Seine Heimat war Schillingsfürst. Karriere machte er als Gustavus von Hohenlohe im Vatikan. Da erschien es logisch, ihm zum 200. Geburtstag auch an beiden Orten die Reverenz zu erweisen. Das geschah bei einer Rom-Fahrt der von ihm vor 150 Jahren gestifteten Realschule und bei einem Gottesdienst im heimischen Schloss.
Der Mann, der als Kurienkardinal Ende des 19. Jahrhunderts eine wichtige Rolle im Führungskreis der katholischen Kirche hatte, war am 26. Februar 1823 als Gustav Adolf Prinz zu Hohenlohe-Schillingsfürst zur Welt gekommen. In der fürstlichen Schlosskapelle in Schillingsfürst wurde sein Leben und Wirken am Sonntag bei einer Feier gewürdigt, die die Schola der Regionalpfarrei mit Chorsätzen der Komponisten Franz Liszt und Charles Gounod umrahmte.
Pfarrer Hans-Peter Kunert skizzierte die Biografie des bedeutenden Kirchenmannes, der einer der vier Söhne von Fürst Franz Joseph zu Hohenlohe-Schillingsfürst und Fürstin Konstanze, geborene Prinzessin zu Hohenlohe-Langenburg, war. Unter Papst Pius IX. wurde er Erzbischof und 1866 dann Kardinal.
Gustav Adolf hatte in sehr kurzer Zeit in der Kirche Karriere gemacht. Allerdings seien seine Vorstellungen konträr gewesen zu denen der Päpste Pius IX. (bis 1878) und Leo XIII. (bis 1903), berichtete der Pfarrer. Am 30. Oktober 1896 verstarb Kurienkardinal Gustav Adolf zu Hohenlohe-Schillingsfürst in Rom, weitgehend von der Kurie isoliert. Er wurde auf dem Campo Santo Teutonico, dem Deutschen Friedhof im Vatikan, beigesetzt. Wegen seiner oppositionellen Haltung den Päpsten gegenüber sei er als der „unbotmäßige Kardinal“ betitelt worden, so Kunert.
Von Zeitgenossen sei er als aufgeschlossener Denker gewürdigt, aber auch als Karrierist kritisiert worden. Unbestritten positiv sei hingegen sein Engagement für Schillingsfürst zu sehen, erklärte der Pfarrer. So habe er dort im Jahr 1873 anlässlich seines 50. Geburtstages eine Höhere-Töchter-Schule mit Internat gegründet. „In einer Zeit des Umbruchs wollte er auch für Mädchen die Möglichkeit schaffen, neben den hausfraulichen Tätigkeiten eine solide Allgemeinbildung zu erwerben“, so Kunert. Inzwischen ist die Lernstätte auch für Jungen zugänglich und trägt den Namen Edith-Stein-Realschule.
Beim Gottesdienst in der Schlosskapelle wurde auch daran erinnert, dass Gustav Adolf in den 1870er Jahren den nach ihm benannten Kardinalsgarten anlegen ließ, eine Parkanlage im Englischen Stil. Seine persönliche Freundschaft mit Franz Liszt führte dazu, dass in dem Park ein Denkmal für den Klaviervirtuosen errichtet wurde. Seit zehn Jahren gibt es in Schillingsfürst auch eine Liszt-Akademie mit Meisterkursen und Konzerten.
Das Leben des Kardinals hat den Ansbacher Künstler Reiner Grunwald inspiriert, eine Büste zu gestalten, die im Gottesdienst enthüllt wurde. Angeregt durch den Salzburger Bildhauer Walter Maierhofer fertigte er eine Skulptur aus Ton anhand der wenigen vorhandenen Bilder des Kardinals und veredelte sie mit einer Paste aus Asche, gemischt mit Farbtönen, so dass sie den Charakter einer Bronze-Büste hat. Hans Emmert, stellvertretender Vorsitzender des Kulturfördervereins, dankte dem Künstler für das „großartige Werk“, denn die Darstellung sei „in dieser Form einzigartig und einmalig“. Vom Kardinal sind in Schillingsfürst zwei Messgewänder erhalten. Eines davon präsentierte Pfarrer Kunert am Ende der Veranstaltung, indem er es überstreifte.
Während in Schillingsfürst der Gedenkgottesdienst lief, bewegte sich gut 1000 Kilometer südlich eine Reisegruppe aus Schillingsfürst auf den Spuren des Kardinals im Vatikan. So nahmen 37 Mädchen und Jungen der Edith-Stein-Realschule mit Rektor Marcus Pfalzer an einer Andacht an der Grabstätte des Kurienkardinals teil.
Der Besuch dort war einer der Höhepunkte des heute zu Ende gehenden mehrtägigen Rom-Aufenthaltes, den die Bildungsstätte anlässlich ihrer 150-Jahr-Feier für ihre Schülerinnen und Schüler organisiert hatte. Bei der Gedenkfeier im Deutschen Friedhof, zu der sich auch Constantin zu Hohenlohe-Schillingsfürst und Bürgermeister Michael Trzybinski eingefunden hatten, legten die Schülerinnen und Schüler an der Grabstätte des Kurienkardinals eine Blumenschale nieder.
Der Rathauschef teilte gestern mit, dass er „als Zeichen des Dankes für die großartigen Verdienste des Kardinals und Sohnes der Schlossstadt für die Schulbildung der Stadt“ ebenfalls ein Blumenbukett platziert habe. Eindrucksvoll sei auch der Abstecher zu der 30 Kilometer östlich von Rom gelegenen Villa d’Este gewesen, so Trzybinski. Dort habe Kardinal Gustav Adolf jahrelang gelebt und oft von seinem Freund Franz Liszt Besuch erhalten. Die Villa sei aufgrund ihrer terrassenartigen Gartenanlage mit zahlreichen Springbrunnen einzigartig, so der Bürgermeister.
In den nächsten Monaten sollen in Schillingsfürst weitere Veranstaltungen zu Ehren des Kardinals stattfinden. Auch das Liszt-Festival im Sommer wird davon geprägt sein.