Brücken helfen dabei, Hindernisse zu überwinden. Und sie vereinen etwas, was zuvor getrennt war. Diese Symbolik soll auch die Brücke demonstrieren, die seit Donnerstag die Hochschule mit ihren neuen Räumen im benachbarten Einkaufszentrum verbindet. Ein Tag im Zeitraffer.
Bereits um kurz vor 8 Uhr morgens herrscht reger Betrieb in der Schöneckerstraße. Arbeiter in Warnwesten und allesamt mit Sicherheitshelm wuseln umher zwischen zwei monströs anmutenden Spezialkränen und einem siebenachsigen Schwerlasttransporter. Auf dessen Rücken thront die Brücke: Fraglos ein architektonischer Hingucker aus Stahl und Glas.
Alles hat Methode, jeder der Arbeiter weiß, wo er gerade anpacken muss. Der Zeitplan ist eng getaktet. Bereits um kurz nach Mitternacht war der Schwertransport in Cham losgerollt. Für die etwa 200 Kilometer lange Strecke nach Ansbach benötigte der Tross knapp acht Stunden. Die größte Herausforderung sollte da aber erst noch warten.
„Im Normalfall werden Brücken quer eingehoben“, erklärt Projektleiter Dominik Smith und verzieht leicht das Gesicht, weil der Platz zwischen Hochschule und Brücken-Center hier in der Realität doch noch ein wenig enger als auf den Plänen im Büro erscheint. Und die Brücke reizt mit einer Spannweite von 25 Metern den Platz beinahe voll aus. „Sie wird hoch angestellt und kommt dann steil rein.“ Am besten in einem exakten Winkel von 30 Grad. Klingt spannend und soll es auch noch werden.
Längst haben sich einige Schaulustige versammelt. Viele zücken das Handy, Erinnerungsfotos werden gemacht und die Neugier gestillt. Klappt alles? Eine Klasse der Weinbergschule schiebt sich an die Absperrung. „Wir behandeln gerade das Thema Brücken“, sagt die Lehrerin, als sie nebenbei versucht, die aufgeregt wirkenden Jungs zu bändigen.
Der Puls vieler Menschen geht merklich in die Höhe, als die beiden Spezialkräne gegen 11.30 Uhr ihre überlangen Arme ausgefahren haben und die Dreipunktgurte an exakt berechneten Haltepunkten der Brücke angelegt sind. Es knirscht kaum hörbar, als die rund 28 Tonnen schwere Konstruktion am Haken hängt und zunächst für ein paar Meter angehoben wird. Letzte Arbeiten an der Unterseite werden dabei erledigt.
Auch Andreas Schmid, Geschäftsführer des Brücken-Centers, schaut aufmerksam zu. Die Einpassung der Brücke in luftiger Höhe mit einem Spielraum von nur acht Zentimetern ist das Finale im Rahmen der Umbauarbeiten. Das Obergeschoss des früheren Real-Marktes hat die DV Immobilien Management GmbH aus Regensburg, der das Brücken-Center gehört, umgestalten lassen. Ein Hörsaal für 350 Studierende, Büros, Seminarräume und Besprechungszimmer sind auf 5000 Quadratmetern entstanden. Die Gesamtinvestitionen in Höhe von rund zehn Millionen Euro sind „über einen langfristigen Vertrag“ mit der Hochschule abgesichert. Schmid wirkt zufrieden.
Es ist demnach eine Win-win-Situation: Die neuen Räume decken zumindest „etwa die Hälfte“ des benötigten Raumbedarfs der prosperierenden Hochschule ab, hatte deren Präsident, Professor Sascha Müller-Feuerstein, im Vorfeld erklärt.
Es ist Millimeterarbeit auf den letzten Metern. Behutsam, ja beinahe zärtlich bugsieren die Kranführer die Brücke in die vorgesehenen Aufhängungen. Noch letzte Bolzen einfügen, dann ist es geschafft. „Das ist die Sahne auf der Torte für das Campusgefühl“, sieht Schmid in der Brücke ein „emotionales Thema“. Wer in Ansbach studiere, habe jetzt ein noch attraktiveres Angebot. Und dank der Brücke auch kurze Wege.