Einsatz für Dinkelsbühler Klinik: „Kompletter Erhalt als einzige Lösung“ | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 17.02.2025 09:00

Einsatz für Dinkelsbühler Klinik: „Kompletter Erhalt als einzige Lösung“

In der anstehenden Entscheidung über die Zukunft der Klinik Dinkelsbühl haben sich jetzt auch die Dinkelsbühler Kirchen und Sportvereine zu Wort gemeldet. (Foto: Martina Haas)
In der anstehenden Entscheidung über die Zukunft der Klinik Dinkelsbühl haben sich jetzt auch die Dinkelsbühler Kirchen und Sportvereine zu Wort gemeldet. (Foto: Martina Haas)
In der anstehenden Entscheidung über die Zukunft der Klinik Dinkelsbühl haben sich jetzt auch die Dinkelsbühler Kirchen und Sportvereine zu Wort gemeldet. (Foto: Martina Haas)

Am Wochenende haben sich Dinkelsbühler Vertreter der Kirchen und kirchlicher Gemeinschaften sowie vier Sportvereine der Stadt an die Entscheidungsträger bei ANregiomed gewandt, um ihre Sichtweise zum Erhalt der Kliniken in Dinkelsbühl und Rothenburg in ihrer bisherigen Form zu schildern.

Die Kirchen berichteten in ihrem Schreiben an Landrat Dr. Jürgen Ludwig und die Mitglieder des ANregiomed-Verwaltungsrats von Gesprächen mit Menschen und deren „sehr positive Erfahrungen als Patientinnen und Patienten im Krankenhaus Dinkelsbühl“. Alle sorgten sich um die Akutversorgung im Notfall.

Die Vorstellung, dass es in Dinkelsbühl keine Notaufnahme, keine Intensivstation und keine Stroke Unit mehr geben könnte, löse Ängste und Fragen aus, sind die Seelsorgerinnen und Seelsorger überzeugt. Schließlich hänge die Genesung oder sogar das Überleben davon ab, wie schnell ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden könne.

Die ANregiomed-Verwaltungsräte Gabriele Müllender und Oliver Rühl (sitzend) lehnen die Abstufung der Krankenhäuser in Dinkelsbühl und Rothenburg zu intersektoralen Versorgungszentren ab. Martin Stümpfig und Harald Domscheit (stehend, v. l.) stehen dabei hinter ihnen. (Foto: Robert Maurer)
Die ANregiomed-Verwaltungsräte Gabriele Müllender und Oliver Rühl (sitzend) lehnen die Abstufung der Krankenhäuser in Dinkelsbühl und Rothenburg zu intersektoralen Versorgungszentren ab. Martin Stümpfig und Harald Domscheit (stehend, v. l.) stehen dabei hinter ihnen. (Foto: Robert Maurer)

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Im Vorfeld der entscheidenden Sitzung positioniert sich die Partei klar. Für die Notfallversorgung sind die Kliniken in Dinkelsbühl und Rothenburg unverzichtbar.

Erhebliche Nachteile befürchtet

Würden die beiden Häuser in Dinkelsbühl und Rothenburg in ihrer bisherigen Form geschlossen, seien die Wege zum nächsten Krankenhaus erheblich länger; dadurch fürchteten viele Menschen Nachteile oder schwerwiegende negative Folgen für ihre Gesundheit im Notfall. Darüber hinaus spielten die längeren Wege eine Rolle bei der Frage, wie oft Angehörige im Krankenhaus besucht werden können.

Das scheine zwar auf den ersten Blick von nachrangiger Bedeutung zu sein. Letztlich aber wirkten doch physische und psychische Verfasstheit aufeinander ein. „Aus unserer Sicht sind daher regelmäßige soziale Kontakte ein entscheidender Baustein auf dem Weg der Genesung“, stellen die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner fest.

