Mit dem Rückzug der Supermarktkette Tegut aus Deutschland verliert Ansbach einen Lebensmittel-Einzelhändler – und Langenfeld den Hauptlieferanten seines Dorfladens. Allerdings steht eine Übernahme des Tegut-Geschäfts durch Edeka im Raum. Was bedeutet das für die beiden Standorte in der Region?
Klar ist: Der Schweizer Lebensmittelkonzern Migros verkündete am Mittwoch in einer Pressemitteilung, den deutschen Markt komplett verlassen zu wollen. Zum Unternehmen gehört die Kette Tegut, die mit rund 300 Filialen im Bundesgebiet vertreten ist. Eine Analyse habe ergeben, dass Tegut in Deutschland „langfristig wirtschaftlich nicht zukunftsfähig ist”.
Mit dem Handelskonzern Edeka sei bereits ein Vertrag unterzeichnet worden, wonach von dem Konkurrenten ein „wesentlicher Teil des Filialportfolios mit den Vertriebsmitarbeitenden” übernommen werden soll. Für einzelne Standorte laufen auch Verhandlungen mit anderen Ketten, heißt es weiter. Laut Medienberichten sei etwa der Rewe-Konzern interessiert.
Zur Zukunft einzelner Filialen will sich Migros auf FLZ-Anfrage nicht äußern, solange die kartellrechtliche Zustimmung für den Deal aussteht. Auch einen Zeitplan kommuniziert die Pressestelle nicht. Eine Sprecherin erklärt, dass „die Arbeitsplätze in den rund 300 Tegut-Märkten” erhalten bleiben sollen.
Für Ansbach, wo Tegut im Retti-Center vertreten ist, bleibt die Lage deshalb zunächst vage. Sollte die Filiale tatsächlich von Edeka übernommen werden, wäre die Supermarkt-Kette überraschend doch wieder in der Ansbacher Nordstadt vertreten. Hier hatte Edeka im Januar seine nur 600 Meter entfernt liegende Nah&Gut-Filiale im Schleifweg geschlossen.
Für den Dorfladen in Langenfeld gibt es derweil klarere Perspektiven. Geschäftsführerin Anna Ebener erhielt am Donnerstagmittag die erlösende Nachricht, dass Tegut sein Geschäft entweder an Rewe oder an Edeka verkauft. „Von einem der beiden werden wir beliefert werden”, ist sie sich sicher. Dabei werde auch kein Unterschied gemacht, ob der aktuelle Laden ein Supermarkt ist oder ein Lädchen im Franchise-System, worunter Langenfeld falle. „Für uns geht es nahtlos weiter”, betonte Ebener und fügte hinzu: „Ein Neuanfang ist immer etwas Tolles.”
Zehn Jahre habe die Unternehmergesellschaft (UG) mit Tegut zusammengearbeitet und sei auch auf dieses Alleinstellungsmerkmal stolz gewesen. Aber „sowohl Edeka als auch Rewe wären jeweils ein toller Partner.” Die Verhandlungen würden nun individuell laufen. „Wir kennen unsere Kunden”, fügte Ebener, die zusammen mit ihrem Kollegen Wolfgang Rückert die UG führt und auch die künftige Bürgermeisterin Langenfelds ist, hinzu.