Gemeinde Sachsen: Im Alter noch selbstbestimmt leben | FLZ.de | Stage

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 16.03.2023 16:52

Gemeinde Sachsen: Im Alter noch selbstbestimmt leben

Als Senior weiter in den eigenen vier Wänden wohnen: Das wünschen sich viele ältere Bürger. (Foto: Jim Albright)
Als Senior weiter in den eigenen vier Wänden wohnen: Das wünschen sich viele ältere Bürger. (Foto: Jim Albright)
Als Senior weiter in den eigenen vier Wänden wohnen: Das wünschen sich viele ältere Bürger. (Foto: Jim Albright)

SACHSEN b. ANSBACH/PETERSAURACH – Im fortgeschrittenen Alter weiter in den eigenen vier Wänden wohnen und selbst über den Tagesablauf bestimmen – das wünschen sich viele Seniorinnen und Senioren. Um diesen Wünschen Rechnung zu tragen, erwägt die Verwaltung in Sachsen, einen Quartiersmanager zu beschäftigen.

Unter der Förderrichtlinie „Selbstbestimmt Leben im Alter“ (SeLA) hat das Bayerische Familienministerium mehrere Förderprogramme zusammengefasst. Ziel ist, „den Auf- und Ausbau alternativer Wohn- und Betreuungsformen für ein möglichst langes selbstbestimmtes Leben voranzubringen“. Zuschüsse gibt es unter anderem für einen Quartiersmanager, der sich vor Ort um die Belange der älteren Bürger kümmert.

Strukturen für ältere Bürger aufbauen

Die Idee, über das Förderprogramm einen Quartiersmanager zu finanzieren, brachte zweiter Bürgermeister und Seniorenbeauftragter Franz Meißner ins Spiel. „Wir werden nicht jünger in Sachsen“, stellte er fest. Deshalb sei es wichtig, Strukturen aufzubauen, damit die älteren Bürger weiter im Ort leben können und nicht wegmüssen.

„Ich sehe nicht die Notwendigkeit eines Quartiersbeauftragten“, bekundete dagegen Ratsmitglied Dr. Manfred Tschirswitz. Sachsen habe schon einen Seniorenbeauftragten und demnächst einen Seniorenbeirat. Bei einer Gemeinde dieser Größenordnung halte er es für überzogen, eine dritte Position zu schaffen.

Hochbetagt, aber selbstbestimmt

Die Mehrheit der Räte war allerdings sehr angetan. „Ich sehe großen Bedarf für einen Quartiersmanager“, betonte Heidi Zimmer. Menschen über 80 seien oft hilflos in großen Häusern. „Bei vielen Älteren fehlt eine Hand, die ihnen gereicht wird.“

Katja Breck lobte die Idee, wies aber darauf hin, dass Ältere sich selten etwas vorschreiben lassen. „Ein Senior ist selbstbestimmt, auch wenn er hochbetagt ist.“ Ein Quartiersmanager brauche somit viel Empathie.

Verwaltungsleiterin Rita Gundermann erklärte, dass es zunächst darum geht, die Bedürfnisse der Senioren herauszufinden. Dafür brauche es einen eigenen Ansprechpartner. „Das kann keiner nebenher machen.“

Franz Meißner schlug vor, die Verwaltung solle sich auf alle Fälle bemühen, einen Zuschuss zu bekommen. Ob dieser dann tatsächlich angenommen werde, könne man immer noch entscheiden. Dieser Meinung schloss sich auch Bürgermeister Bernd Meyer an.

Gegen die Stimme von Manfred Tschirswitz entschied das Ratsgremium, einen Förderantrag einzureichen.

In Petersaurach gibt es bereits eine Quartiersmanagerin. Katja Biedermann hat Soziale Arbeit mit Schwerpunkt Integrierte Stadtentwicklung studiert und ist seit Oktober 2022 bei der Gemeinde angestellt. „Angefangen hab’ ich mit einem Seniorenwegweiser“, der bald verteilt werden soll, erzählte sie im Gespräch mit der FLZ. Darin ist aufgelistet, welche Hilfsangebote, Dienstleistungen und Freizeitmöglichkeiten in Petersaurach und Umgebung zur Verfügung stehen.

Nachbarschaftshilfe für Notfälle

Als nächstes möchte sie eine Nachbarschaftshilfe nach dem Motto „Bürger helfen Bürgern“ mit Schwerpunkt auf den Senioren organisieren. Wenn jemand zum Beispiel wegen einer Hüft-OP ins Krankenhaus müsse, könne er sich an die Quartiersmanagerin wenden. Sie suche dann einen Ehrenamtlichen, der in der Zwischenzeit die Katze füttert, den Rasen mäht oder Schnee schippt. „Denn die eigenen Kinder wohnen oft nicht mehr im Ort“, begründete sie.

Langfristig will sie sich auch mit alternativen Wohnmöglichkeiten im Alter beschäftigen. Wenn der Partner verstorben sei und die Kinder weit weg leben, ist so manchem sein Haus plötzlich zu groß. Weil nicht jeder in ein Seniorenheim ziehen möchte, gilt es, Alternativen wie seniorengerechte Wohnungen zu finden – vielleicht angeknüpft an einen ambulanten Pflegedienst. Aktuell ist so ein Wohnprojekt in beiden Kommunen aber noch Zukunftsmusik.


Andrea Walke
Andrea Walke
... ist Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach und seit Dezember 2012 bei der FLZ. Sie fühlt sich in Rathäusern genauso wohl wie in Gerichtssälen und trifft am liebsten Menschen, die eine interessante Geschichte zu erzählen haben. Seit 2017 betreut sie redaktionell die Aktion "FLZ-Leser helfen".
north