„Schwierige Abwägung“

Obwohl den Menschen bewusst sei, dass es sich bei der Entscheidung über die Zukunft der Häuser um eine „schwierige Abwägung“ handele, bezweifelten viele, dass es allein mit der Schließung kleinerer Häuser auf dem Land getan sei, also dass dann automatisch die verbleibenden Häuser wirtschaftlich geführt werden könnten. „Vielleicht gibt es andere Möglichkeiten, die Häuser finanziell zu stärken?“, werden der Landrat und Verwaltungsrat gefragt.

Unterschrieben haben den Brief, der am Montag an die Adressaten geht, der katholische Stadtpfarrer Joachim Pollithy, die evangelische Pfarrerin Kathrin Scheibenberger, Prediger Frank Seeger für die Liebenzeller Gemeinschaft und Gemeindeleiter Stefan von der Grün für die Neuapostolische Kirche. Sie fordern dazu auf, die Ängste und Sorgen der Bürgerinnen und Bürger ernst zu nehmen, und Alternativen zu prüfen. Und sie plädieren „dringend“ für die Beibehaltung des Krankenhauses Dinkelsbühl mit der Notaufnahme, der Intensivstation und der Stroke Unit.

Auch die Sportvereine TSV Dinkelsbühl, Sportfreunde Dinkelsbühl, SV Segringen und SV Sinbronn teilen in einem Schreiben „unsere Ängste, Sorgen und Befürchtungen“ mit, die die Gesundheit und das Wohlergehen von rund 3500 Kindern und Erwachsenen betreffen würden, die Mitglieder in den genannten Vereinen sind.

Die geplanten Umstrukturierungen der Kliniken in Dinkelsbühl und Rothenburg hätten „schwerwiegende Auswirkungen auf die medizinische Versorgung unserer Stadt“, sind die Unterzeichner überzeugt.

Unterzeichner sind „zutiefst besorgt“

Als Sportvereine, die sich der Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden durch sportliche Aktivitäten verschrieben hätten, sind deren Vorsitzende „zutiefst besorgt über die Konsequenzen, die sich aus dem Wegfall dieser wichtigen medizinischen Einrichtungen ergeben“. Sportveranstaltungen und das Training der Mitglieder seien „ von entscheidender Bedeutung für die körperliche und geistige Gesundheit“. Die Nähe zu medizinischer Versorgung sei unerlässlich, um im Falle von Verletzungen oder medizinischen Notfällen schnell und effektiv handeln zu können, wird argumentiert.

Der Trainings- und Spielbetrieb finde meist in den Abendstunden und am Wochenende statt. Dank der bisher „sehr gut funktionierenden Notfallversorgung“ hätten beispielsweise Fußballspieler mit Kopfverletzungen oder ein Tennisspieler mit Herzinfarkt sofort im Krankenhaus optimal versorgt werden können, berichten die Vorsitzenden von Erfahrungen.

Abwanderung befürchtet

Darüber hinaus hätte die Herabsetzung der Klinik auch „weitreichende soziale und infrastrukturelle Folgen“, insbesondere für junge Pflegekräfte und angehende Medizinerinnen und Mediziner, sind die Sportvereine überzeugt. Die Attraktivität der Region als Ausbildungsstandort würde durch die geplante Reduzierung der Klinik erheblich beeinträchtigt werden. Junge Fachkräfte suchten nach Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten, eine gut ausgestattete Klinik sei ein entscheidender Faktor, um Pflegekräfte und Mediziner in der Region zu halten.

Ohne diese Perspektiven könnte es zu einem Abwanderungsprozess kommen, der die medizinische Versorgung in der Stadt weiter gefährdet, fürchten die Vorsitzenden. Die zeitnahe Folge könnte ein Fach- und Hausarztmangel sein, wodurch auch kein Notarzt mehr verfügbar wäre.

Die Entscheider sollen die medizinische Notwendigkeit der Kliniken in Dinkelsbühl und Rothenburg erkennen und „schnellstmöglich Maßnahmen ergreifen, um ihre Deklassierung zu verhindern“, appellieren die Vereine. Im kompletten Erhalt der Klinik sehen die Sportvereine die einzige Lösung, um die medizinische Versorgung in der Region sicherzustellen.

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