagungsstätte Wildbad zurückgekehrt. Organisationsleiterin Julia Stier und Verbandspräsidentin Dr. Martina Bögel-Witt (von rechts) rechnen in den nächsten Tagen mit rund 700 Teilnehmenden. (Foto: Jürgen Binder)
Nach drei Jahren Pause ist der internationale Fachkongress in die Tagungsstätte Wildbad zurückgekehrt. Organisationsleiterin Julia Stier und Verbandspräsidentin Dr. Martina Bögel-Witt (von rechts) rechnen in den nächsten Tagen mit rund 700 Teilnehmenden. (Foto: Jürgen Binder)
Nach drei Jahren Pause ist der internationale Fachkongress in die Tagungsstätte Wildbad zurückgekehrt. Organisationsleiterin Julia Stier und Verbandspräsidentin Dr. Martina Bögel-Witt (von rechts) rechnen in den nächsten Tagen mit rund 700 Teilnehmenden. (Foto: Jürgen Binder)

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist ein weites Feld. Das Spektrum reicht von Akupunktur über Heilkräutertherapie und Ernährungslehre bis hin zur Bewegungskunst Qi Gong. Ärzte oder Heilpraktiker, die damit arbeiten, lernen nie aus, was das enorme Interesse am europaweit größten TCM-Fortbildungstreffen erklärt. Am Dienstag hat es im Wildbad begonnen.

Corona war ein Einschnitt in der langen Geschichte, die die internationale TCM-Gemeinde mit der evangelischen Tagungsstätte verbindet. Seit den 1970er Jahren hatte der Kongress dort alljährlich stattgefunden, bis 2020 Pandemie-bedingt erstmals auf ein reines Online-Seminarangebot umgestellt werden musste. Auch 2021 und 2022 war keine Austragung vor Ort möglich.

Inhaltlich sei die Corona-Zeit mit solchen Videoformaten gut überbrückt worden, erklärt im Gespräch mit der Redaktion Dr. Martina Bögel-Witt, Präsidentin des Fachverbands für Chinesische Medizin in Deutschland, der den Kongress organisiert.

Jetzt seien aber alle froh, wieder in Präsenz zusammenkommen zu können. Bei vielen Teilnehmenden, die über die Jahre schon oft hier gewesen seien, „ist die Wiedersehensfreude entsprechend groß“, ergänzt Organisationsleiterin Julia Stier.

Auch Gäste aus Übersee

Rund 700 Gäste sind angemeldet, die meisten davon aus dem deutschsprachigen Raum. Erwartet werden aber auch mehr als 150 Frauen und Männer aus anderen europäischen Ländern und aus Übersee, etwa aus den USA oder Japan. Das TCM-Mutterland China ist ebenfalls vertreten, und zwar mit einer sechsköpfigen Ärzte-Delegation aus der Millionenstadt Chengdu (Provinz Sichuan). Es handele sich hier um Repräsentanten der Universität, mit der der Verband schon lange fachlich zusammenarbeite, so Dr. Bögel-Witt.

Bis Samstag, 20. Mai, wird den Teilnehmenden ein Programm aus etwa 100 Themenveranstaltungen geboten. In den Räumen der Tagungsstätte laufen parallel bis zu zwölf Vorträge, für die laut Julia Stier wieder zahlreiche international renommierte Referentinnen und Referenten gewonnen werden konnten.

Das inhaltliche Angebot sei in erster Linie gemünzt auf „die fünf therapeutischen Säulen der TCM“: Akupunktur, Arznei- und Heilkräutertherapie, Ernährungstherapie, Qi Gong und Tuina-Massage. Es gehe aber auch um darüber hinaus gehende Themen, etwa um Aspekte der chinesischen Philosophie oder um die Harmonielehre Feng Shui. Organisiert wurden laut Julia Stier auch ein Kalligraphie-Workshop und eine Kräuterwanderung in der Umgebung des Tagungszentrums.

Bevor es mit den Seminaren losgeht, können die Teilnehmenden am frühen Morgen jeweils bei Qi-Gong-Einheiten im Parkbereich des Wildbades etwas für das persönliche Wohlbefinden tun. Das sei für viele eine ganz wichtige Einstimmung auf das Tagesprogramm, betont Dr. Martina Bögel-Witt.

Für diese Kombination aus konzentriertem Studium und Naturnähe sei das Wildbad der ideale Ort. „Diese Atmosphäre hier ist einmalig. Viele empfinden das wie eine zweite Heimat. Deshalb kommen wir auch immer wieder. Ein Ortswechsel würde ganz sicher einen Aufschrei hervorrufen“, so die Präsidentin.

Politik steht nicht im Vordergrund

Dass die Weltlage mit dem Krieg in der Ukraine sowie vielen internationalen Konflikten und Spannungen kritisch ist, wird bei dem Kongress laut Dr. Martina Bögel-Witt und Julia Stier nicht ausgeblendet.

Im Vordergrund stehe aber der fachliche Austausch. Die Politik sei eher ein Thema für persönliche Gespräche von Teilnehmenden untereinander. Auch der Blick auf China konzentriere sich auf die Themen Medizin und Gesundheit. Den Gästen aus Chengdu, zu denen ein über viele Jahre gewachsenes Vertrauensverhältnis bestehe, werde unvoreingenommen begegnet, betont die Präsidentin.

Zeit sei bis Samstag auch, über wichtige strukturelle Themen zu sprechen, etwa über ein normiertes Qualitätsmanagement bei TCM-Therapien oder über den Umgang mit neuen Erkenntnissen zu Nebenwirkungen, so die Präsidentin. Akupunktur sei generell nebenwirkungsarm. Dennoch müsse weiter daran gearbeitet werden, die diesbezügliche wissenschaftliche Basis zu verbessern. „Natürlich wünschen wir uns auch mehr Anerkennung dieser Leistungen durch die Kassen“, sagt Dr. Martina Bögel-Witt: „Da sind aber noch dicke Bretter zu bohren.“

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