FDP-Gespräch in Bad Windsheim: Lehrermangel ist allgegenwärtig | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 25.02.2023 09:00

FDP-Gespräch in Bad Windsheim: Lehrermangel ist allgegenwärtig

Beim Bürgergespräch der FDP stand Matthias Fischbach Rede und Antwort. (Foto: Hans-Bernd Glanz)
Beim Bürgergespräch der FDP stand Matthias Fischbach Rede und Antwort. (Foto: Hans-Bernd Glanz)
Beim Bürgergespräch der FDP stand Matthias Fischbach Rede und Antwort. (Foto: Hans-Bernd Glanz)

Der Lehrkräftemangel zog sich wie ein roter Faden durch das Bürgergespräch mit Schwerpunkt Bildungspolitik, zu dem die FDP im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim nach Bad Windsheim eingeladen hatte. Referent war Matthias Fischbach, Mitglied des Ausschusses für Bildung und Kultus im bayerischen Landtag.

Unter den wenigen Gästen war auch die stellvertretende Schulleiterin des Bad Windsheimer Georg-Wilhelm-Steller-Gymnasium, Ursula Kreß, sowie Daniela Rupsch, Elternbeiratsmitglied am Uffenheimer Christian-von-Bomhard-Gymnasium. Eingeladen waren „insbesondere Lehrer, Eltern und Schüler der Gymnasien unseres Landkreises“. Das Wissen um Schüler- und Lehrerprobleme bei Kreß und Rupsch war jedenfalls der Diskussion förderlich.

Dem Problem entgegenwirken

Fischbach stellte die „Eckpunkte der liberalen Bildungspolitik“ in Bayern vor. Insgesamt sind die Liberalen der Meinung, dass ein attraktives Angestelltenverhältnis als Alternative zur Verbeamtung, verbunden mit einer Leistungsorientierung der Lehrkräfte, dem aktuellen und in den kommenden Jahren noch verschärften Personalmangel zumindest in Teilen entgegenwirken könne.

Die Frage der Leistung einzelner Lehrkräfte beschäftigt auch Daniela Rupsch, Mutter zweier Söhne – einer in der Grundschule, einer am Gymnasium. Sie berichtete von Pädagogen, die während der Corona-Zeit, als Schulen geschlossen waren, in der Grundschule einmal pro Woche ein Arbeitsblatt ausgeteilt hatten und ansonsten nicht erreichbar waren. Als Gegenbeispiel nannte sie Lehrkräfte, vorwiegend am Gymnasium, die den Nachwuchs digital förderten und forderten und außerdem mit einer attraktiven Unterrichtsgestaltung punkteten.

Rupsch sprach zudem von Kindern, die nach der Corona-Pandemie beispielsweise depressiv seien oder „eine geringe Frustrationstoleranz besitzen“. Unisono warben Schulleiterin und Elternbeiratsmitglied dafür, mehr Personal zu gewinnen, um passende Hilfe zu leisten. Am Steller-Gymnasium gebe es eine Schulpsychologin, sagte Kreß. „Der Beratungsbedarf bei Schulpsychologen ist in diesem Jahr massiv gestiegen und zieht sich durch alle Jahrgänge.“

Einer der Lösungsvorschläge: die Kommunikation zwischen Schülern und Helfenden über Messengerdienste zu ermöglichen. Der Vorteil: Betroffene wissen, wo sie niedrigschwellig Unterstützung finden.

Die Liberalen wollen Schulen entscheiden lassen

Die FDP wolle es Schulen ermöglichen, selbst über die Anstellung des Lehrpersonals zu entscheiden, so Fischbach. Darin sehe man die Gewährleistung, dass für Schüler passende Unterrichts- und Hilfsangebote geschaffen werden können.

Angesprochen wurde auch das „Brückenangebot“ des bayerischen Kultusministeriums. Dabei unterstützen neben Pädagogen auch Schülerinnen und Schüler beispielsweise ukrainische oder durch Corona zurückgeworfene Kameraden. Problem auch hier: zu wenig Personal. Deswegen müssen neben Schulen auch Landkreise oder Kommunen als Schulträger Fachkräfte einstellen können, meinte Fischbach.

Die Digitalisierung sei ein weiterer Knackpunkt, mit dem Schüler und Lehrer zu kämpfen hätten. Zwar verfügen Schulen über die nötige Ausstattung, es mangele aber an ausreichend Personal für die Systembetreuung. „Die Bereitstellung von Dienst-Laptops hat die Situation nochmals verschärft“, sagte Kreß, die pädagogischen Systembetreuer seien „überstrapaziert“. Fischbach meinte, es reiche nicht, „Schulbücher einfach zu digitalisieren“. Seine Vorstellung: Schulbücher, die sich selbst updaten – interaktive Elemente und multimedialer Einsatz.

Allerdings warnte Kreß davor, die Digitalisierung aktuell zu weit zu forcieren. „Solange das Abitur noch per Hand geschrieben werden muss, haben wir mit anderen Prüfungsformaten wenig Spielraum.“


Von Hans-Bernd Glanz
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