Feuchtwanger Schüler treffen Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch | FLZ.de | Stage

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Veröffentlicht am 02.07.2024 18:30

Feuchtwanger Schüler treffen Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch

Der direkte Austausch und die persönliche Begnung mit Charlotte Knobloch und ihre dramatische Kindheit hinterließen bei den Ethikschülern des Gymnasiums Feuchtwangen einen tiefen Eindruck. (Foto: Barbara Haas)
Der direkte Austausch und die persönliche Begnung mit Charlotte Knobloch und ihre dramatische Kindheit hinterließen bei den Ethikschülern des Gymnasiums Feuchtwangen einen tiefen Eindruck. (Foto: Barbara Haas)
Der direkte Austausch und die persönliche Begnung mit Charlotte Knobloch und ihre dramatische Kindheit hinterließen bei den Ethikschülern des Gymnasiums Feuchtwangen einen tiefen Eindruck. (Foto: Barbara Haas)

Im neuen jüdischen Gemeindezentrum in München erzählt Charlotte Knobloch von ihrem Überleben im Versteck und den Herausforderungen ihrer Kindheit.

Eine eindrückliche Begegnung war das Treffen zwischen Feuchtwanger Gymnasiasten und der Holocaust-Überlebenden Charlotte Knobloch (91) im neuen jüdischen Gemeindezentrum in München.

Die Ethik-Schüler folgten den Spuren von Charlotte Knobloch und sprachen mit ihr über ihre Kindheit in der NS-Zeit, über ihr Überleben im Versteck. Organisiert und finanziert hat den Besuch der außerschulischen Lernorte in Arberg und München die Ethik-Lehrerin Dr. Barbara Haas. Sie wurde vor kurzem mit dem Deutschen Lehrerpreis ausgezeichnet für ein Projekt zum Schopflocher Judenfriedhof und investierte das Preisgeld in die Busfahrt mit den Schülern.

Im mittelfränkischen Arberg, nur 30 Kilometer von Feuchtwangen entfernt, erinnern zwei Bronze-Skulpturen vor dem alten Schulhaus an die besondere Geschichte von Charlotte Knobloch und ihre Retterin Kreszentia Hummel. Die Bauersfrau und ihre Familie beschützten das damals zehnjährige jüdische Mädchen vor den Nazis. Wohl wissend, in welche Gefahr sie sich damit brachten. Im Fall einer Enttarnung hätte ihnen allen der Tod gedroht.

Das ganze Dorf tuschelte

Die Bäuerin gab das Kind unter der neuen Identität „Lotte Hummel“ als ihr eigenes aus. Das ganze Dorf tuschelte über den „Bankert“. Nur der damalige Ortspfarrer war eingeweiht und half dem Mädchen, in der Kirche alles richtig zu machen, um nicht aufzufallen.

Drei Jahre lebte das vermeintlich uneheliche Kind der tiefgläubigen Katholikin in Arberg. Mit dem Ende der Nazizeit 1945 war das Versteckdrama zu Ende. Alle Beteiligten hatten überlebt. Auch die beiden Brüder von „Zenzi“ Hummel waren unversehrt aus dem Krieg zurückgekehrt. Ein Anliegen, für das die fromme Frau immer gebetet hatte. Inzwischen leben in dem Haus neue Eigentümer.

Keiner durfte sich verplappern

Karl Ringer vom Kultur- und Heimatverein erläuterte den jungen Leuten beim Rundgang durch Arberg die damals schwierigen Umstände. Dazu gehörte die ständige Angst, eines Tages aufzufliegen. Keiner durfte sich verplappern.

In München trafen die Schülerinnen und Schüler Charlotte Knobloch. Die Präsidentin der Münchner Israelitischen Kultusgemeinde nahm sich über eine Stunde Zeit für den Besuch aus Feuchtwangen. Die Gruppe hatte sich zur Vorbereitung des Treffens mit der Biografie von Charlotte Knobloch beschäftigt und Fragen ausgearbeitet, um ein Gespür dafür zu bekommen, was es bedeutet, ausgegrenzt, entrechtet und verfolgt zu werden.

Das Schicksal der Kriegsgeneration wird am konkreten Beispiel der kleinen Lotte auf beklemmende Weise greifbar. Als Kind musste sie ohne die Eltern untertauchen und machte die schreckliche Erfahrung von Angst, Schutzlosigkeit und Einsamkeit. Die Mutter, nichtjüdischer Abstammung, aber vor der Heirat zum Judentum konvertiert, trennte sich 1936 von Mann und Kind, als die Schikanen der Nazis gegen „arische“ Ehepartner zunahmen. Die geliebte Oma wurde deportiert.

Tiere als Zuflucht

Der jüdische Vater brachte seine Tochter schließlich 1942, als die Verfolgung lebensbedrohlich wurde, bei der katholischen Bäuerin in Arberg unter, die Hausmädchen eines Verwandten gewesen war und aus dem Beweggrund des christlichen Glaubens zur mutigen Pflegemutter und Retterin wurde. Charlotte Knobloch erzählte den Schülern, wie sie als Zehnjährige bei der schweren Arbeit in der Landwirtschaft mit anpacken musste und Trost bei den Tieren auf dem Bauernhof fand, wenn sie unter Angst und Heimweh litt.

Ihre Schlafstätte befand sich damals unter dem Dach. Im Sommer war es dort stickig und heiß, im Winter wuchsen bei Kälte Eisblumen unter den Ziegeln. Die kleine Lotte fügte sich in der neuen Umgebung in den Alltag der Dorfbewohner ein, ging zur Schule und in den Gottesdienst – immer auf der Hut, nicht aufzufallen.

Berührt und gleichzeitig beeindruckt zeichneten die Ethik-Schüler das Gespräch auf. Daraus soll ein Video und eine Dokumentation entstehen. Eine Führung durch die Münchner Synagoge vermittelte den jungen Leuten Einblicke in jüdische Rituale und Gebräuche. Mit großer Herzlichkeit verabschiedete Charlotte Knobloch ihren Besuch aus Feuchtwangen: „Ich will Euch wiedersehen.“

Jüdischer Friedhof wird besucht

Als nächstes werden die Ethik-Schüler am 24. Juli den jüdischen Friedhof in Schopfloch aufsuchen und dann im Rathaus mit dem Bürgermeister bezüglich der geplanten Gedenktafeln zur Erinnerungen an die ehemaligen jüdischen Mitbürger den aktuellen Forschungsstand erörtern.

Anschließend wollen sie die jeweiligen Häuser aufsuchen, an denen die Gedenktafeln angebracht werden sollen. Dazu wird es ein Begleitprogramm mit Vorträgen und Erläuterungen der Ethik-Schüler am 8. November im evangelischen Gemeindehaus von Schopfloch geben.

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